BEST OF READERS EDITION – eine Wochenbilanz

Haben Sie Ihre Klingel vorsorglich auch schon mal abgestellt, die Rolläden heruntergelassen und tun so als wären Sie gar nicht da? Oder aber brennen vor Ihrer Haustüre schon die ersten Lichter in diversen Kürbisköpfen, die Süßigkeiten stehen bereit und das Kostüm für die heutige Party erhält den letzten Schliff? Für

obmed.jpgHaben Sie Ihre Klingel vorsorglich auch schon mal abgestellt, die Rolläden heruntergelassen und tun so als wären Sie gar nicht da? Oder aber brennen vor Ihrer Haustüre schon die ersten Lichter in diversen Kürbisköpfen, die Süßigkeiten stehen bereit und das Kostüm für die heutige Party erhält den letzten Schliff? Für welche Variante Sie sich auch entschieden haben mögen, seien Sie gewiss, vielleicht sogar beruhigt, dass “Trick or Treat” nicht das einzige Thema unserer heutigen Zusammenschau sein wird.

Aussagen sorgen für Aufruhr

Kaum Süßes, aber dafür jede Menge Saures gab es in der letzten Woche für Professor Hans-Werner Sinn. Der Leiter des Münchner ifo-Institutes sorgte mit seinem historischen Vergleich, während der Weltwirtschaftskrise 1929 in Deutschland habe es die Juden getroffen, heute seien es die Manager, für einigen Unmut. Claus-Dieter Stilles Kommentar “Sinn-entleert” rechnet nun ab. Nicht nur Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden forderte ein Entschuldigung. Auch unser Autor meint:” es wäre das Mindeste”. Was hat ihn da bloß geritten?, fragt er sich weiter: “drückte mal wieder der Fön ganz böse auf München und damit auch auf Sinns Hirn hernieder?” Fest steht, um Kopf und Bart hat sich der Herr Professor geredet. “So etwas kann und darf nicht toleriert werden. Der Professor hat nicht nur groben Un-Sinn geredet, er hat Unrat der übelsten Sorte von sich gegeben.” Ob dem nun wirklich so ist oder ob er einfach nur falsch verstanden wurde. Die Diskussion auf der Readers Edition ist jedenfalls heiß entfacht…

Doch nicht nur hierzulande gibt es hitzige Gefechte. Auch in Südkorea stehen unglaubliche Themen auf der Agenda. “Südkorea: Autoren und Verlage wehren sich gegen Leseverbot“, titelt Hannes Mosler am vergangenen Montag. “In südkoreanischen Kasernen dürfen keine internationalen Bestseller gelesen werden, die ‘staatsfeindlich’, ‘antikapitalistisch’, ‘antiamerikanisch’ oder ‘nordkoreafreundlich’ sind. Gegen diese Zensur ihres Arbeitgebers haben sieben Offiziere eine entsprechende Verfassungsklage angestrengt”, erklärt er den aufkeimenden Unmut. Diese Sieben nämlich möchte das Verteidigungsministerium nun dafür belangen. Auf der anderen Seite schalten sich derzeit jedoch auch die betroffenen Verlage ein. Sie haben das Ministerium auf Schadensersatz verklagt. Noam Chomsky, dessen Bücher ebenfalls auf dem Index zu finden sind, verkündete via Interview seine Meinung zur Diskussion. Er unterstellt den Initiatoren des Verbots schlicht Furcht vor der Freiheit…

Menschen im Rampenlicht von Fußball bis Politik

Fast wäre man hier versucht gewesen zu schreiben: “Kommen wir nun zu erfreulicheren Meldungen”. Doch das Porträt von Josef Bordat anlässlich des Geburtstages von Diego Maradonna am gestrigen Donnerstag ist wenig schillernd – eher traurig. “Therapierplatz: Trainerstuhl. Ein Kommentar“, so seine Überschrift, die bereits alles vereint, was im Nachfolgenden ausgebreitet wird. Dabei fängt der Artikel so überaus freudig an. “Manchmal gibt es sie doch noch, die kleinen Sensationen im Weltfußball. Die folgende Nachricht einer Stellenneubesetzung ist eine solche. Diego Armando Maradona wird neuer Trainer der argentinischen Fußballnationalmannschaft”, beginnt Bordat seinen Abriss. Was dem allerdings nachfolgt, ist ein Einblick in das Leben eines Mannes, der mit seinem Schicksal jahrelang “Doppelpass” gespielt hat. Vom gefeierten Fußballstar ging es ab in die Drogenhölle. “Ups and Downs” prägen das Geschehen. Zu viel Geld und falsche Freunde tun ihr Übriges. “Maradona war ein schwerkranker Mann im Wechselbad von Manie und Depression. Zwischen seinen exzentrischen Auftritten geht er einen Leidensweg: Entzug, Rückfall, Entzug, Rückfall”, beschreibt der Autor die bedrückende Vita einer lebenden Legende. Und auch wenn derzeit viel Skepsis gegenüber ihm und seinem neuen Posten herrscht. Josef Bordat ist überzeugt: “Sie sollten ihm eine Chance geben. Der Mensch Maradona hat sie verdient.”

