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Politik + Wirtschaft

Leerverkäufe stoppen: Der blutige Montag bei VW-Aktien.

Dienstag, den 28. Oktober 2008 um 11:21 Uhr von Georg Erber

Die absurden Kurssprünge an den Weltbörsen zeigen es deutlich, hier sind Kasinokapitalisten am Werk, die mittels massiver Leerverkäufe reihum die Weltbörsen ungerechtfertigt nach unten prügeln. Die Börsenaussichtsbehörden schauen diesem maßlosen Treiben nicht nur in Deutschland tatenlos zu.

Spekulation Grenzen setzen!

Warum wird nicht eiligst durch Schaffung der erforderlichen gesetzlichen Grundlagen Leerverkäufe von Finanztiteln aus dem Börsenkatalog gestrichen und Unternehmen, denen solche Machenschaften nachgewiesen werden können, die Börsenzulassung entzogen? Das wäre doch mal ein kostengünstiger Weg zur Stabilität der Finanzmärkte einen nachhaltigen Beitrag zu leisten. Es sollte doch möglich sein durch eine Mindestdauer von Haltepflichten dem einen Riegel vorzuschieben.

Wenn am 15. November sich die Führer der Welt in Washington treffen werden, dann könnte dies ein erstes konkretes Zeichen sein, dass man es mit einer Neuordnung der Finanzmärkte ernst meint.

Hedgefonds haben kräftig Federn gelassen

Offenbar sind insbesondere angelsächsische Banken bzw. Hedgefonds aber vielleicht auch die DWS der Deutschen Bank bei VW-Aktien mit ihren Baissespekulationen unter die Räder gekommen. Hier ein paar O-Töne zum Geschehen:

Max Warburton, analyst at Sanford Bernstein, said it had brought the German market into disrepute. “It is a huge question for regulators and arguably an embarrassment for all European capital markets.”

Christian Strenger, a board member at Germany’s largest fund manager, DWS, and a leading corporate governance expert, said: “It should get the politicians and supervisory authorities to think again about allowing this untransparent situation.”

Nun ist das Geschrei groß, da Porsche als Gegenspekulant ihnen einen dicken roten Strich durch ihre Bilanzen gemacht hat. Nicht die eigenen Leerverkäufe stehen plötzlich in der Kritik, sondern die plötzliche Mitteilung von Porsche nur noch wenige zehntel Prozentpunkte vom Übernahmeziel der Beherrschung von VW mittels Optionen entfernt zu sein.

Der Vorgang zeigt auch deutlich, dass ein großer Teil der Börsenturbulenzen von hochspekulativen Großinvestoren herbeigeführt wird. Die werden womöglich noch mit unbegrenztem Geld seitens der Zentralbanken ausgestattet. Das System pervertiert sich selbst. Es geht hier nicht mehr um eine faire Bewertung von Unternehmen, die an der Börse gehandelt werden, sondern im die Erzeugung von Stimmungen am Markt. Derzeit wird das große Drama eines totalen Zusammenbruchs der Kurse gespielt, um dann danach zu lächerlichen Minikursen in großem Stil einsteigen zu können.

BaFin ante portas?

Hier findet mithin ein gigantischer Vermögenstransfer statt. Dabei sind nun mal ausnahmsweise einige der bösen Buben selbst unter die Räder gekommen und – es ist nicht anders zu erwarten – rufen laut nach der staatlichen Börsenaufsicht. Die hat mal von alle dem nicht gewusst oder wie die Financial Times vermeldet: “Bafin said it had nothing to add to comments last week that it was looking at, but not formally investigating, the share price movements in VW. But a Bafin official said the integrity of Germany’s capital markets was at stake, adding: ‘We have had lots of large institutional investors call us to discuss what is happening.’”

Offenbar braucht es Selbsthilfe von Gegenspekulanten, um dem Treiben schmerzhaften Grenzen zu setzen, wenn es der Staat bez. Die Staatengemeinschaft nicht vermag.

Mehr zum Thema:

- Börsenchaos: Leerverkäufe bei VW-Aktien

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7 Reaktionen zu “Leerverkäufe stoppen: Der blutige Montag bei VW-Aktien.”

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  1. finn

    am 28. Oktober 2008 um 11:27 Uhr | Link | Kommentar melden

    blödsinn. man sollte sich doch mit einem thema beschäftigen, ehe man dazun publiziert. leerverkäufe verbieten ist soetwas wie schlechtes wetter verbieten. prinzipiell ist ja jeder, der heute ein aktie nicht hat, deren leerverkäufer - er spekuliert darauf, dass er sie billiger bekommt. was unterscheidet ihn von demjenigen, der die aktie nicht nur nicht hat, sondern sie gleichzeitig verkauft?

    wie eine medaille zwei seiten hat, hat auch jeder handel zwei seiten - einen käufer und einen verkäufer. das kann man nicht verbieten, denn das ist die grundlage unserer art wirtschaft.

