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Politik

Jörg Haiders Tod

Samstag, den 11. Oktober 2008 um 15:57 Uhr von Michael Maier

Jörg Haiders Tod bei einem Autounfall spätnachts in einem Kärntner Dorf markiert das tragische Ende eines außergewöhnlichen Politikers. Er starb wie er lebte: Immer maßlos, getrieben, ohne Rast, ohne Halt, einsam. Hätte er nicht als erster Nachkriegpolitiker ganz gezielt alte Nazi-Gedanken wiederbelebt, wäre er vermutlich Langzeit-Bundeskanzler geworden. So aber bleibt von seinem politischen Wirken die unerfreuliche Veränderung der politischen Landschaft in Österreich.

Obwohl Haider selbst im Alter deutlich weniger “rechts” war, besteht sein Erbe darin, eine politische Kraft zum Leben erweckt zu haben, die Ressentiments, Rassismus und Rechthaberei zum Programm hatte. Diese Kraft war zuletzt in zwei Parteien gespalten, die beide zusammen ein Drittel der Österreicher repräsentieren. Ohne Haider werden sich alle Dimensionen wieder verändern. Seine Anhänger sprachen nach seinem Tod davon, dass für sie die Welt untergegangen ist.

Ich habe Haider mehrmals zum Interview getroffen. Er war intelligent, schlagfertig, originell. Er war ein Meister der brillanten Analyse. Er zog jedoch zu oft die falschen Schlüsse. Er versuchte, jeden zu gewinnen und bekämpfte seine Feinde mit großer Härte. Wie kaum einem Politiker schlug ihm der offene Hass seiner Gegner entgegen. Er fühlte sich provoziert und reagierte meist trotzig. Versöhnung war nicht sein Ding. Zur Religion hatte er ein zwiespältiges Verhältnis. Fragen über ein Leben nach dem Tod beantwortete er volkstümlich-ausweichend. Er wollte stets nur das eine: Im Jetzt leben, unersättlich, den Augenblick als Maß aller Dinge.

Photo Quelle/Copyright: sugarmelon.com, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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7 Reaktionen zu “Jörg Haiders Tod”

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  1. tolya glaukos

    am 12. Oktober 2008 um 03:06 Uhr | Link | Kommentar melden

    Das Presseecho auf Haiders Tod ist beeindruckend milde im Urteil, und selbst politische Feinde geben sich nun (beinah kreidefresserisch) handzahm … mich lässt sein Ableben auch an den Tod des letzten bundesdeutschen Politikers mit megalomanen Tendenzen denken: Jürgen W. Möllemann.
    Beide lebten von Provokationen, vom steten Konflikt mit allen und jedem.
    (Allerdings war Möllemann in seiner Partei niemals eine Leitfigur, er war auch in der FDP ein teils verehrter, teils gefürchteter Außenseiter …)
    Und an den Popstar Falco.

    Nicht zu vergessen Lady Di’s Tunneltodesfahrt - die mediale Wirksamkeit solch spektakulärer Todesfälle ist nicht zu unterschätzen. Allerdings fällt das Ereignis in keine günstige Zeit, wünschte man Haider die Stilisierung zur mythischen Figur: zu laut dröhnt der teils schon apokalyptisch schrillende Pressechor zum Thema des Monats, der Finanzkrise … in deren Strudeln ein verunglückter Haider vermutlich verschlungen wird.

    Oder werden die Österreicher Staatstrauer anordnen, wie weiland zu Ehren vom seligen Franz Josef Strauss?

  2. Margareth Gorges

    am 12. Oktober 2008 um 09:06 Uhr | Link | Kommentar melden

    Über Haiders Ende oder: der Ingolstädter Mescalero

    Über Tote soll man nichts Schlechtes sagen, heißt es - aber was, wenn der Toten kaum, vielleicht sogar nichts Gutes an sich gehabt hat, worüber man sprechen kann? Meine Gefühle, als ich vom tödlichen Unfall Haiders gelesen habe, sind knapp geschildert: mich ließ sein Ableben kalt, ich konnte nicht einmal einen Funken Mitleid empfinden. Wie oft habe ich diesen Typen hetzen gehört? Er war immer ganz vorne dabei, wenn es darum ging, in Österreich lebende Ausländer zu kriminalisieren, sie als faules Gesindel zu brandmarken, während er im gleichen Atemzug überzeugter Reinwäscher brauner Gesinnung war, SS-Veteranen als “anständige Menschen” einstufte.

