Seit Wochen ist Nordkoreas Staatsoberhaupt Kim Yong-il von der Bildfläche verschwunden. Mittlerweile sind an die zwei Monate vergangen, seit der über 60-jährige Regimeführer das letzte Mal in der Öffentlichkeit gesehen wurde. Gerüchte kursieren. Von schwerer Krankheit, einem Schlaganfall mit anschließender teilweisen Lähmung oder gar vom Tod des Diktators wird spekuliert. Davon will man in Pjoenjang gar nichts hören. Dem “geliebten Führer” ginge es bestens, entgegnet man seither standhaft. Zur Bestätigung veröffentlichte das Regime Fotos, die den Diktator lebend zeigen. Nichtsdestotrotz: Kim bleibt unauffindbar. Selbst ausländische Geheimdienste rätseln.
Ausgangspunkt der Spekulationen war die Feier zum 60. Jahrestages der Staatsgründung Nordkoreas
Der Diktator war nicht anwesend. Er nahm das erste Mal nicht an der pompösen Inszenierung teil, stand nicht auf der Ehrentribüne während Soldaten im Stechschritt vorbei zogen, um sich der Welt und anderen Zielgruppen als drittstärkste Armee der Welt nach Russland und China zu präsentieren. Eine Streitmacht, die in der Tat das Vierfache der Bundeswehr umfasst. Mit dem Tod des Diktators würde ein Machtvakuum eintreten – bei einer Truppenstärke von rund 1,1 Millionen Soldaten.
Stattdessen plante das Regime eine “wichtige Bekanntmachung” im Laufe des Monats. Der Fokus des Interesses wanderte vom verschwundenen Diktator hin zum möglichen Inhalt der Bekanntmachung. Ist es die Beendung des offiziellen Kriegszustands mit Südkorea, der seit über 50 Jahren anhält? Eine Kundgebung lässt bisher auf sich warten. Allerdings brodelt die Gerüchteküche erneut: nordkoreanische Diplomaten im Ausland sollen ein Verbot erhalten haben, die Vertretungen zu verlassen.
Nach Angaben Südkoreas bestand zu diesem Zeitpunkt auch weiterhin der innerkoreanische Austausch auf privater Ebene.
Vor ein paar Tagen wendete sich jedoch Blatt.
Während Militärberatungen mit dem Süden drohte Nordkorea mit der vollständigen Zerstörung. Man würde das gesamte Arsenal gegen die Lügenkampagne des Südens aufwenden. “Das Marionettenregime sollte sich klar darueber sein, dass unser progressiver Präventivschlag es nicht nur unter Feuer nehmen, sondern alles in Trümmer legen wird, was gegen unserere Nation und die Wiedervereinigung ist.” Ausschlaggebend waren Flugblattaktionen seitens Bürgerechtler, die kritische Erklärungen mit Hilfe von Luftballons von den Süden in den Norden des Landes schickten. Nordkorea empörte sich während Militärberatungen mit dem Süden über die “Lügenkampagne mit reinen Phantasiegespinsten”. Diese seien zu unterbinden. Wider aller Warnungen bahnten sich weiterhin mehrfach Luftballons mit Flugblättern ihreren Weg über die Grenze in den Norden. An die Hundettausend an der Zahl. Mit dem jüngsten Inhalt trafen die Verfasser einen empfindlichen Punkt in Pjoenjang: Der Gesundheitszustand des Diktators.
Der Nord-Süd-Dialog auf hoher Regimeebene sei derzeit unterbrochen. Nordkorea drohte, wie in der Vergangenheit schon mehrfach, mit der Schliessung des gemeinsamen Industrieparks. Dieser gilt als das sichtbartes Zeichen der innerkoreanischen Annäherung.
Die USA haben mittlerweile mehrere Tausend Soldaten an der Grenze zwischen dem Süden und Norden Koreas stationiert. Bereits zu Beginn des Jahres haben sich die innerkoreanischen Beziehungen verschlechtert, nachdem Ende Februar eine sehr konversative Regierung in Südkorea die Macht übernommen hat und zugleich einen harten Kurs gegen das Nordregime angekündigt hat.
Seit der Drohung eines präventiven Erstschlags gegen Südkorea, herrscht Stille gegenüber der Öffentlichkeit.
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