“Liebes MTV, du darfst nicht sterben. Ich hab’ mit dir so schöne Stunden verbracht”, fleht Anne Merholz auf “WELT KOMPAKT”, die in ihrem aktuellen Videoblog den “Tod des Musikfernsehens” beleuchten. Den ersten Liebeskummer habe die junge Frau mit diesem Sender ausgestanden, aber auch das erste Verliebtsein mit ihm genossen. Immer war sie up to date. “Bleib’ da!”, schluchzt sie in die Kamera. Ob ihr Leid allerdings Gehör finden wird?
Immerhin sind andere Kolleginnen und Kollegen ganz froh, dass sie den Absprung vom Musikkanal geschafft haben. Denn MTV hat eine ganz eigene Strategie zu gesunden: Es entlässt Leute. Experten schlagen ob dieser Nachricht Alarm: “Das ist das Ende für Musik-TV!” “WELT KOMPAKT” hat jedoch ein Trostpflaster für alle leidenden Musikfans parat. Ihrer Meinung nach könnte das Internet sofort die Rolle übernehmen. “Denn sogar das bekannte meinVZ überträgt jetzt schon Konzerte live im Internet”, weiß Maria Exner aus dem Kultur-Ressort.
“Wie würde man das heute im digitalen Zeitalter machen, was man vor 15 Jahren gemacht hat?”
“Jetzt stirbt das Musikfernsehen endgültig“, urteilen angesichts aktueller Entwicklungen auch M. Osterloh und P. Ronzheimer auf welt.de. Schon heute würden die meisten Musikvideos im Internet geschaut. Die Folge: Die Sender müssten sparen, Mitarbeiter entlassen und deutsche Eigenproduktionen durch amerikanische Formate ersetzt. Seit dem Start von MTV am 1. August 1981 hat sich eben so einiges getan. “MTV und Viva müssen aufpassen, dass sie in diesem Wandel nicht untergehen”, mahnt da der Frankfurter Kulturwissenschaftler Thorsten Wübbena. Ob Stellenabbau und Ersatzformate hier allerdings die richtigen Lösungen sind? Sicherlich nicht nur Viva-Gründer und Chef des Bundesverbandes Musikindustrie, Dieter Gorny fragt sich angesichts schrumpfenden Videoclip-Konsums: “Wie würde man das heute im digitalen Zeitalter machen, was man vor 15 Jahren gemacht hat?” Die Autoren M. Osterloh und P. Ronzheimer kennen die Antwort bereits und können hier getrost Maria Exner beipflichten. Sie sagen: “im Internet entsteht bereits eine bessere Alternative”.
Ligx.de zum Beispiel soll neben kyte.tv eine Lösung des Dilemmas sein. Per Livestream würden hier Konzerte übertragen und gespeichert werden. Und das mit Erfolg: “Seit der Gründung im Januar wurden bereits 800 Konzerte übertragen, mittlerweile kommen 30 pro Woche dazu.” Diese stammen jedoch nicht nur von den professionellen Video-Teams von ligx.de, sondern auch von den Usern selbst. “Das heißt, Bands oder Zuschauer können selbst filmen und diese Videos hochladen.”
Zurück zu den Wurzeln
Während die Einen also schon eine Trauerfeier planen und die Anderen bereits gespannt auf neue Modelle schielen, hat MTV jedoch einen Angriff auf YouTube gestartet. Wie media.de berichtet, hätte sich das Unternehmen trotz ernster Krisenmeldungen nun auf seine Wurzeln besonnen: Das Abspielen von Musik-Clips. MTV Music heißt die neue Plattform, zu deren Start bereits 22.000 Videos aus dem Rock- und Alternativ-Bereich im Archiv verfügbar seien. “Alle Videos lassen sich bewerten und haben eine eigene URL. Sie können also bequem in die eigene Homepage oder das eigene Blog eingebunden werden”, schreibt Alexander Becker. Damit greife der Musiksender – ob bewusst oder unbewusst – eine der wichtigsten Standbeine von YouTube an. Hat das Flehen von Anne Merholz damit ein Ende?
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