  2. Rainhelt

    am 28. Oktober 2008 um 11:30 Uhr | Link | Kommentar melden

    Ein interessanter Artikel zum Thema Leerverkäufe und warum sie wichtig sind:
    www.ef-magazin.de/2008/09/27/705-zeitgeist-koelner-anti-islamisierungskongress-und-verbot-von-leerverkaeufen

    Zitat:

    Die BaFin hingegen untersagte unter dem 19. September Transaktionen, die Leerverkäufe zum Gegenstand haben. Genauer gesagt wurde nicht jeder Leerverkauf untersagt, sondern nur das „naked short selling“. Darunter wird der Verkauf von Aktien verstanden, die nicht im Eigentum des Verkäufers stehen und auf die er auch nicht einen Lieferungsanspruch gegenüber Dritten hat. Es geht also nicht um solche Leerverkäufe, bei denen sich der Verkäufer die Stücke vorher bei einem anderen Marktteilnehmer geliehen hat.
    […]
    [Es] geht es um Information und ihre Wichtigkeit.
    […]
    Der Börsenpreis einer Aktie ergibt sich aus den zwischen Käufern und Verkäufern vertraglich vereinbarten Preisen. Dazu müssen sich die Vorstellungen der Parteien über den Wert der Aktie im Preis treffen. Der Verkäufer bewertet den erhaltenen Kaufpreis höher als den Verlust der Aktie, beim Käufer ist es umgekehrt. Die Bewertung hängt von der Vorstellung der Parteien ab und ist subjektiv. In diese Bewertung fließt sämtliches Wissen der Marktteilnehmer ein, wodurch der Preis selbst Informationen über das Wissen der Marktteilnehmer transportiert. Das Preissystem erfüllt also eine wichtige soziale Funktion, indem es Signale für die Marktteilnehmer setzt, an denen sie selbst wiederum ihr Handeln ausrichten können. Ziel der BaFin ist es, bestimmte Verkäufer von diesem Markt auszuschließen. Das Wissen dieser bestimmten Verkäufer fließt also nach dem Willen der BaFin nicht mehr in die Preisfindung der Bankaktien ein. Ohne diese Regulierung der BaFin wäre der Marktpreis ein anderer. Die BaFin geht davon aus, dass die Kurse der Bankaktien höher liegen werden, als es ohne diese Regulierung der Fall ist. Das vom Marktpreis gesendete Signal ist also ein anderes, ein ungenaues, denn mit Beteiligung der Shortseller läge der Preis niedriger.
    […]
    Die Argumente der Marktteilnehmer, die Bankaktien verkaufen wollen, werden nicht geprüft. Jemand, der der Meinung ist, dass die Shortseller falsch liegen, kann seine Meinung nicht dadurch bestätigen, indem er von einem Shortseller zu einem niedrigeren Preis einkauft - und Gewinn daraus zieht. Die BaFin geht also implizit davon aus, dass die Shortseller falsch liegen.
    […]
    Die Krux ist nun, dass es keine Garantie für die Richtigkeit dieser Überzeugungen gibt. Es ist durchaus möglich, dass die Shortseller richtig liegen und Bankaktien überbewertet sind. Dies lässt sich jedoch nicht überprüfen, da die Argumente der Shortseller nicht berücksichtigt werden. Erweist sich allerdings später einem größeren Personenkreis, dass die Shortseller Recht haben, dann wird dieses Wissen zu einem Wissen auch außerhalb der Shortsellergemeinde und die Marktteilnehmer mit Aktien werden unter Berücksichtigung dieses Wissens neue Preise finden. Die Preisanpassung erfolgt also deutlich verzögert. Dadurch entstehen allen Marktteilnehmern Kosten.

  3. Arne H

    am 29. Oktober 2008 um 10:46 Uhr | Link | Kommentar melden

    Vielleciht könnte ja mal jemand den wirtschaftlichen Sinn und Nutzen von Leerverkäufen erklären? Welchen Nutzen haben Leerverkäufe einen wirklichen “Unternehmenswert” festzustellen? Wenn nicht zerbricht ist es in Ordnung?

    Das Gegenteil ist relativ einfach: Mit Meldung bewußt Stimmungen erzeugen um Unternehmen erst in Schwierigkeiten hineinzureden. dA viele Unternehmen von Vertrauen leben (z.B:) kommen deise dadurch in wirkliche Schwieigkeiten.

    ……………………………………………………………………

    Im privaten bereich ist dies etwa so als das man bewußt versucht den Ruf des Nachbarn zu zerstören damit er endlich genervt sein Haus verkauft was man schon lange haben wollte.

  4. Christian Sperling

    am 29. Oktober 2008 um 16:40 Uhr | Link | Kommentar melden

    Ich kann Arne H hier nur beipflichten: Leerverkäufe haben im Gegensatz zum “normalen” Terminhandel keinen volkswirtschaftlichen Mehrwert und sind reine Spekulationsgeschäfte. Auch der gepostete Artikel von Rainhelt enthält keine Aussagen, die “die Wichtigkeit” von Leerverkäufen belegen könnte.

    Allerdings können Leerverkäufe sehr wohl zu Kursverwerfungen führen, wie die Kursbewegungen der VW-Aktie in den letzten Tagen eindrucksvoll gezeigt haben.

