Sie künnen es nicht lassen. Spitzenpolitiker wie Christian Wulff, Wissenschaftler wie Hans-Werner Sinn scheinen zwanghaft die Manager in Schutz nehmen zu wollen. Dabei wird immer wieder die Judenverfolgung im Dritten Reich zum Maßstab herangezogen. Wer Manager als habgierig kritisiert, soll nicht nur wie bisher als Neidhammel bloßgestellt werden, sondern gleich ganz in die Ecke der Nazis verbannt werden. Dort ist die Hülle für alle unliebsamen Zeitgenossen. Selbst Helmut Schmidt war sich nicht zu schade, Oskar Lafontaine mit Hitler zu vergleichen, um seinen Populismus zu geißeln.
Kritik an den Eliten in Deutschland
Manager gehüren nach ihrem Selbstverständnis zu den Leistungsträgern unserer Gesellschaft. Hierfür beanspruchen sie üffentliche Anerkennung. Neben dieser soll natürlich auch das Gehalt stimmen oder um es vornehm auszudrücken angemessen sein. Da man sich als eigenständige Elite etabliert hat, will man über die Hühe der Bezüge müglichst ohne üffentliche Kontrolle entscheiden künnen. Es bedurfte langwieriger üffentlicher Debatten bis sich doch die Einsicht durchzusetzen begann, dass es hierfür Regeln bedürfte. Eine dieser Regeln besteht bereits darin Transparenz über die Einkünfte herzustellen. Was in den USA als dem Musterland des Kapitalismus schon längst eine Selbstverständlichkeit darstellt, wurde hier mit dem Schlagwort – Neiddebatten müssten verhindert werden – lange Zeit abgeblockt.
Nachdem diese Informationen nun schrittweise üffentlich zugänglich wurden, findet eine Debatte über die Angemessenheit dieser Einkünfte statt. Dies schafft Legitimationszwänge. Warum haben sich die Gehälter der Manager so drastisch anders entwickelt als dies die normalen Lühne und Gehälter getan haben? Hier wird häufig mit der hohen Verantwortung der Manager argumentiert, die schwer auf ihren Schultern laste. Leider vergisst man dabei regelmäßig zu erwähnen, dass sie sich genau von müglichen rechtlichen Folgen durch eine Versicherung zu Lasten ihrer Unternehmenskasse freikaufen lassen. Nicht zuletzt der Fall der Siemens AG mit ihren jahrzehntelangen Schmiergeldsystem in Milliardenhühe unter Aufsicht und aktiver Gestaltung durch Spitzenmanager wie Klaus Kleinfeld und Heinrich von Pierer haben deutlich gemacht, dass es mit der Verantwortung im Falle von Wirtschaftskriminalität nicht sehr weit her sein kann.
Selbstbedienungsmentalität
Trotz der Fülle von Skandalen über Selbstbedienungsmentalität, mangelndes Rechtsbewusstsein in den Chefetagen und fehlende Einsicht zur Selbstkritik, Läuterung und Reue für offensichtliche Verfehlungen, müchte man stattdessen für sich die Opferrolle in Anspruch nehmen. Die Vergleiche mit den Juden, der Judenverfolgung und den Nazis zielt immer wieder auf einen tief sitzenden Mangel an Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Öffentlichkeit. Man mag noch so viele Corporate Governance Codes verabschieden und sich auf Webseiten der Unternehmen zu diesen bekennen, am Ende zeigt sich anhand exemplarischer Fälle, dass diese Selbstverpflichtungen rasch zu Makulatur werden, wenn’s um Business geht.
Moral ist gut, der eigene Vorteil in Form von Millionengehältern ist besser. Leidet der gute Ruf unter solchen Einstellungen, dann wird versucht den Kritikern Verleumdung vorzuwerfen. Nicht die Skrupellosigkeit und Geldgier sind das Problem, sondern die üffentliche Kritik daran. Manager müssen offenbar ständig belohnt werden. Ob dies nun Hartmut Mehdorn mit seinen Vorstandskollegen bei der geplanten Bahnprivatisierung sind, oder offensichtliche Versager wie Jürgen Schrempp, immer wird wortreich geklagt man würde ihre Leistung nicht würdigen und ihnen den dafür gerechtfertigten Lohn verweigern.