    Es war keine Freude, kein klammheimliches Händereiben, als ich erfuhr, dass dieser Hetzer sein irdisches Gastspiel beendet hat. Mit gleichgültiger Gefühllosigkeit begegnet man der menschenverachtenden Dummheit am gerechtesten - wenn Freude, Spott oder Haß aufkreuzen, widmet man der personifizierten Engstirnigkeit zu viel Aufmerksamkeit, betreibt deren Geschäft von der anderen Seite. Natürlich bekämpfe man solche Ausgeburten des Wahnsinns, aber bitte ohne Gefühl! Diese hebe man sich für wertvollere Personen des eigenen Lebens auf.

    Was mich aber dennoch mit Wut erfüllt, was mich Kopfschütteln macht, dass sind die Legionen von Menschen, die nun in Kärnten durch die Lande pilgern, um aus dem politischen Karrieristen, egoistischen Taktierer und grobschlächtigen Misanthropen einen Heiligen zu erschaffen. Was da an Weltuntergangsfloskeln formuliert wurden! Selbst die Sonne soll nun in Kärnten nicht mehr scheinen! Und überhaupt sei die Welt nun nicht mehr so, wie sie einst war - als ob das nicht täglich zutrifft. Andere nannten ihr gar einen “großen Europäer” und sogar vom “Staatsmann” war die Rede. Blumen säumen Regierungsgebäude, dümmliche “Wir-werden-dich-nie-vergessen”-Briefchen ebenso. Aus Haider dem Rechtspopulisten wird ein kurzzeitiger Halbgott! Sein Auftreten, seine in charismatisches Karrieristentum gepackte Unkultur, sein Herrenmenschengehabe - alles vergessen? Oder nie Gegenstand kritischer Betrachtungsweise für diese Horden hellbrauner Kondolierender gewesen?

    Man kennt das ja - Stalin wurde beweint, ebenso Franco, Pinochet erst kürzlich. Nicht das man Haider soviel der ehrenvollen Unehre zuteilen sollte: er war ja nur ein kleiner, relativ unbedeutender Landeshauptmann, zudem freilich Hauptmann seiner rechten Rotten. Ein Darmwind der politischen Geschichte seines Landes eben - kurz gestunken, danach unwiederbringlich vergessen. Aber was sich wieder einmal deutlich erkennen läßt: im Moment des Todes eines Menschen scheinen alle Unverzeihlichkeiten, alle Menschenverachtungen und Auswüchse mangelnder Aufklärung vergessen. Natürlich könnte man einwenden, dass jene Trauernden nie von ihm beleidigt wurden. Und das mag schon stimmen: Haider war ein feiner Kerl - wenn man Österreicher in Österreich war. Aber als Österreicher in der Welt muß man in ihm doch nichts anderes als einen schmierigen Machtmenschen erkannt haben, der die Ressentiments und Beschränktheiten aufgriff, um sich auf ihnen zu politischen Würden tragen zu lassen. Wer also dort kondoliert kann nur Österreicher in Österreich sein - regional, abgekapselt, in seinem kleinen Kosmos lebend! Solche Figuren verzeihen die widerlichen Ausbrüche dieses Herrn, oder besser: hatten nie etwas zu verzeihen…

    Man soll also nichts Schlechtes über Tote sagen? Von wegen! Wann, wenn nicht in der Stunde, da uns seine Existenz durch seine eben vollzogene Nicht-Existenz erst richtig bewußt wird, sollte man denn sonst die Dinge beim Namen nennen? Wenn es über Tote nichts Schlechtes zu sagen gibt, so sage man nichts Schlechtes - wenn aber ein ganzes Leben aus Schlechtem am Mitmenschen besteht, dann greife man das auf und formuliere es, gleichgültig wie geschmacklos man das finden mag. Wer hat sich um die Gefühle derer geschert, die er diffamiert, unterdrückt, geohrfeigt hat? Da hat auch der Hauptmann seine Geschmacklosigkeiten nicht aufgespart, sondern sie ohne falsche Scham in die Welt hinausposaunt. Jetzt, in den ersten Stunden seines Fortseins nicht über seine Verfehlungen und Frechheiten zu schweigen, ist daher sicher nicht pietät- und würdelos, sondern nur bestes Haider-Prinzip - man haue drauf, ohne Rücksicht, ohne Menschlichkeit, ohne falsche Scheu.

