Börsenchaos: Leerverkäufe bei VW-Aktien

- Der heutige Tag: Ein Fall für die Börsenaufsicht?
Die Macht und Ohnmacht von Spekulanten konnte an einem Lehrstück am heutigen Tag beim Kursverlauf der VW-Aktie beobachtet werden. Spekulanten hatten mittels Leerverkäufe den VW-Kurs in den Keller treiben wollen. Dies ging zu ihrem Pech dramatisch schief. Offenbar hat Porsche mit massiven Käufen dagegengehalten. Mit einem Kurssprung von 80 Prozent waren die Leerverkäufer plötzlich von Jägern zu Gejagten geworden. Um nicht am Ende des Tages mit leeren Händen dazustehen, sahen sie sich gezwungen zu jedem Preis, der Kurs stieg zeitweise um 200 Prozent, Aktien zurückzukaufen. Das dürfte für viele mit großen Verlusten geendet haben.
Was macht eigentlich die BaFin?
Der dramatische Kursverfall an den Börsen in Deutschland hat wenig mit der wirtschaftlichen Realität der Unternehmen gemein. Offenbar sind hier große Spieler am Markt, die mittels Leerverkäufe die Kurse der Aktienunternehmen nach unten prügeln. Wäre das nicht ein Fall für die Börsenaufsicht? Warum greift die BaFin hier nicht durch? Kann man nicht die Spekulanten, die hinter dem Tohuwabohu stehen entlarven und zur Rechenschaft ziehen? Wozu haben wir eigentlich eine Börsenaufsicht, wenn diese tatenlos dem Treiben zusieht? Was nützt das ganze Gerede von mehr Regulierung und schärferer Kontrolle, wenn bei solchen Anlässen die Börsenaufsicht nicht tätig wird?
Wie heißt es doch so schön auf deren Website: “Die BaFin ist im öffentlichen Interesse tätig. Ihr Hauptziel ist es, ein funktionsfähiges, stabiles und integres deutsches Finanzsystem zu gewährleisten. Bankkunden, Versicherte und Anleger sollen dem Finanzsystem vertrauen können.” Das hehre Ziel kennt man wohl, allein es fehlt der Wille. Wenn nicht jetzt, wann dann sollte eingegriffen werden?
Man könnte ja mal ins Börsengesetz schauen.
Photo Quelle/Copyright: Ernst Rose, via pixelio.de











Georg Erber
Nachtrag zum Artikel. Pressemeldung vom 28. Oktober 2008
Die Kursexplosion der VW-Aktie am Montag soll Spekulanten geschätzte Verluste von 10 bis 15 Milliarden Euro beschert haben. Betroffen seien vor allem Hedge-Fonds, die auf fallende Kurse spekuliert hätten, berichtete die ‘Financial Times’ am Dienstag.
Die VW-Aktie war am Montag um spektakuläre mehr als 146 Prozent gestiegen. Die sogenannten Leerverkäufer, die auf sinkende Kurse gesetzt und geliehene VW-Aktien verkauft hatten, waren von der Erhöhung des Porsche-Anteils bei Volkswagen kalt erwischt worden.
Da an der Börse nur noch wenige VW-Papiere übrigblieben und die Händler trotzdem Aktien zurückkaufen mussten, um sie den Ausleihern wiederzugeben, brach eine regelrechte Jagd auf die Anteilsscheine aus.
Nun hat es wohl mal die richtigen getroffen.
Georg Erber
noch ein Nachtrag laut dpa haben:
Mit den sogenannten Leerverkäufen kann in Zeiten sinkender Aktienmärkte viel verdient werden. Die Grundidee ist, eine geliehene Aktie erst zu verkaufen und dann vor der Rückgabe an den Ausleiher zum niedrigeren Kurs zurückzukaufen. Die Geschäfte sind riskant, aber passiert kaum, dass sie so spektakulär schiefgehen, wie zuletzt bei der VW-Aktie.