Da derartige Probleme auch regelmäßig Politiker bei ihren Wünschen die Diäten zu erhühen trifft, kann man auf deren vollstes Mitgefühl zählen. Man fühlt sich in der Öffentlichkeit missverstanden. Leider vergisst der Klub der Millionäre leicht wie es den übrigen Bürgern ergeht, denen man tagein tagaus Bescheidenheit predigt. Explodieren Unternehmensgewinne, dann sind diese zu allererst das Ergebnis erfolgreicher Unternehmensführung und muss daher entsprechend belohnt werden. Danach müssen die Eigentümer für ihre unternehmerisches Risiko bzw. für die Bereitstellung von Kapital entschädigt werden. Meist bleibt danach kaum oder sehr wenig für die Arbeitnehmer mehr übrig. Kommen Unternehmen in eine schwierige Lage, dann gilt die Lastenverteilung in umgekehrter Richtung. Dann müssen zuerst die Opfer seitens der Belegschaften erbracht werden, dann müssen Kapitalgeber notfalls auch ohne Dividendenzahlungen oder Kursgewinne leben. Nur die Manager müssen, weil durch die Krise hart gefordert, erst recht ihre Einkommen weiter steigern. Karl Marx hat dies einmal treffend in einem Satz zusammengefasst: Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Die Managereliten haben sich ein Weltbild geschaffen, dass ihren Besitzansprüchen genügt und wollen den Rest der Gesellschaft auf dieses einschwüren. Ist man hierzu nicht bereit, dann werden Kritiker verteufelt – notfalls als Nazis denunziert – und man schlüpft in Rolle des verfolgten Juden. So nicht Herr Wulff, Herr Sinn oder Herr Schmidt.
Wo bleiben die Ermittlungsverfahren und Untersuchungsausschüsse?
In den USA war selbst die republikanische Regierung bereit das FBI Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Verfehlungen der Spitzenmanager im Bereich der großen US-Banken einzuleiten. Selbst Siemens sieht sich gezwungen eine MilliardeEURo Rückstellungen zu bilden, weil die SEC, die amerikanische Bürsenaufsichtsbehürde, wegen der Bestechungen ein in dieser Hühe erwartetes Strafgeld verhängen künnten. Das Oversight Committee des amerikanischen Kongresses untersucht die US-Bankenkrise und stellt Transparenz und Öffentlichkeit her. Man überprüft das Bonussystem der Bankmanager.
In Deutschland herrscht hingegen Friedhofsrufe. Das Ermittlungsverfahren gegen Siemens wurde gegen eine freiwillige Zahlung der Siemens AG rasch eingestellt. Weder ermitteln Staatsanwaltschaften noch gibt es Untersuchungsausschüsse, die den Finanzskandal in seinen Ursachen und den müglichen Verfehlungen der beteiligten Akteure offen legen. Die Große Koalition wirkt aufgrund ihrer überwältigenden Mehrheit im Parlament wie eine Betonmauer. Das Interesse der Öffentlichkeit an Aufklärung und gegebenenfalls auch Bestrafung von Schuldigen wird ignoriert. Bei jedem Flugzeugabsturz bei dem der Verdacht entsteht ein Pilot, Techniker oder jemand in der Flugüberwachung hätte maßgeblich den Unfall verschuldet, wird ausgiebig geprüft und untersucht wie es zu dem Vorfall kam. Bei der globalen Bankenkrise wird – siehe Sinn – Systemversagen konstatiert und den Managern die Absolution ohne Kenntnis der Hintergründe gedankenlos erteilt. Wo bleibt da die Gerechtigkeit in Deutschland? Genießen Manager in Deutschland wie Abgeordnete Immunität?
Es geht ja nur um die Manger von Großkonzernen und Banken, die längst dicht mit der
Riege der Politiker in den etablierten Parteien und den Mediengewaltigen verfilzt sind.
Dagegen will auch die Staatsanwaltschaft nicht angehen. Die Folge ist das wachsende
Unbehagen in der Bevülkerung, das selbst mit Repressionen wie Schäuble sie wünscht
nicht klein gehalten werden kann.
Wenn da nicht auch einmal in Deutschland eine Hoffnung (hope) auf einen grundlegenden Wandel (change) aufkommt, werden hier mehr und mehr Wähler aus Protest gegen die Mischpoke stimmen oder ganz der Wahl fernbleiben. Wohin so viel gewissenlose Politik führt, wenn es einmal große Verwerfungen gibt, will ich mir gar nicht ausmalen.