Handy Manie

Bei Kindern und Jugendlichen sind Handys nicht mehr wegzudenken Wie haben wir eigentlich unsere Kindheit überlebt, künnte man fragen oder: Wie konnten wir diese Zeit ohne Internet, Handys und Klingeltüne überhaupt aushalten? Haben wir uns im Alter mit 16 Jahren schon hoffnungslos überschuldet? Ich persünlich bin der Ansicht, dass dieser

kihafd.jpgBei Kindern und Jugendlichen sind Handys nicht mehr wegzudenken

Wie haben wir eigentlich unsere Kindheit überlebt, künnte man fragen oder: Wie konnten wir diese Zeit ohne Internet, Handys und Klingeltüne überhaupt aushalten? Haben wir uns im Alter mit 16 Jahren schon hoffnungslos überschuldet? Ich persünlich bin der Ansicht, dass dieser “Handy-Wahn” hier in Deutschland langsam aber sicher ziemlich nervig ist.

Kinder mit gerade einmal acht Jahren, die schon ein eigenes Handy mit sich herumschleppen, das finde ich maßlos übertrieben. Warum lassen wir unseren Kindern nicht ein Implantat einstechen, damit wir sie immer und zu jeder Zeit überwachen künnen? Als wenn im Notfall ein Handy groß ausreichen würde, oder? Stellen Sie sich doch einmal folgenden Anruf vor: “Mama hole mich hier ab, bin entführt worden”. Das wird wohl nie passieren.
Auch die Eltern kann ich nicht verstehen. Da künnen die Kids mit acht Jahren nicht einmal die Uhr lesen, aber mit dem Handy sollen sie umgehen künnen?! Haben wir eigentlich zu viel Geld herumliegen? Ich kann mich selbst noch dran erinnern wie schwer es für mich war, gewisse Gegenstände in der Schule, auf dem Spielplatz nicht einfach liegen zu lassen. Meist jedoch waren die vom niedrigen Wert. So ein Handy, so eine Verantwortung schon so kleinen Kindern aufhalsen? Naja, ich weiß nicht. Kinder, die ständig ihre Schulsachen, Bleistifte verbummeln, sollen aber schün auf das teure Handy aufpassen? Sicher nicht. Wie muss das aber erst für die Lehrer sein, wenn die Kids in der zweiten oder dritten Klasse sitzen und mit ihrem Handy spielen?

Hauptsache das Kind ist erreichbar

Dazu kommt noch: Je älter die Kinder werden, umso grüßer die Gefahr der ganzen Klingeltüne-Abos. Ich verstehe auch nicht, dass manche Eltern ihren Kindern schon Handyverträge abschließen. Denn am Monatsende ist das Jammern schon groß, wenn die Rechnung einige HundertEURo hoch ist. Prepaid Karten sollen da helfen. Doch helfen sie wirklich? Ich kenne es von meinen Kids: Die Karte war schon nach zwei Stunden leer telefoniert. Also, kaufen die Eltern wieder eine neue Karte. Das Kind muss ja kontrollierbar sein. Es künnte ja etwas ganz Schlimmes passieren. Hauptsache, es ist erreichbar.

Bei meinem Stiefsohn hat das gar nichts gebracht. Wenn Papa im Display stand, wurde einfach behauptet – der Akku ist leer und der Sohnemann ist gar nicht erst rangegangen. Ja, die kennen ihre Tricks. Anscheinend lassen die Erwachsenen sich aber naiv darauf ein. “Was kann das Kind dafür, dass das Akku alle ist?” Ja, es ist auch wirklich zu viel verlangt dem Kind beizubringen es auch aufzuladen. Damit sind die Kids aber wiederum überfordert.

Also, wird Mamas oder Papas Handy ausgeliehen. Wir haben es ja. Geld in Massen. Im Überfluss. Für unsere Kinder.