    Genau diese offensichtlichen Casino-Mentalitäten sind es, die den Glauben an die “Soziale Marktwirtschaft” in der breiten Bevölkerung nachhaltig beeinträchtigen.

    Und sehr geehrter Herr Finn, bleiben Sie lieber bei ihrem eigenen politquatsch. Das ausgerechnet Sie behaupten, dass der Author sich bitteschön vorher “mit dem Thema beschäftigen soll”, bevor er publiziert, ist ja wohl an Absurdität nicht mehr zu überbieten!

    Die Börse hat i.Ü. inzwischen reagiert. Ich hoffe, dass das nicht die einzige Konsequenz bleiben wird.

  5. finn

    am 29. Oktober 2008 um 17:14 Uhr | Link | Kommentar melden

    “keinen volkswirtschaftlichen Mehrwert “, außer eben den, ausschläge wie die bei vw im normalfall abzufedern. sehen sie, wenn ich ein aktiendepot besitze, aber glaube, dass die börsen in den kommenden wochen runtergehen werden, mein depot aber wegen der kommenden abgeltungssteuer nicht auflösen will, hedge ich es mit ein paar puts. so behalte ich die aktien, verliere aber kein geld, wenn es runtergeht. was bitte ist daran kein mehrwert?

    auf der firmenseite sieht es genau so aus. gäbe es keine absicherungsgeschäfte, wären die ausschläge bei vielen preisen noch viel schneller im normalen leben. siehe gaspreis - wäre der nicht an den ölpreis gekoppelt, um aml ein schiefes beispiel zu bemühen, würde er sich wie der benzinpreis es sich jeden tag ändern. wo wäre da der volkswirtschaftliche mehrwert?

    der glaube (schönes wort) der breiten bevölkerung ist das eine, das wissen um dinge etwas anderes. die breite bevölkerung bildet sich eine menge darauf ein, nicht viel von gelddingen zu verstehen, weil das in deutschland als schick gilt, weil geld ja bääääh ist. und dann flennen alle herum, weil sie ihrem berater vertraut und geld verloren haben. das ist die art, wie man sich hier traditionell selbst die taschen vollhaut. und dann kommens ie mit dem “glauben an die marktwirtschaft”. eine wirtschaft, die nur funktioniert, wenn leute an sie “glauben”, hat abgewirtschaftet, das können sie mir glauben.

  6. finn

    am 29. Oktober 2008 um 17:20 Uhr | Link | Kommentar melden

    @ arne: der volkswirtschaftliche nutzen ist doch klar: im falle von volkswagen gibt es eine firma, die eine andere fiorma übernehmen will. gleichzeitig gibt es ein land (niedersachsen), das weiter mitreden möchte. die einen wollen die mehrheit, die anderen nicht in die minderheit geraten.

    beide müssen also tendenziell kaufen.

    durch frontrunner, die das vorwegnehmen, und durch die käufe von porsche steigt der kurs. und das in höhen, die durch das geschäft des unternehmens nicht gerechtfertigt sind. ich meine damit nicht die 1000 euro, sondern die 200 - auch die waren schon zu hoch gemessen an der peer group der anderen autohersteller.

    der leerverkäufer oder halter von puts setzt nun darauf, dass nichts höher fliegen kann als das benzin reicht, er nimmt also die gegenposition zu denen ein, die den kurs einer firma aus welchen gründen auch immer hochkaufen. damit wird der anstieg geglättet, jedenfalls, wenn nicht wie in einer sondersituation wie bei vw sich die shorties von der anderen seite überfahren lassen müssen. dann kommt es zu exzessen, die eigentlich durch das system von put und call verhindert werden sollen.

  7. Phra Athit

    am 1. November 2008 um 17:39 Uhr | Link | Kommentar melden

    soviel zum Thema Leerverkaeufe

    http://de.wikipedia.org/wiki/Leerverkauf

    Es scheint hier ein erhebliches Mass an Missverstaendnissen zu herrschen.
    Leerverkaeufe dienen bei Hedgefonds als strategisches Mittel den Markt aufgrund der von ihnen eingesetzten grossen Volumina an Wertpapieren innerhalb weniger Stunden deutlich nach unte zudruecken und andere Marktteilnehmer via stop loss zu weiteren Verkaeufen zu animieren, um dann noch rechtzeitig den Rueckkauf ueber die Buehne bringen zu koennen. Sie dienen daher ausschliesslich dem Zweck anderen durch flasche Marktsignale zu taeuschen und daraus einen schellen Gewinn zu erzielen. Es geht hier ueberhaupt nicht um Absicherungen. Wie gesagt sind strategische Marktstoerungen zum eignen Vorteil das Ziel und zum Schaden anderer. Wie gesagt kann die BaFin schon jetzt hier gegen vorgehen. Die gesetzliche Grundlage xistiert bereits. In einer Situation wo die Kursbewegungen weitgehend keinerlei oekonomische Information ueber das Unternehmen m,ehr bieten, sondern nur noch einer irrationalen Uebertreibung folgen und von strategisch operierenden Spekulaten noch zusaetzlich verstaerkt wird, ist eine Intervention voellig legitim, um wieder geordnete Marktverhaeltniss herzustellen.

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