Freiheit ist: an hole in the wall
Am 29.9.08 fiel im Keller der Fotograf Andreas Vogt tot um. Erst am nächsten Tag fand man ihn. Er starb einsam und wurde nur 54 Jahre alt. Ein ganz alltäglicher Vorfall. Die Verzweiflung des Lebens sieht man erst beim näheren Hinsehen. Wenn man fragt: Was hinerlässt der jetzt.
Ein Fotoarchiv. Eine Dokumentation über den innerdeutschen Mauerbau. 1990 zog der Fotograf los, unter dem Motto: Gras wächst über die Geschichte! Fuhr entlang der innerdeutschen Grenze, 1400 Kilometer. 120 Standorte wählte er aus, die er fotografisch festhielt. 1995 fuhr er erneut und im Jahr 2000 machte er wiederum standortgenaue Fotos. Er dokumentierte so, dass man sehen konnte, dass die Natur sich weder ideologisch noch religiös ihr Wachstum bestimmen lässt. Gras und Pflanzen hatten alles weitestgehend zugedeckt.
Nicht so im menschlichen Zusammensein, bei Deutschen unter Deutschen.
Einstmals war der Fotograf losgezogen, um einen ideologischen eisernen Vorhang zu zeigen, ohne Wertung. Vogt wollte nicht Partei ergreifen. Vogt sah seine Arbeit philosophisch, als Muster: Eingrenzen, Ausgrenzen, Begrenzen. Als allgemeines Prinzip: Besessen verfolgte er diese Aufgabe bis zum wirtschaftlichen Ruin und immer von dem Gedanke beseelt, die Welt würde schon erkennen, worum es ging: Chinesische Mauer, Korea, Mexiko u.a.m.
Doch die Welt erkannte nicht. Die deutsche Welt wollte an den Pranger stellen, die Mauerfotos unter den Aspekt des Frevels der DDR Diktatur.
So wollte es Vogt nicht. Deswegen starb er einsam inmitten seiner Dokumentation verzweifelt. Über Vogt wächst bald Gras, seine Dokumentation läuft in Gefahr, im Müll zu landen, was bleibt ist das Urteil über die DDR Diktatur. Urteile halten sich wohl immer lange.
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