Pogromgedenken in Dortmund und Kinderoper “Brundibar”

Wie in vielen deutschen Städten wird heute auch in Dortmund anläßlich des 70. Jahrestages der Pogromnacht eine Gedenkfeier abgehalten. Dieses Jahr ist es der Stadt im Zusammenwirken mit der Auslandsgesellschaft gelungen, eine ganz besondere Gedenkfeier zu organisieren. In unmittelbarer Nähe des Gedenksteins, im Opernhaus der Stadt Dortmund, ist die Détska

Press 028.jpgWie in vielen deutschen Städten wird heute auch in Dortmund anläßlich des 70. Jahrestages der Pogromnacht eine Gedenkfeier abgehalten. Dieses Jahr ist es der Stadt im Zusammenwirken mit der Auslandsgesellschaft gelungen, eine ganz besondere Gedenkfeier zu organisieren. In unmittelbarer Nähe des Gedenksteins, im Opernhaus der Stadt Dortmund, ist die Détska Opera Praha mit der Kinderoper “Brundibár” des jüdischen Komponisten Hans Krasa zu Gast. Der Präsident der Auslandsgesellschaft und Honorarkonsul der Tschechischen Republik, Heinz Fennekold, hatte die Verbindung zur Kinderoper Prag hergestellt. Im Vorfeld des Gastspiels sagte Fennekold gegenüber der Presse: “Für Dortmunds Schüler ist eine solche Aufführung viel besser als jede Geschichtsstunde.”

“Brundibar” gab den Kindern im KZ-Theresienstadt Hoffnung
Hans Krasa hatte “Brundibar” (Die Hummel) 1938 komponiert. In einem jüdischen Kinderheim in Prag erlebte die Oper ihre Uraufführung. Nach der Deportation in das KZ Theresienstadt (Terezin), ca. 90 Kilometer von Prag entfernt, richtete der jüdischen Komponist “Brundibar” erneut ein. Die Kinderoper wurde in Theresienstadt (auf dem Wikipedia-Photo zu sehen, der Eingang zur Kleinen Festung – Gestapolager während der NS-Zeit) insgesamt 55 Mal aufgeführt.

Terezin_CZ_Ater95.jpgVon einer der Aufführungen existiert ein kleiner Film-Ausschnitt. Er ist Teil eines Nazi-Propagandafilms über das Vorzeigelager Theresienstadt, der der Welt vorgaukeln sollte, wie gut angeblich die deportierten Juden von den deutschen Nationalsozialisten behandelt wurden.

Die Handlung: Zwei Kinder brauchen Milch für ihre kranke Mutter, weshalb diese beschließen, auf der Straße für Geld zu singen. Der Leierkastenmann Brundibar vertreibt sie jedoch. Er fürchtet die Konkurrenz. So bleiben Kinder bleiben zunächst erfolglos. Erst nachdem sie sich mit anderen Kindern verbrüdern, schaffen sie es Brundibár zu besiegen. Hans Krasas Kinderoper stand in einer schweren Zeit als Synonym für die letzte Hoffnung der Kinder im KZ Theresienstadt. In einer Ausstellung des Alten Jüdischen Friedhofs von Prag sind viele Kinderzeichnungen aus dieser düsteren Zeit ständig zu sehen. Einige erinnern auch an die “Brundibar”-Aufführungen. Es gab Kinder, die die Nazi-Hülle überlebten. Hans Krasa erlebte die Befreiung von den Nazis und den Frieden leider nicht mehr. Er starb 1944 im KZ Auschwitz… (auf dem Wikipedia-Photo zu sehen, das Gräberfeld des Nationalfriedhofs der Tschechischen Republik in Terezin)
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Krasas Oper wird in Prag seit 10 Jahren gespielt – Zwei (kostenlose) Vorstellungen in Dortmund

Die Detska Opera Praha führt “Brundibar” seit nunmehr zehn Jahren auf. Und das Stück soll auch weiterhin im Repertoire bleiben. Jirina Marková-Krystliková, die künstlerische Leiterin des Theaters, legt großen Wert darauf, dass “Brundibar” auch künftig präsent bleibt. An der Aufführung wirken 30 bis 40 Kinder mit. Der Komponist, heißt es, sei durchaus nicht nur als Opfer der Naziherrschaft zu sehen, sondern gelte auch als “großer Komponist”.
Auf der Gedenkfeier im Opernhaus sollten der Dortmunder Oberbürgermeister Langemeyer und die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Hanna Sperling, Ansprachen halten. Im Anschluß war ein Gebet von Kantor Daniel Tsah und eine Kranzniederlegung auf dem Platz an der Alten Synagoge (sh. Photo oben; Autor) geplant.

Nach der heutigen Aufführung von “Brundibar” im Dortmunder Opernhaus wird es noch eine weitere Vorstellung der Prager, morgen um 15 Uhr, in der neuen Kinderoper des Theaters Dortmund geben. Eine Eintrittsgebühr wurde bzw. wird nicht erhoben. Man bittet jedoch um vorherige Anmeldung unter Telefon 0231-5022016.

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