Jörg Haiders Tod

Jörg Haiders Tod bei einem Autounfall spätnachts in einem Kärntner Dorf markiert das tragische Ende eines außergewöhnlichen Politikers. Er starb wie er lebte: Immer maßlos, getrieben, ohne Rast, ohne Halt, einsam. Hätte er nicht als erster Nachkriegpolitiker ganz gezielt alte Nazi-Gedanken wiederbelebt, wäre er vermutlich Langzeit-Bundeskanzler geworden. So aber bleibt

Haider2.jpgJörg Haiders Tod bei einem Autounfall spätnachts in einem Kärntner Dorf markiert das tragische Ende eines außergewöhnlichen Politikers. Er starb wie er lebte: Immer maßlos, getrieben, ohne Rast, ohne Halt, einsam. Hätte er nicht als erster Nachkriegpolitiker ganz gezielt alte Nazi-Gedanken wiederbelebt, wäre er vermutlich Langzeit-Bundeskanzler geworden. So aber bleibt von seinem politischen Wirken die unerfreuliche Veränderung der politischen Landschaft in Österreich.

Obwohl Haider selbst im Alter deutlich weniger “rechts” war, besteht sein Erbe darin, eine politische Kraft zum Leben erweckt zu haben, die Ressentiments, Rassismus und Rechthaberei zum Programm hatte. Diese Kraft war zuletzt in zwei Parteien gespalten, die beide zusammen ein Drittel der Österreicher repräsentieren. Ohne Haider werden sich alle Dimensionen wieder verändern. Seine Anhänger sprachen nach seinem Tod davon, dass für sie die Welt untergegangen ist.

Ich habe Haider mehrmals zum Interview getroffen. Er war intelligent, schlagfertig, originell. Er war ein Meister der brillanten Analyse. Er zog jedoch zu oft die falschen Schlüsse. Er versuchte, jeden zu gewinnen und bekämpfte seine Feinde mit großer Härte. Wie kaum einem Politiker schlug ihm der offene Hass seiner Gegner entgegen. Er fühlte sich provoziert und reagierte meist trotzig. Versöhnung war nicht sein Ding. Zur Religion hatte er ein zwiespältiges Verhältnis. Fragen über ein Leben nach dem Tod beantwortete er volkstümlich-ausweichend. Er wollte stets nur das eine: Im Jetzt leben, unersättlich, den Augenblick als Maß aller Dinge.

Photo Quelle/Copyright: sugarmelon.com, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Das Presseecho auf Haiders Tod ist beeindruckend milde im Urteil, und selbst politische Feinde geben sich nun (beinah kreidefresserisch) handzahm … mich lässt sein Ableben auch an den Tod des letzten bundesdeutschen Politikers mit megalomanen Tendenzen denken: Jürgen W. Möllemann.
    Beide lebten von Provokationen, vom steten Konflikt mit allen und jedem.
    (Allerdings war Möllemann in seiner Partei niemals eine Leitfigur, er war auch in der FDP ein teils verehrter, teils gefürchteter Außenseiter …)
    Und an den Popstar Falco.

    Nicht zu vergessen Lady Di’s Tunneltodesfahrt – die mediale Wirksamkeit solch spektakulärer Todesfälle ist nicht zu unterschätzen. Allerdings fällt das Ereignis in keine günstige Zeit, wünschte man Haider die Stilisierung zur mythischen Figur: zu laut dröhnt der teils schon apokalyptisch schrillende Pressechor zum Thema des Monats, der Finanzkrise … in deren Strudeln ein verunglückter Haider vermutlich verschlungen wird.

    Oder werden die Österreicher Staatstrauer anordnen, wie weiland zu Ehren vom seligen Franz Josef Strauss?