Wir sind im Internetzeitalter angekommen, so viel scheint festzustehen. “Die Veränderung ist so radikal wie zuletzt durch den Buchdruck”, ist sich Thierry Chervel, Mitbegründer des Online-Kulturmagazins perlentaucher.de, ziemlich sicher. Einzig die Suche nach neuen, überzeugenden Geschäftsmodellen gestaltet sich schwierig. Bisher, so glaubt der studierte Musikwissenschaftler, habe es noch niemand gefunden. Was das allerdings für die Öffentlichkeit bedeute, das lässt der ehemalige Journalist noch offen. Lesen Sie nun Chervel im Kurzinterview unserer Serie ZUKUNFT INTERNET.
RE: Sie haben die Chance ergriffen und sind im Netz aktiv. Würden Sie sagen, dass Sie sich persönlich durch das Internet verändert haben?
Thierry Chervel: Es ist etwas ganz anderes, für ein Medium zu arbeiten, wo man sich selbst darum kümmern muss, dass Geld hereinkommt. In den anderen Medien sind die publizistische und die redaktionelle Seite entfremdet. Das Netz als neue Technologie verändert überdies unser aller Informations- und Denkgewohnheiten. Ich freue mich, mit dabei zu sein.
RE: Inwiefern haben Sie mit Ihren Services wie “Heute in den Feuilletons”, “Medienticker” oder auch “Magazinrundschau” Einfluss auf das kulturelle Leben im Life 1.0?
Thierry Chervel: Den Einfluss müssen eigentlich andere ermessen. Uns ist es vor allem wichtig, jenseits der Insiderkreise einen Namen zu bekommen.
RE: “Zukunft Internet” – können Sie diesen Slogan im positiven Sinne zu 100 Prozent unterschreiben? Wo liegen Ihres Erachtens die Stärken und Schwächen des WWW in seiner jetzigen Form und wie könnte die nächste Stufe des Internet in Ihrer konkreten (oder utopischen) Vorstellung aussehen?
Thierry Chervel: Das Internet ist längst Gegenwart. Für die Medien liegt das Problem in der radikalen Veränderung der Informationsökonomie. Noch hat niemand ein überzeugendes Geschäftsmodell gefunden. Was heißt das für die Öffentlichkeit?
RE: Hat das Internet Einfluss auf die Qualität des Journalismus, wie betrachten Sie das im Vergleich Deutschlands zum internationalen Rahmen?
Thierry Chervel: Journalistische Internetangebote sind in den USA besser. Es besteht die Gefahr, dass das Internet durch das ökonomische Problem die Qualität von Medien insgesamt aushöhlt. Zugleich aber kann es die bisherigen Torwächter auch kritisieren, was der Qualität wiederum nützt.
RE: Dr. Michael Maier propagiert in seinem gerade erschienenen Buch den Gedanken “dass das Internet unser Denken verändern wird”. Inwieweit glauben Sie an diese Prognose und welchen Beitrag könnte hier perlentaucher leisten?
Thierry Chervel: Maier hat recht. Die Veränderung ist so radikal wie zuletzt durch den Buchdruck. Wird sie nur positiv sein? Der Buchdruck schuf die freie Öffentlichkeit. Und die Inquisition.
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Dieser Beitrag ist Teil der Serie ZUKUNFT INTERNET – Was die Menschen bewegt der Schwerpunkt-Themenreihe “Das gefährliche Internet?” auf Readers Edition.
Interview: Felix Kubach & Nicole Oppelt
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