Ein Nachruf auf den in der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober 2008 verstorbenen Leipziger Musiker und Mensch Peter Cäsar Gläser
Cäsar Peter Gläser ist tot. Vom Krebs dahingerafft. Eine legendäre Gestalt des deutschen Musikzirkus tritt von den Brettern ab und hinterlässt, wie es für Musiker auch richtig ist, eine Geschichte in Liedern und Erinnerungen. Der Mann, der zwischen Kult und Katastrophe pendelte, der noch nicht 18-jährig zur Klaus Renft Combo stieß, dort in die Flöte blies und den Apfeltraum wahr werden ließ, hat seinen Gitarrenkoffer für immer und ewig zugeschnürt.
Cäsar war, was Viele heute nicht mehr schaffen. Charakter, Charisma und knarzender Mann – liebevoll, in seinen Brüchen menschelnd und konsequent. Über 40 Jahre Musik, über 40 Jahre Rock & Roll. Da hießen die rollenden Steine auf seinem gelben Backsteinweg Renft, Karussell, die Amiga Bluesband, Cäsar und die Spieler und dieses charmante Lächeln und seine hilfreichen Hände – ausgestreckt, wenn Hilfe gebraucht wurde, von Kollegen oder Projekten. Cäsar war mitfühlender Vagabund, tänzelnder Derwisch, The Voice und “Wer die Rose ehrt!”.
Und er war eine Geschichte. Der Ostzonenmann, der vor Tausenden rockte, der durch Verbote schlingerte, der in den Westen ging und wieder aufstand, der zurückkam und frischen Wind brachte als die Winde sich drehten.
Und er war Vater, Ehemann und Freund. Unbezwingbar, zeitlos lebend. Eine Garantie im Vertrag mit der Welt. Wenns wiedermal hoch und runter ging war hier ein Mensch, der stand hielt. Nun hat er den Staffelstab abgegeben. Nun hat er die letzte Saite gestimmt.
Ich durfte ihm ein Lied schreiben. Ich durfte ihn kennen lernen. Kurz. Und ihn lachen sehen und ihn seine Frau umarmen sehen und seine Tochter, auf die er stolz war, wie Bolle. Und er sprach von seinen Söhnen und er war stolz. Ein Vater, ein Liebender.
Cäsar hat Blumen gepflanzt, musikalische Erinnerungen hinterlassen. Er war Wegbegleiter für so viele Menschen, er war immer ganz nah dran.
Das machte ihn aus und das hinterlässt diese Lücke im Leben der Menschen.
Wenn einer geht, der nicht zu ersetzen ist. Wenn einer geht, der dazu gehörte. Wenn einer geht.
In stiller Trauer, Volly Tanner
Wer die Rose ehrt
(Text: Kurt Demmler, Musik: Peter Gläser)
Wer die Rose ehrt, wer die Rose ehrt
Der ehrt heutzutage auch den Dorn
Der zur Rose noch dazu gehört
Noch so lang, so lang man sie bedrohtEinmal wirft sie ihn ab
Wer die Liebe, wer die Liebe ehrt
Der ehrt heutzutage auch den Hass
Der zur Liebe noch dazu gehört
Noch so lang, noch so lang man sie bedroht
Einmal wirft sie ihn ab…
Das wird sein, wenns sein wird
Und Mensch ehrt den Menschen
Auch wenn ich nicht so viele Dinge, wie Du, miterleben konnte, sprichst Du mir aber aus der Seele.
Cäsar war, obwohl wir uns nicht sehr nahe standen, einer meiner besten Freunde.