“Obama verdankt seinen Sieg vor allem den jüngeren Wählern, den Minderheiten und den Frauen”, schreibt Joschka Fischer am vergangenen Montag in der “Zeit“. Die Erwartungen und Hoffnungen, die nun weltweit auf dem zukünftigen Präsidenten ruhen würden, seien gewaltig. Amerika hat seinen “change” mit der Wahl Obamas herbeigeführt. Nun fragt Andrew Hammel in seinem Blog “German Joys”: “Could There Be aEURobama?”
Sein Gedanke kommt nicht von ungefähr. Denn Steven Erlanger von der New York Times äußert sich in seinem heute erschienenen Artikel “After U.S. Breakthroug,EURope Looks in Mirror” über die Partizipation ethnischer Minderheiten in Amerika undEURopa. Erlanger ist sich zwar darüber im Klaren, dass es aufgrund der historischen und kulturellen Unterschiede gewagt sei solche Vergleiche zwischen Amerika undEURopa anzustellen. Dennoch wagt er einen Rundgang durch den Status quoEURopäischer Situationen.
Und so streift er die Unruhen in den Pariser Vororten aus dem Jahr 2005, blickt nach Großbritannien, wo es nach Ansicht von Trevor Phillips selbst ein Barack Obama schwer hätte und kommt schließlich auch in Deutschland an. Dort gestalte sich die Lage allerdings etwas anders. Die Zahl etwa der türkischen Immigranten läge derzeit bei etwa 2,9 Millionen. Doch ihre politische Präsenz im vereinten Deutschland sei mit seinen 82 Millionen Bürgern sehr gering. Gerade einmal fünf Abgeordnete würden im Deutschen Bundestag mit seinen 613 Mitgliedern sitzen. Woran das liegen künnte? Erlanger befragte die Autorin Mely Kiyak, die schlicht antwortet: “Die Deutschen denken, ‘Das ist unser Land. Warum sollten wir einen Türken wählen? Er künnte unser Land islamisieren wollen.’” Die Deutschen würden Obama lieben, erklärt sie, “aber wir haben nirgendwo Minderheiten, nicht in den Medien, nicht in der Politik, weder in der Exekutive noch in der Justiz.”
Feurige Diskussionen über Minderheiten in der Bundesrepublik
Die Kommentatoren auf Andrew Hammels Blog stimmt das nachdenklich. Warum sind Minderheiten in der politischen Landschaft unterrepräsentiert? Wie sieht es hierzulande mit den Zugangsmüglichkeiten zu einem politischen Amt aus? Wie ist auf der anderen Seite die Einstellung der Migranten zu einem solchen Engagement und überhaupt das Leben als Ausländer in der Bundesrepublik? Treffen sie auf Akzeptanz oder beherrscht doch eher Ablehnung das Bild des Zusammenlebens? Andere wiederum finden Hammels Eingangsfrage schon vüllig daneben. Die Diskussion gestaltet sich spannend, vielfältig, aber vor allem eines – feurig.
“Obama hat sein Schwarz-Sein nie zum Thema gemacht”
Während diese noch in vollem Gange ist, nimmt sich derweil auch ein anderer Autor der “Zeit” dieses Themas an – zumindest am Rande. “Was Obama und Merkel verbindet”, versucht er am heutigen Mittwoch herauszufinden. Er sagt: “Wir haben zwar in Deutschland eine Frau zur Bundeskanzlerin gewählt, die keine offensichtlichen herausragenden Befähigungen zu haben scheint – wenn wir von der Tatsache absehen, dass es ihr gelungen ist, die Jungs in ihrer Partei kaltzustellen. Aber wir haben auf jeden Fall eine Kanzlerin, die ihr Frau-Sein nie thematisiert hat, weder im Wahlkampf, noch im Amt. Ebenso wie Obama sein Schwarz-Sein nie zum Thema gemacht hat”, so Denzi Baspinar. Er entspreche nicht dem Bild von einem wütenden schwarzen Mann, sie nicht dem einer Feministin.
Haben wir, nach dererlei Kriterien beurteilt, unseren “Eurobama” also schon gefunden? Oder erscheint eine solche Fragestellung fürEURopa, insbesondere Deutschland, eher ungeeignet? Diskutieren Sie mit!
Photo Quelle/Copyright: Barack Obama, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
Tatsächlich ist die Situation zwischen Amerika und Deutschland schwer zu vergleichen. Die USA sind von jeher viel stärker gemischt (12% Afroamerikaner, 13% Hispanics, 75% “Weiße”) und Afroamerikaner leben dort schon seit vielen Jahrzehnten in großer Zahl. Nicht zu vergessen das die USA bereits diverse Ethno-Diskussion manchmal auch mit Gewalt durchlebt haben.
Die weißen Amerikaner verbinden mit Afroamerikaner Gangster, Sklaverei und Unterdrückung. Die Deutschen verbinden mit z.B. Türken Müchtegerngangster, Islamisierung und Düner.
Vergessen darf man auch nicht, dass die Türken, so kommt es mir zumin. vor, sich nicht so sehr in den Vordergrund hier drücken. Sie sitzen lieber in türkischen Kaffees und trinken Tee. Die Afroamerikaner in den USA streben schon seit jeher aus ihrer unterdrückten Position heraus, und es hat aber auch Jahrzehnte gedauert bis sie ihr Ziel erreicht haben.
Ich persünlich habe gute Erfahrungen mit Türken in der Öffentlichkeit gemacht, seien es Komiker oder Politiker – witzig, Komiker und Politiker in einem Satz zu nennen.
Und die Frage der Integration kommt natürlich zwangsläufig auf. Afroamerikaner in den USA sind, denke ich zumin., genauso integriert wie die Weißen oder Hispanics. Die Türken oder auch Vietnamesen in Deutschland eher kaum. Besten Beispiel ist die Sprache, ich treffe heute noch auf Türken die Deutsch mehr schlecht als recht sprechen. Die Afroamerikaner in den USA künnen Englisch, sie leben auch schon seit etlichen Generationen dort.
Wenn erstmal der Großteil der türkischen Familien unter uns mehr Generation hier leben, wird sich das alles eh bessern. Integration findet nicht in 2 Generationen statt, gut Ding will Weile haben.