“Die Macht der Wörter wächst” – Bernd Heinisch, zvab.com

“Nietzsches “Zarathustra” als E-Book zu lesen, stelle ich mir grauenvoll vor”, sagt Bernd Heinisch, Gründer und Mitglied der Geschäftsleitung des ZVAB, dem Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher. Er will sich der Hysterie um den bald auch in Deutschland erscheinenden E-Book-Reader Kindle nicht anschließen, es sei denn, er liefere die benötigte Zeit

3rdedws.jpg“Nietzsches “Zarathustra” als E-Book zu lesen, stelle ich mir grauenvoll vor”, sagt Bernd Heinisch, Gründer und Mitglied der Geschäftsleitung des ZVAB, dem Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher. Er will sich der Hysterie um den bald auch in Deutschland erscheinenden E-Book-Reader Kindle nicht anschließen, es sei denn, er liefere die benötigte Zeit zum Lesen gleich mit. Heinisch im Kurzinterview unserer Serie ZUKUNFT INTERNET.

RE: Sie haben die Chance ergriffen und sind im Netz aktiv. Was war damals Ihre Intention, ins Netz einzusteigen?

Heinisch: Antiquarische Bücher zu finden und zu bestellen, sollte genauso einfach werden wie bei Neubüchern.

RE: Was ist für Sie das Internet – ein großer Umbruch oder nur ein weiteres Medium bzw. eine neue Infrastruktur?

Heinisch: Beides – ein neues Medium, das einen großen Umbruch bedeutet. Das ZVAB hat Ende der Neunziger den Antiquariatsbuchhandel in Deutschland revolutioniert. Den Antiquaren erschloß das ZVAB ganz neue Käuferschichten. Aber auch die Freunde längst verschollener Bücher profitierten: Früher brauchte man Wochen und Monate, um die Antiquariate im Umkreis abzuklappern. Heute kann man im ZVAB 28 Millionen antiquarische Bücher von über 4100 Antiquariaten weltweit in Sekundenschnelle durchforsten. Weniger Zeit beim Suchen bedeutet mehr Zeit zum Lesen.

RE: Wird das Internet unsere Art zu denken verändern?

Heinisch: Die Macht der Wörter wächst: Die richtigen Begriffe in eine Suchmaschine eingetippt, kann zur Offenbarung werden.

RE: Sehen Sie den bereits vieldiskutierten Ebook-Reader Kindle, der auch bald bei uns auf den Markt kommen soll, als Bedrohung an? Wird das Lesen von gedruckten Büchern bald zur Nische?

Heinisch: Nein, das sehe ich nicht. Um überhaupt breite Akzeptanz zu finden, muß an den E-Book-Readers noch viel passieren – technisch, optisch, haptisch, preislich. Und auch dann wird es ein Nebeneinander geben, wobei jede Buchform ihre Vorteile ausspielt. Eigentlich geht es aber um mehr Zeit zum Lesen, nicht um noch mehr Lesefutter: Ich besitze bereits jetzt so viele ungelesene Bücher, daß es für mehrere Leben ausreicht. Meine Zeit zum Lesen ist begrenzt, und in dieser begrenzten Zeit gönne ich mir lieber ein schönes gedrucktes Buch – Nietzsches “Zarathustra” als E-Book zu lesen, stelle ich mir grauenvoll vor. Eine Funktion, die mich am E-Book allerdings sofort begeistern würde: wenn man die benötigte Zeit zum Lesen gleich mit auf den E-Book-Reader laden könnte.

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Interview: Felix Kubach

Dieser Beitrag ist Teil der Serie ZUKUNFT INTERNET – Was die Menschen bewegt der Schwerpunkt-Themenreihe “Das gefährliche Internet?” auf Readers Edition. 

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