Angesichts der aktuellen Meldungen muss für Barack Obama ein solches Appell wohl kaum mehr gehalten werden. Kurz vor der Wahl scheint er weiter oben auf. Für Lukas Lehmann Grund genug, einmal eine kleine Videoschau zusammenzustellen, die seinen Rückhalt in der Bevölkerung zeigt. “Wenn in einer Woche die Endergebnisse verlesen werden, ist schon wieder alles vorbei: Stress, Aufregung, viel Tumult, tolle Internet-Kampagnen, mitreissende Reden – kurz und knapp: der gigantischste mediale US-Wahlkampf aller Zeiten”, beginnt er seinen Artikel, in dem sich anschließend Stars wie Usher, Steven Spielberg und viele andere mehr die Klinke in die Hand geben. Eine amüsante Zusammenfassung einer gigantischen medialen Schlacht, die am 4. November auf ihrem Höhepunkt angelangt sein wird.

“Trick or Treat” oder doch lieber der Heilige Martin?

Am Ende unserer kleinen Bilanz ereilt es uns dann doch: das Gruselthema par excellence. Allerdings “Mantel oder Kürbis” von Roberto J. De Lapuente, den uns Margareth Gorges freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, ist alles andere als eine Huldigung dieser zur Manie verkommenen amerikanischen Tradition. Denn “Eine andere Festlichkeit schwindet währenddessen, wird verstärkt ausgehöhlt oder einfach verworfen – der Martinstag.” Doch was bedeutet ein solcher Wandel eigentlich? Wo liegen seine Ursachen begründet? De Lapuente drückt es erst einmal einfach aus: “es ist die Entscheidung zwischen Maskenball und Unmengen von Süßigkeiten oder Laternenbasteln und singendes Wandern durch einen kalten Novemberabend”. Oder weitaus philosophischer: ein “Widerstreit zwischen plumpen Materialismus und zwischenmenschlichem Idealismus”. De Lapuente geht der Sache auf den Grund. Stellt die beiden Feste gegenüber. Besitz versus Teilen. Egoismus versus Selbstlosigkeit – so die schlanke und doch vielsagende Formel, auf die sein Ergebnis gebracht werden kann. Entsprechend fällt auch sein Fazit aus: “Das Schwinden des Martinstag zugunsten von Halloween ist sicherlich keine isolierte Erscheinung, sondern geht Hand in Hand mit der geistig-moralischen Umstrukturierung unserer Tage, in denen Nehmen seliger denn Geben ist.”

Seine Worte werden den ein oder anderen von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, sicherlich noch eine Weile begleiten. Doch bevor wir Sie ganz ins wohlverdiente Wochenende entlassen, seien Ihnen zum Abschluss noch folgende Lesetipps mit auf den Weg gegeben. Denn im Monat Oktober erreichte der Artikel “Finanzkrise: Für junge Leute leicht gemacht” von Sandoz Cassela eine durchschnittliche Leserbewertung von 5.2 Punkten, die höchste Bewertung unserer Jury mit 5 Punkten und somit den ersten Platz. Den zweiten Platz belegt “Samstag war wie damals… Bericht und Kommentar” von Amina Runge mit 4 Punkten in der Jury- und 5.5 Punkten in der Leserwertung. An den Beitrag “Deutschland: Vor Weimarer Verhältnissen?” von Georg Erber vergaben die Jury ebenfalls 4 Punkte und die Leser 5.3 Punkte und er erreicht somit den dritten Platz. Allen Autoren herzlichen Glückwunsch und Dank an unsere Jury und Leser.

Machen Sie’s gut. Wir lesen uns nächsten Freitag!

Ihre Redaktion Readers Edition

Photo Quelle/Copyright: comicbase, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. ich hoffe die amerikaner wählen intelligent und den oben abgebildeten obama – wäre wirklich schade wenn der merkwürdige rentner mc cain gewinnt. in 3 Tagen ist es so weit!