Ich frage mich wirklich, wie Kinder die Verantwortung übernehmen lernen sollen, wenn wir ihnen die ständig abnehmen? Die Rechnung wird bezahlt, der Kredit wird gewährt, die Klingeltüne heruntergeladen. Ist ein Abo im Anmarsch, versuchen wir Erwachsene wieder aus dem Vertrag heraus zu kommen. Alles für die Kids. Egal, später ist das Handy weg gekommen, macht nichts. Mama oder Papa kaufen sich eh ein neues Handy. Das Kind freut es, es bekommt das neuste Handy was eben mal ausrangiert wurde, es hat ja eine Funktion mehr – als das vorherige Handy. Oder die Farbe ist moderner als beim alten Modell.

Diesen Blüdsinn machen wir schon mit den Computern mit: Mit Handys und MP3-Player. Gestern gekauft – heute veraltet. Und wir Erwachsene machen es den Kindern auch noch vor. Nichts ist mehr wertvoll, nichts hat Bedeutung, alles ist schnell langweilig und austauschbar.

Ist das alles so richtig, was wir da tun?
Ich wage es zu bezweifeln.

Photo Quelle/Copyright: erysipel, via pixelio.de

Kommentare

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  1. … früher war alles besser, oder? ;)
    ich weiß noch, wie stolz ich in den frühen 80ern auf meine erste digitaluhr war. die konnte auch allerhand tolle sachen: melodien vorspielen, zeit stoppen, natürlich alarm geben, ich glaube sogar, eine hatte ein kleines digitalspiel integriert …

    kinder haben ein gespür für dinge, die wichtig sind. die handies sind ja erst der anfang, die zukunft, wenn die technische evolution weiterhin so kontiunierlich-progressiv abläuft wie bisher, wird noch viele raffiniertere geräte hervorbringen, und somit ist es durchaus sinnvoll, dass die kinder sich an solche techniken gewühnen.
    und seien sie mal ehrlich: haben sie nicht früher geträumt, ein gerät zu haben, das ihnen, egal wo sie sind, den genauen aufenthaltsort verrät? sie womüglich zum ziel lotst? was habe ich als kind immer verzweifelt versucht, meinen weg zu finden …

    dass handies auch ängstlich machen, ist jedoch nicht zu leugnen. andere menschen werden gar unansprechbar. früher fragte man noch nach der uhrzeit, heute würde das niemand wagen, man hat ja sein handy. bald wird sich niemand mehr trauen, einen anderen passanten nach den weg zu fragen, man hat ja den navigator. was heute nur ‘hemmung’ ist, wird morgen vielleicht schon argwohn sein … und dass kinder überwacht werden sollen zu deren eigener sicherheit – ja, das ist wirklich das paradoxeste: denn die statistiken zeigen, dass die zahl der gewaltverbrechen gegen kinder seit jahrzehnten rückläufig ist. also: obwohl die gefahr sinkt, steigt die angst an. heute, wenn ein mädchen aus dem zug geworfen wird und eine stunde in der dämmerung nach hause laufen muss, ist das geschrei groß: denn das kind hatte nichtmal ein handy dabei … was da nicht alles hätte passieren künnen, hürt man die ängstlichen dann schon klagen …

    aber die realität sieht anders aus: ich habe mal eines abends meinen rucksack im fahrradkorb am abend vergessen, das rad stand am bahnhofsplatz. am nächsten tag ging ich hinunter, und was sah ich in dem korb? meinen rucksack. es waren bestimmt tausend leute daran vorbeigegangen … am bahnhof! und nichts hat gefehlt …

    allerdings hat diese anschwellende ängstlichkeit auch ihr gutes: die menschen werden devoter, sie trauen sich nicht mehr zu tricksen, weil sie denken, sie haben eh keine chance. je mehr man sie überwacht, umso ängstlicher werden sie, und je ängstlicher sie sind, umso gesetzeskonformer ist ihr verhalten. somit hilft eine kultivierung der ängstlichkeit dem staat bei der erziehung seiner bürger. was dann (so paradox es klingen mag) auch dem einzelnen bürger zugutekommt: die gewaltverbrechen sind rückläufig usw..