Senioren Computer Club e.V., sozialer Anlaufpunkt

“Ohne Internet kann man zukünftig nicht auskommen, leider”, so äußerte Klaus Baumgarten, Präsidiumsmitglied des Deutschen Senioren Computer Club e.V. dscc-berlin.de bereits im Kurzinterview. Hier lesen Sie mehr über den Verein und seine Anstrengungen, “älteren Bürgerinnen und Bürgern den Umgang mit dem Computer zu erschließen”. Zum Verein Der DSCC e.V. wurde

gfdgdfk1.jpg“Ohne Internet kann man zukünftig nicht auskommen, leider”, so äußerte Klaus Baumgarten, Präsidiumsmitglied des Deutschen Senioren Computer Club e.V. dscc-berlin.de bereits im Kurzinterview. Hier lesen Sie mehr über den Verein und seine Anstrengungen, “älteren Bürgerinnen und Bürgern den Umgang mit dem Computer zu erschließen”.

Zum Verein

Der DSCC e.V. wurde von Erich Miller (damals 81 Jahre alt), Werner Müller und anderen am 07.03.1997 gegründet.

„Grundanliegen des DSCC e.V. ist es, älteren Bürgerinnen und Bürgern den Umgang mit dem Computer zu erschließen und erworbene Kenntnisse weiter auszubauen, um ihnen damit den Zugang zu den modernen Informations- und Kommunikationsmitteln zu eröffnen, beziehungsweise bei der raschen Weiterentwicklung der Technik erworbenes Wissen wieder dem Stand der Entwicklung anzupassen.“

Mitglied des Clubs kann jeder ab 55 Jahre werden. Aktuell sind es 528 Mitglieder; etwa die Hälfte davon sind Frauen. Die meisten Mitglieder sind im Internetboomjahr 2000 eingetreten (fast doppelt so viele wie sonst). Ein Drittel ist über 70 Jahre alt. Der älteste ist 94 Jahre alt.

Klaus Baumgarten surft seit sieben Jahren u.a. mit Vergrößerungsglas und XL-Tastatur. Die meisten Mitglieder sitzen in Berlin. Jedes von ihnen bezahlt im Monat 5 Euro. Darin sind Kosten wie z.B. Flatrate und Kurse bzw. die 18 IGs enthalten. Für viele ist eine Flatrate zu Hause bzw. ein zeitgemäßer PC nicht erschwinglich. Etwa 390 Mitglieder besitzen einen eigenen Computer.

In den vergangenen zehn Jahren hat der DSCC in seiner großen Vereinsetage in Lichtenberg 600 Kurse mit mehr als 2.500 Teilnehmern durchgeführt. In den einzelnen Interessensgruppen wie z.B. „Windows XP, Internet & Homepage, PC-Grafik, Adobe Premiere, Englisch, Wandern und MS Flugsimulation“ sind ständig mehr als 200 Mitglieder beschäftigt. Es finden zudem zahlreiche Computerkurse für die Office-Programme und das Internet statt. Fünfzehn Systemadministratoren halten den PC-Betrieb am laufen. Seit 1997 gibt es zudem eine eigene monatliche Print-Clubzeitung unter dem Namen „Der graue Computerfreak.“

Die Arbeit findet ehrenamtlich statt und man unterstützt sich gegenseitig („geben und nehmen“). Besonders viel Wert legt man hier auf das gesellige, freundschaftliche Miteinander:

„Die Mitglieder vernetzen sich über den Club, um dann gemeinsam im Internet zu surfen.“

Das Soziale ist stets im Vordergrund.

Der im August 2007 verstorbene Gründer Erich Miller hat 2003 vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland in seiner Eigenschaft als Initiator des DSCC verliehen bekommen. Zudem hat die Parkinson-Vereinigung das Clubmitglied Dieter Witte für die Zusammenarbeit des DSCC mit diesem Verein mit einer Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. Darauf ist der Club besonders stolz. Der heutige Vorsitzende, Dr. Autar Sidhu, ist gebürtiger Inder, hat in der BRD studiert und promoviert. Bis zur Pensionierung arbeitete er bei Siemens, Berlin. Er leitet den Club seit 2006.