Porsche hatte am Sonntag mitgeteilt, dass der Anteil an Volkswagen auf 42,6 Prozent erhöht wurde und das Unternehmen zudem noch 31,5 Prozent an VW in Form von Optionen kontrolliert. Insgesamt hat Porsche also 74,1 Prozent der Anteile in der Hand. Damit wurden die Leerverkäufer kalt erwischt. Nach Informationen aus dem Markt waren 12 bis 15 Prozent der VW-Anteile an Leerverkäufer verliehen gewesen. Diese Aktien mussten zur Rückgabe wiedergekauft werden. Abzüglich der gut 20 Prozent, die beim Land Niedersachsen liegen, standen den Spekulanten dafür aber nur noch knapp sechs Prozent der Anteile zur Verfügung.
Die Folge der panikartigen Nachfrage war eine Kursexplosion von 146,62 Prozent auf 520,00 Euro. Das gibt dem Wolfsburger Autobauer einen Marktwert von 153 Milliarden Euro - mehr als alle anderen europäischen und amerikanischen Konkurrenten zusammen an der Börse kosten. Zeitweise war die Aktie am Montag sogar bis auf 635 Euro gestiegen. Der überraschende Teil der Porsche-Ankündigung für die Händler waren vor allem die 31,5 Prozent an Optionen auf VW-Aktien. Anders als direkte Beteiligungen müssen Optionen nicht in allen Fällen zeitnah gemeldet werden.
Die Börse feiert sich selbst, mit einer Aktie namens Volkswagen - aber auch nachhaltig? « World-Net-News Weblog
[…] Die Börse feiert sich selbst, mit einer Aktie namens Volkswagen - aber auch nachhaltig? Der Autobauer VW macht an einem Tag, während der Finanzkrise, ca. 200 % Plus. Bei folgenden Nachrichten zum Thema, scheint etwas nicht zu stimmen, Der Absturz der VW-Aktie ist programmiert, focus.de. Dabei scheint zum Thema Finanzkrise längst zu gelten, Klimaschutz als Chance für die Weltwirtschaft, greenpeace.de. Was hätten die Spekulanten (Leerverkäufer), gestern bei VW, nicht alles an Solaranlagen auf ihre Dächer spekulieren können, anstatt dessen haben sie Geld verbrannt, Börsenchaos: Leerverkäufe bei VW-Aktien, readers-edition.com. Vielleicht sollte die Chance erkannt werden und nicht weiter Geld verbrannt werden, Finanzkrise als Chance - oder nachhaltig Milliarden für neue Ideen verbrannt? […]
Mysterium VW-Aktie » Fahrschule-123
[…] Weitere Stimmen aus dem Netz: Readers Edition, Online-Kredit-Index, World-Net-News […]
Rainhelt
ISt doch gut…
Dann wird der gute Wendelin seine diesjährigen Einkünfte nochmals übertreffen und auch der Bonus, der an die Mitarbeiter ausgezahlt wird, wird steigen ;)
Noch eine Anmerkung:
BAFIN und Börsenaufsicht sind nicht die selbe Instituttion. Die BAFIN ist die Bankenaufsicht. Sie übernimmt darüber hinaus Aufgaben der Konten-, Versicherungs- und Wertpapieraufsicht. Letztere bildet zwar die Schnittstelle zur Börse, bezieht sich aber eher auf Insiderhandel und Zulassung von neuen Produkten (Da haben se wirklich gepennt). Die BAFIN gehört zum Bund.
Die Börsenaufsicht ist dagegen Landessache. Sie unterstehen in der Regel den Wirtschaftsministerien und sind dort auch direkt angesiedelt, also nicht wie die BAFIN ausgegliedert. Ihre aufgaben sind die Überwachung und Durchsetzung des Börsenrechts, die Zulassung der Börse und die Überwachung des Betriebs.
Georg Erber
Nun tut sich endlich doch etwas bei der BaFin:
Die Finanzaufsicht BaFin nimmt den außerordentlich hohen Kursanstieg der VW-Aktie unter die Lupe. “Wir schauen uns den Handel mit VW-Papiere auf mögliche Anhaltspunkte für Insiderhandel oder Marktmanipulationen an”, sagte eine Sprecher der Behörde am Dienstag. Auf Basis dieser Untersuchung entscheide die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, ob sie eine formelle Prüfung einleite. Die Analyse dauere aber noch einige Zeit. “In dieser Woche ist keine Entscheidung zu erwarten”, sagte die Sprecherin. Die VW-Aktie stieg den zweiten Tag in Folge drastisch.
Readers Edition » Leerverkäufe stoppen: Der blutige Montag bei VW-Aktien.
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