    Eine Welt ohne Haider ist gewiss nicht ärmer am Geiste. Solche Kreaturen der politischen Welt, die nur um ihres eigenen Vorteils willen in die Politik drängen, gibt es zuhauf, sind immer und überall ersetzbar. Karrieristen dieser Sorte bereichernd die Politik nicht, ihre Abwesenheit ist wahrlich kein Rückschritt - nicht für das Volk, nicht für frei und ethisch denkende Menschen. Für seine Familie sieht das natürlich anders aus…

    Geschrieben von Roberto J. De Lapuente

    Quelle: ad-sinistram
    http://ad-sinistram.blogspot.com/2008/10/ber-haiders-ende-oder-der-ingolstdter.html

  3. Bernd Stichler

    am 12. Oktober 2008 um 13:35 Uhr | Link | Kommentar melden

    ” So aber bleibt von seinem politischen Wirken die unerfreuliche Veränderung der politischen Landschaft in Österreich. ”

    Das ist jedoch die ganz persönliche Ansicht des Autors. Es kommt immer auf den jeweiligen Standpunkt des Betrachters an.

    Bernd Stichler

  4. wewi

    am 12. Oktober 2008 um 15:29 Uhr | Link | Kommentar melden

    Das Schlimmste an allem ist, dass man dieser Person überhaupt noch Beachtung schenkt und durch solche Artikel, ganz gleich welchen Inhalts, ein Podium bietet.

  5. Kathrin Winters

    am 12. Oktober 2008 um 16:39 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Bernd Stichler

    Mit dieser Ansicht ist der Autor sicherlich nicht allein. Und bei einem Menschenverachter, wie Haider es war, kann ein normal denkender Mensch eigentlich keinen anderen Standpunkt einnehmen! Oder hassen Sie auch die Menschen, nur weil sie anders denken und aussehen als Sie selbst? Sie armer, bemitleidenswerter T(h)or…

  6. Bernd Stichler

    am 12. Oktober 2008 um 18:46 Uhr | Link | Kommentar melden

    Sehen Sie, Ihr beileidigender Ausfall zeigt deutlich, daß SIE andersdenkende Menschen hassen. Damit sind Sie schon unglaubwürdig. Übrigens weiß ich mit absoluter Gewißheit, daß ich mit meiner Meinung nicht allein stehe. Sie wissen das vermutlich auch und das mißfälltt Ihnen irgendwie, oder? Allerdings wäre ich voll Ihrer Meinung, wenn es einen Gysi getroffen hätte. Aber der ist für Sie vermutlich kein Menschenverachter als ehemaliger Chef einer Mörderbande. ( Siehe Gerichtsbeschluss
    Berliner Kammergericht v. 10. 06.1992).

    Bernd Stichler

  7. GISMA

    am 17. Oktober 2008 um 15:44 Uhr | Link | Kommentar melden

    Heute präsentierte die österreichische und deutsche Presse, dass Haider sich als Schwuler in Schwulenbars mit Knaben vergnügte:

    http://www.bild.de/BILD/news/politik/2008/10/17/haider-letztes-foto/mit-wem-betrank-sich-haider-vor-tod.html

    Wie verlogen dieser Mann doch war…
    Aber es passt ins Bild von Rechtspopulisten und Neofaschisten: Sie lassen gern und oft ihre “Männlichkeit” unter Männern, wettern aber vor den Medien als selbsternannte “Saubermänner” gegen die Gleichgeschlechtlichkeit. So lenkt man am wirkungsvollsten von sich selbst ab.

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