War die erste Debatte vor etwas mehr als einer Woche zwischen den US-Präsdidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain noch weitgehend ausgeglichen bewertet worden, so sehen Experten nach dem zweiten TV-Duell in der vergangenen Nacht in Nashville mehrheitlich Obama als Gewinner.
Schon in der ersten Runde hatten sich die Rivalen einen heftigen Schlagabtausch geliefert. Obama forderte zu diesem Zeitpunkt mehr strategische Visionen. McCain sprach ihm dagegen seine Kompetenzen als Staatsmann ab. “Nichts Neues”, so der Konsens der Medien Ende September. In der jetzigen Debatte, die diesmal als Bürgerrunde angelegt war, sah das allerdings etwas anders aus: “Obama erzielt Punktsieg in zweiter TV-Debatte“, titelte etwa Spiegel Online. “Obama hält McCain auf Distanz“, heißt es beim Tagesanzeiger.
“Sie sind nicht interessiert an gegenseitigen Vorwürfen unter Politikern.”
Angesichts des in Umfragen ermittelten derzeit gewachsenen Vorsprungs Obamas von bis zu acht Prozentpunkten vor McCain, so waren sich die Experten bereits vor dem Rededuell in Nashville einig, würde dies eine der letzten Chancen für John McCain sein, im zweiten von drei direkten TV-Aufeinandertreffen wieder an Boden gut zu machen. Mit Spontanietät wolle McCain punkten, war noch gestern etwa auf Spiegel Online zu lesen gewesen. Nicht einmal mehr vier Wochen bleiben ihm bis zur Wahl. So herzlich die Begrüßung dann noch ausfiel, umso giftiger sollte die folgende Debatte verlaufen, auch wenn persönliche Angriffe ausblieben. Die Anwürfe McCains gegen seinen Kontrahenten jedoch prallten größtenteils an diesem ab. Obama wirkte ernst und konzentriert, antwortete stets kühl überlegt, setzte kluge Pointen, wich Attacken souverän aus: “Sie (die Wähler) sind nicht interessiert an gegenseitigen Vorwürfen unter Politikern.” (zum Vorwurf McCains, die Demokraten hätten die Finanzkrise mitverursacht).
Als McCain schließlich Obama vorwirft, dessen Rückzugspläne aus dem Irak seien falsch, kontert dieser erneut mit einem geschickten Schachzug: “Senator McCain sagt immer wieder, ich verstünde davon nichts. Es stimmt, dass ich einige Sachen nicht verstehe. Etwa, warum man in ein Land einmarschiert, das mit den Anschlägen vom 11. September nichts zu tun hatte.”
Doch Lösungsvorschläge blieben wieder von beiden Seiten rar gesät. “Wer sich von der zweiten Redeschlacht zwischen den beiden Kandidaten neue Ideen oder gar einen Vorschlag zur Behebung der Finanzkrise erwartet hatte, sah sich enttäuscht”, fasst Kollege Walter Niederberger die Vorgänge in der Belmont Universität in Nashville, Tennessee zusammen. “Die Debatte (…) verlief nicht wesentlich animierter oder inspirierter als die erste.”Eine Tatsache sei diesmal seiner Meinung nach jedoch besonders hervorgetreten: McCain ist nicht gerade ein Freund Obamas. Seine tiefe Abneigung sei sichtbarer zu Tage getreten wie kaum zuvor, was Obama allerdings nicht zu beeindrucken schien. Dabei sollte es doch eher um politische Inhalte, denn um persönliche Präferenzen gehen. Moderator Tom Brokaw rief zu Statements bezüglich des Gesundheitswesens, der Energiepolitik und der sozialen Sicherungssysteme auf. Während McCain mit Sätzen wie “Ich bin immer ein Reformer gewesen” hier aber lieber alles auf einmal angehen würde, suchte Obama zu differenzieren und räumt auch vermeintliche Unzulänglichkeiten ein.
Bis zum alles entscheidenden Tag sind es nur noch vier Wochen, doch schon jetzt zeichnet sich mehr und mehr ab, wer das Rennen machen könnte: “Die Nachbefragung durch CNN ergab ein klares Bild: 54 Prozent der Zuschauer sahen Obama als Sieger; nur 30 Prozent favorisierten McCain. Und zur entscheidenden Frage, wer die Wirtschaftskrise erfolgreicher anpacken könne, gaben 59 Prozent Obama und nur 37 Prozent McCain die Stimme.” Ob McCain beim nächsten Duell in einer Woche (am 15. Oktober) das Ruder noch einmal herumreißen kann?
Hier das TV-Duell noch einmal in voller Länge:
- Wahl 2008: Schlagabtausch zwischen Obama und McCain
(fk/no)
ich bin eindeutig für obama!!!