Zur Person

Klaus-Dieter Baumgarten spricht Englisch, etwas Hindi und Arabisch. Als Dipl. Ing. für Werkzeugmaschinenbau war er als Leiter der WMW  Hauptabteilung Messen und Werbung für einen Industriezweig mit mehr als 60.000 Mitarbeitern tätig. Zehn Jahre hat er in Indien gelebt und gearbeitet. Heute ist der Rentner im Club für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Er selbst beschäftigt sich seit 1985 mit EDV und ist vor etwa 10 Jahren zum Internet gekommen: „Meine beiden Söhne sind Hard- und Softwareexperten. In der Familie konnte ich über Computer nicht mitreden. Doch ich wollte mitreden.“ Heute ist er überzeugt von den Möglichkeiten des Internets:

„Die E-Mail ist eine der wichtigsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts.“

Zum Individualismus

„Run your own way“ als Kennzeichen des Individualismus. “Alle Leute sind Individualisten.” Aber: „Der Club wurde gegründet, um auch vereinsamten Rentnern eine soziale Anbindung zu geben.“

„Ein Großteil nutzt ihn als sozialen Anlaufpunkt, als Interessensclub und zur Information.“

Dieser Begriff des Individualismus ist für Klaus-Dieter Baumgarten zwiespältig, da er für ihn ein Ausgrenzen von der Gemeinschaft impliziert. Da sich die Senioren im DSCC zusammenfinden, um gemeinsam die Technik mit allen Vor- und Nachteilen zu nutzen, steht der Individualismus des Einzelnen nicht im Vordergrund. Er kommt aber in der Kreativität innerhalb der einzelnen Interessensgemeinschaften zum Ausdruck. Hier wird fotografiert, geschrieben, grafisch und filmisch gearbeitet, usw.

Schattenseiten des Internet

„Sie werden keine Technik finden, die keine Schattenseiten hat.“

„Die Kriminalisierung unserer Homepage hat zugenommen. Wir bekommen in letzter Zeit anonyme E-Mails mit bösen Inhalten und ebensolche Gästebucheinträge. Hier sind Stalker am Werk.“

Ansonsten verurteilt Baumgarten vor allem Kinderpornografie und Kannibalismus (der Fall von Rothenburg) als Perversion des Internet.

Neue Internetkultur?

„Nach lesen, schreiben, rechnen kann man vom Internet als vierte kulturelle Dimension sprechen.“ Die Internetkultur erschließt sich für die meisten älteren Menschen nicht. „Es herrscht immer noch großes Misstrauen, was dort angeboten wird. Beispielsweise scheuen sich ältere User davor, Rechnungen online mit Kreditkarte oder Bankeinzug zu bezahlen.“ Dem DSCC geht es darum, seine Mitglieder verantwortungsbewusst an dieses Medium heranzuführen. „Unser Anliegen ist: Wie kommen die Mitglieder sicher rein und problemlos wieder raus?“

„Sie lernen zu googlen, online Fahrkarten zu besorgen, Bücher zu bestellen und sich mit Google Earth die Welt anzugucken.“ Einige wenige Kontakte wie mit einem Fotopartner in den USA reichen auch über die deutsche Internetgrenze. Aber die Schnelllebigkeit einer Internetkultur wird hier nicht verinnerlicht; ebenso wenig ausgefallene Modetrends und eine ausgeprägte Konsumentenkultur. Von Blogs, Chats, Games oder gar Second Life ist hier nicht die Rede. „Ich habe versucht, das alles zu verstehen, möchte vieles davon aber nicht.“ Insgesamt sei die Internetkultur nur wenig auf ein älteres Publikum zugeschnitten. Denn schon alleine scheinbar banale Sachverhalte wie gute Lesbarkeit der Seiten, Sicherheit beim Surfen und Seiten mit konkreten Anknüpfungspunkten für Senioren liessen zu wünschen übrig.

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Text und Recherche: Oliver C. Pfannenstiel

Dieser Beitrag ist Teil der Serie ZUKUNFT INTERNET – Was die Menschen bewegt der Schwerpunkt-Themenreihe “Das gefährliche Internet?” auf Readers Edition. 

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