362 Werke von Gemälden über Objekte und Skulpturen bis hin zur Fotografie zählt die Sammlung des Kunstmäzens Peter C. Ruppert im Würzburger Kulturspeicher mittlerweile. Seit 2002 ist sie am Ufer des Mains beheimatet und bietet seitdem einen einzigartigen Einblick in die Facetten eines künstlerischen Genres, das weiten Teilen der Kunstliebhaber immer noch als exotisch gilt. Die rastlose Sammeltätigkeit von Peter C. Ruppert hat im Dialog mit dem Museum nicht nur für neue Künstlernamen und Aspekte der Konkreten Kunst, sondern auch für eine eindrucksvolle Medien- und Materialvielfalt gesorgt. Nun haben Peter C. Ruppert und seine Frau Rosemarie erstmals einen Preis für diese faszinierende Gattung ausgelobt.
Am 17. November erhält François Morellet den erstmals vergebenen “Preis Peter C. Ruppert für Konkrete Kunst”. Das Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro wird durch die Stiftung Peter C. Ruppert, Berlin, bereitgestellt und soll in diesem Jahr als auch in Zukunft alle drei Jahre einem international bedeutenden Künstler der Konkreten Kunst zukommen.
Die Grenzen des Bildes erweitern
“Morellet, geboren 1926 in Cholet/Anjou, gehört zu den herausragenden Vertretern der Konkreten Kunst in Frankreich. In seinen Bildern, Plastiken und Installationen hat er wesentlichen Prinzipien der Konkreten Kunst eine eigene Prägung gegeben”, so das Urteil über den zeitgenössischen Künstler. Die geometrische Reduktion der Form führe ihn zu vollständiger Füllung der Fläche ohne Zentrum und ohne abschließenden Bildrahmen. “Dabei war die Erfahrung maurischer Kunst in Granada anlässlich einer Reise nach Spanien 1952 eines seiner Schlüsselerlebnisse”, erklärt die Direktorin des Museums im Kulturspeicher Würzburg, Dr. Marlene Lauter. Einige Jahre später gehörte Morellet zu den ersten, die auch Zufallsverfahren in seine Kunst einbrachten, um die Methoden der Bildentstehung weitgehend von der subjektiven Künstlerhandschrift zu lösen und nutzte schließlich auch industrielles Material wie Neonröhren für Installationen mit Licht. Seine klug durchdachten Verfahren, die Grenzen des Bildes zu erweitern, schließen anspielungsreiche Werk-Titel mit ein und zeigen ihn als einen originären Geist, der auch mit Mitteln der Ironie und des Humors die Wahrnehmung des Betrachters fordert und anregt.
Die Sammlung Ruppert im Museum im Kulturspeicher enthält drei Werke des Künstlers aus charakteristischen Phasen seiner Arbeit, die anlässlich der Preisverleihung um drei weitere Leihgaben zu einer kleinen Werkschau ergänzt werden. Letztere stammen aus dem Besitz der Galeristin Dr. Dorothea van der Koelen, die den Künstler seit Jahren vertritt und auch die Laudatio halten wird.
François Morellet blickt heute auf eine große Zahl Einzelausstellungen in vielen Städten Europas, in den USA und in Asien zurück. Er schuf zahlreiche Werke für den öffentlichen Raum und ist in vielen Museen und Sammlungen der ganzen Welt mit seinen Werken vertreten, in Deutschland zum Beispiel in der Nationalgalerie Berlin, im Wilhelm-Lehmbruck-Museum Duisburg, im Folkwang Museum Essen, im Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt, im Von der Heydt-Museum Wuppertal und im Museum im Kulturspeicher Würzburg. 1961 war er Mitbegründer der “Groupe de Recherche d’Art Visuel” (GRAV) in Paris, deren Anliegen es war, die Kunst in die Nähe zu nachprüfbaren, wissenschaftlichen Verfahren zu bringen. 1968 und 1977 nahm er an der documenta in Kassel teil; 1970 an der Biennale in Venedig.
“Peter C. Ruppert setzt mit der Stiftung dieses Preises ein Signal für die Positionierung Konkreter Kunst innerhalb der zeitgenössischen Kunst.”
Würzburgs Kulturreferent Muchtar Al Ghusain verweist insbesondere auf die immense Lebensleistung und die überragende Wirkung, die sein Werk bis heute hat: “Mit François Morellet würdigt der Preis einen Künstler, dessen Werk in fast sechs Lebensjahrzehnten mit einer ungeheuren Systematik entstand und der in ständigem Austausch mit der Metropole Paris die Diskussion um die Konkrete Kunst in Frankreich und Europa und darüber hinaus voran brachte. Peter C. Ruppert setzt mit der Stiftung dieses Preises ein Signal für die Positionierung Konkreter Kunst innerhalb der zeitgenössischen Kunst. Wir freuen uns, in der Europastadt Würzburg die Ausrichtung der Preisübergabe im Museum im Kulturspeicher übernehmen zu können.”
- Spannend bleiben und neue Akzente setzen – Die Sammlung Peter C. Ruppert wächst
- 17 mal konkret
- “Ein kleines Museum im Museum” – Ein Gespräch mit Peter C. Ruppert
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