Nach zwei Jahren im Amt hat der peruanische Staatspräsident Alan García nur etwas mehr als ein Viertel der Bevölkerung des Landes hinter sich. Nach einer Umfrage des Instituts “Ipsos Apoyo”, die kürzlich in der Zeitung “El Comercio” (Lima) erschien, konnte die Zahl der von Armut Betroffenen um fast zehn Prozent vermindert werden, bei einem voraussichtlichen Wirtschaftswachstum von acht Prozent in diesem Jahr.
Der Internationale Währungsfond hat unterdessen mitgeteilt, dass Peru seine Auslandsschulden komplett abzahlen könnte, während das Ranking-Unternehmen “Standard und Poor’s” die Volkswirtschaft der Andenrepublik als eine der solidesten in Lateinamerika bezeichnete. Woher, so fragt sich angesichts dieser glänzenden Zwischenbilanz der zweiten Regierungszeit Garcías, rührt der fehlende Zuspruch der Wählerinnen und Wähler?
Die arbeitende Bevölkerung registriert als Resultat des Wachstums vor allem einen zunehmenden Preisanstieg.
Und auch wenn landesweit die Armut zurückging, gibt es doch Regionen, in der sie stieg, besonders in den ländlichen Gebieten auf den Anden. In den Städten ist die Kriminalität ein häufig genanntes Problem. Ferner beschwert sich die Stadtbevölkerung, die in Peru 33 Prozent ausmacht, über die Korruption in den Amtstuben. Diese bleibt freilich nicht auf die Städte beschränkt, sondern betrifft das ganze Land. Zudem wird García vorgeworfen, die politische Linke, der sich seine sozialdemokratische APRA zugehörig fühlt, durch seine wirtschaftsfreundlichen Positionen verraten zu haben. “Seine Politik ist eine verschärfte Fortsetzung des neoliberalen Kurses seiner Vorgänger Fujimori und Toledo”, meinte unlängst der Gewerkschaftsfunktionär Olmedo Auris gegenüber der spanischen Zeitung “El País” (Madrid).
Trotz dieser Kritikpunkte und seiner mangelnden Popularität erkennen seine Landsleute an, dass die Regierung García in wichtigen Bereichen große Erfolge zu verzeichnen hat.
Positiv hervorgehoben wird die Unterzeichnung des ersten Freihandelsabkommens im Rahmen des Mercosur (Dezember 2007), die erfolgreiche Ausrichtung und die guten Ergebnisse des EU-Lateinamerika-Gipfels (Mai 2008) sowie die Einführung von Evaluationsmaßnahmen für Lehrer zur Qualitätssicherung im Bildungswesen.
Alan García hat Peru schon einmal regiert, von 1985 bis 1990. Von seiner ersten Amtszeit ist nur der Populismus in Erinnerung geblieben, der ihn damals – trotz Hyperinflation und Terror des “Leuchtenden Pfads” – an der Macht hielt. In seiner zweiten Amtszeit unternimmt García einen deutlichen Rechtsruck und bewegt sich auf die Wirtschaft zu. Ob der Souverän diese Entwicklung bei den nächsten Wahlen (2011) honorieren wird, bleibt abzuwarten.
Anmerkung:
Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel “Perú. Dos años con Alan García”, erschienen in der Zeitschrift “Ecos de España y Latinoamérica”, Nr. 10 (2008), S. 20.
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