Alles Böse wird in Halle derzeit vor dem Stadion geparkt: Nach Unruhen und allerlei Unbotmäßigkeiten auf den Fantribünen verhängte der Regionalligist vor Wochen in höchster Not Stadionverbote gegen ein halbes Hundert seiner Fans. Die campieren seitdem bei jedem Heimspiel unter einem Banner “Saalefront – Ultras, Sektion Stadionverbot” auf ein paar Partybänken draußen vor dem Stadion.
Die Mannschaft des zusehends von sich selbst überraschten Tabellendritten aber zeigt sich solidarisch: Auswärtsspiele werden zuverlässig gewonnen, Heimspiele aber konsequent Remis gespielt. Niemand verpasst viel, wenn er draußen sitzen muss. Auch im fünften Auftritt im eigenen Haus bleibt es dabei – der alte Rivale Chemnitz, seit mehr als vierzig Jahren ebenso unglamourös und titellos wie der HFC unterwegs, betritt den Rasen, übersteht nach zwei Minuten die erste Großchance des Gastgebers, bekommt im direkten Gegenzug nach drei Minuten einen Strafstoß zugesprochen, schießt in der vierten Minute das Führungstor. Und konzentriert sich nun wie alle Mannschaften, die nach Halle kommen, um wenigstens einen Punkt mitzunehmen, darauf, das Spiel nur ja nicht mehr zu verlieren.
Das ist nicht besonders schwer…
Die Elf von Trainer Sven Köhler, der früher selbst in Chemnitz spielte, das damals wegen der versuchsweisen Einführung der klassenlosen Gesellschaft in einem Teil Deutschlands noch “Karl-Marx-Stadt” heißen durfte, ist zwar seit acht Ligaspeilen ungeschlagen. Von vier Heimspielen aber gingen drei Unentschieden aus.
Ein Traum für jeden Sportwetter, der noch nicht wegen illegalen Glückspiels verhaftet wurde, wie am Vorabend der Begegnung sieben Männer in der halleschen Innenstadt. Zehn Euro auf Remis bei der üblichen Remis-Quote von dreikommazwei brachte bis vor dem Chemnitz-Spiel einen Gesamtgewinn von rund 320 Euro.
So schnell das Geld an der Börse verschwindet, so eilig taucht es hier auf. Nach dem erwarteten Rückstand spielt nur noch der HFC, dessen Torgarant Nico Kanitz nach einem Foul an Stark in der 28. Minute endlich alles klar machen darf. Wie auf der Gegenseite: Strafstoß, Torwart chancenlos, Ausgleich.
Die übrigen 60 Minuten werden kurzweilig, aber ohne Veränderungen am Ergebnis gefüllt
Halle stürmt, so gut es kann, Sturmtank Thomas Neubert verstolpert, was immer in Strafraumnähe noch vielversprechend aussieht. Und der Chemnitzer Schlussmann Klömich nimmt das Tempo konsequent aus dem Spiel, in dem er mit jedem gefangenen Ball minutenlang innig kuschelt, ihn prüfend drückt und vor jedem Abschlag kundig Rasenpflege betreibt.
Dem Schiedsrichter ist das recht, den 2400 auf den Rängen auch. Zuhause ist es doch immer am unentschiedensten, so ist am Ende niemand zufrieden und keiner unzufrieden. Aus den diesmal eingesetzten 320 Euro sind mit dem Remis 960 geworden. Bei einer Wettquote von 3,2 muss der HFC nun nur noch die nächsten zwölf Heimspiele Remis spielen, und aus dem ursprünglich eingesetzten Zehn-Euro-Schein werden ziemlich genau zehn Millionen geworden sein.
Genau die zehn Millionen Euro, die in Halle gerade verzweifelt gesucht werden, weil ihr Fehlen den Bau eines neuen Stadion verhindert.
Quelle: politplatschquatsch.com
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