Rolf Wickmann, ehemaliger Gruner + Jahr Vorstand: “Marktbereinigung, die wieder Luft für Neues schafft”
Derzeit gibt es eigentlich nur ein Thema: Die Finanzkrise. Die Bürger verharren in Wartestellung: Kommt es noch schlimmer? Droht womöglich ein Verfall des Geldes? Ist das Geld auf der Bank noch sicher? Die ersten beginnen damit, Gold zu horten oder ihre Moneten statt auf der Bank lieber zu Hause bei sich unter dem Kopfkissen zu lagern. Doch inwieweit trifft die Finanzkrise eigentlich die Internetwirtschaft? Wie soll sie darauf reagieren und ist die Krise womöglich eine Chance?
Während MEEDIA-Herausgeber Dirk Manthey ein düsteres Bild, zumindest für die nächsten beiden Jahre, für die gesamte Medienbranche insbesondere die Internetwirtschaft zeichnet, betont der ehemalige Gruner + Jahr Vorstand Rolf Wickmann in einem Interview für die gleiche Plattform die Chancen noch vor den Risiken: “In dieser schwierigen Wirtschaftsphase wird der Bedarf nach Informationen und Orientierung, aber auch nach Unterhaltung steigen”.
Die Medienbranche sei kreativ, flexibel und habe gerade in wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch schwierigen Zeiten eine wichtige Funktion. Deshalb, so Wickmann, “sollten wir nicht von einer Medienkrise sprechen sondern, wenn überhaupt, wie sie wirtschaftlich zu bewältigen ist”.
Back to the Roots
Die Chancen lägen laut Wickmann im “Back to the roots”-Verfahren, also gut gemachten, qualitativ hochwertigen Journalismus anzubieten: 1. “Gute Recherche, gutes Hintergrundwissen vermitteln”, 2. “gute Blätter und elektronische Formate, die von Konsumenten und Bürgern angenommen werden, anbieten” und 3. “Engagierter Journalismus, der mit Substanz und gutem Handwerk informiert, bildet, Orientierung gibt und auch unterhält, ist das beste Rezept für eine erquickliche Zukunft der Medien”. Chancen, aus den Problemen gestärkt hervorzugehen hätten alle diejenigen, die “ihren Lesern/ Usern in dieser Zeit kritisch, konstruktiv, glaubwürdig und unterhaltsam zur Seite stehen, – jeder Medienkanal auf seine ihm spezifische Art.” Mein Fazit als Frage: Sind dies nicht seit jeher die Grundregeln von gut gemachtem Journalismus oder hat man bislang etwas anderes getan?
Ähnlich wie Manthey beschränkt Wickmann die Krise optimistisch auf ca. zwei Jahre, bis die Konkjunktur wieder anspringe. Im positiven Sinne werde es “eine Marktbereinigung geben, die wieder Luft für Neues schafft.”
Hier das ganze Interview mit Rolf Wickmann lesen: “Es lohnt sich, um Klassiker zu kämpfen“
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