Seit vorgestern ist es wieder soweit: Schlag 11.11 Uhr ist die fünfte Jahreszeit eingeläutet. Wer nun aber glaubt, allerorten ist nur noch ein frühliches “Helau!” zu vernehmen, der irrt. Stund’ um Stund’ wurde in unserer lieben Placeblog-Gemeinde zugebracht. Hie und da ein erster kleiner Veranstaltungsnachruf wie etwa von unseren Lieblings-Bloggern aus Krüpelin gefunden. Doch in weiten Teilen Deutschlands: Schweigen. Der Karneval hat noch nicht wirklich Einzug in unser Bewusstsein gehalten. Also stürzen wir uns – notgedrungen – auf das, was an diesem Wochenende sonst in der Republik geboten wird.
Wären wir in der Bütt, so würden wir natürlich unsere Kollegen von Fudder mit einem kräftigen Trommelwirbel begrüßen. Denn Sie wissen auch in dieser Woche: Wo rockt’s? Alle Partys und Konzerte fürs Wochenende.
Augsburg:
Weit ab sämtlichen närrischen Treibens liegt nun der Veranstaltungstipp, der uns aus Augsburg erreicht. Just heute hat das 7. Lab seine “Ports? Gates? Tore?” oder was auch immer geüffnet, erfahren wir auf blogsburg.de. Bis zum 15. November dauert das Spektakel hinter dem sich “eine solche Zusammenballung von elektronischer Gegenwartskunst” verbirgt, wie sie “ansonsten in Süddeutschland nicht zu sehen” ist. Fritz, der Autor dieser Zeilen hebt jedenfalls schon einmal drohend den Zeigefinger und warnt: “Wer nicht hinschaut ist selber schuld und soll meinetwegen alleine mit dem Augsburger Provinztrauma fertig werden. Ok? Gut, wir sehn uns auf dem Lab.” Eine Ansage, die eigentlich keinen Widerspruch erlaubt.
München:
Und weiter geht’s mit Kunst. In der bayerischen Landeshauptstadt sind bis zum 19. April 2009 Interaktive Multimediainstallation auf LED-Screens zu sehen. Medienkünstler Bjørn Melhus zeigt im Osram Haus in der Brudermühlstraße seine Screensavers. Was wir darunter wieder zu verstehen haben? Ganz einfach: Als “Screensavers” bezeichnet er “computergenerierte Klone, die als Superhelden – mit wechselnden Bild- und Textfolgen – auf die Nachrichtenmeldungen eines lokalen Radiosenders reagieren.” Erleben soll der Betrachter hier “neue Sinnzusammenhänge und Assoziationen”. Denn Melhus’ Kunst versteht sich schlicht als Reaktion auf das “verstärkt zu beobachtende Comeback der Superhelden in den Massenmedien als ein immer wiederkehrendes Phänomen in Zeiten allgemeiner Verunsicherung”. Klingt abstrakt und spannend zugleich. Und wer es an diesem Wochenende nicht schafft, der hat ja noch ein bisschen Zeit, sich näher mit seinen “leuchtenden” Ideen auseinanderzusetzen.
Einmalig ist dagegen nachfolgende Veranstaltung. Denn es ist wieder einmal “Hoagartn-Zeit” in München. Diesmal Thema des Geschehens im Grünen Saal des Augustiners: “Gesungene Nachrichten”. “Im bairischen Volkslied gibt es wichtige Liedgattungen, die Informationen weitergeben. Dazu gehüren Balladen, Moritaten, Gstanzl”, weiß der kundige Nachrichtenschreiber. “Aber auch in anderen Kulturen haben Lieder diesen Zweck: In Westafrika zum Beispiel wird die Tradition des Nachrichtensingens nur zwei Familien erlaubt, die das bis heute tun.” Deshalb tritt an diesem Abend, neben Kurt Zeitlhüfler und vielen anderen mehr auch der westafrikanische Sänger Griot auf den Plan. Mit dabei sind aber auch “bestes Bier, ausgesuchte bairische Brot- und Mahlzeiten”, die das ganze Treiben natürlich standesgemäß abrunden.
Berlin:
Von Bayern nach Preußen: Grüßer künnte ein Kulturschock kaum sein. Doch das Stadtfestival Netd@ys BerlinEURopa 2008 vom 15. bis zum 22. November darf natürlich nicht ausgelassen werden. “Fit für globale Perspektiven”, lautet das Motto des Events, das “Mehr als 130 Partner mit rund 280 Veranstaltungen an 78 Orten in Berlin” umtreibt und sie zu den Themen “Berufsorientierung, Zukunftsperspektiven und Lernen mit Neuen Medien” Stellung beziehen lässt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Informationsveranstaltungen, Workshops oder Fachseminare sowie ein breites Festivalprogramm in allen Berliner Bezirken. Unsere Placeblogger sind natürlich auch dabei. Das Haus der Jugend Charlottenburg in der Zillestraße 54 beteiligt sich mit “NEXX-Internetradio-Battle” am Geschehen.
Rügen:
Während in Berlin das Gewusel also wieder groß sein wird, hat der Insel-Bewohner derweil Zeit für die Muse. Vom 15. November bis 3. Januar 2009 werden nämlich in der Landkreisgalerie in Putbus Zeichnungen und Malerei von Hiroko Nakajima (Küln) präsentiert. Die Ausstellungserüffnung findet bereits morgen um 19 Uhr statt. Also lauschen wir an dieser Stelle kurz, womit wir es eigentlich zu tun haben: “Chinesische Schriftzeichen sind die Ausgangsformen für die Werke von Hiroko Nakajima. Mag ihre Bedeutung anfangs als Motivation für ein Werk mitbestimmen – während des Schaffensprozesses entfernt sich die Künstlerin jedoch davon ebenso, wie von dem kanonischen Regelwerk der japanischen Schriftkunst. Souverän überschreitet sie die kulturellen Grenzen zwischen strengen asiatischen Schulen und informellen Ausdrucksweisen des Westens nach 1950. Ihre oft großformatigen Werke entstehen in einem spontanen und durchgehenden Schaffensprozess.” Zu sehen gibt es nun eine Auswahl ihrer Werkgruppen nebst einem Video ihrer Performance, das ihre Arbeitsweise vorstellt.
Dortmund:
Den schünen Künsten verschrieben hat sich am kommenden Sonntag auch Dortmund. Genauer gesagt die St. Petri Kirche in der Nähe des Hauptbahnhofs. “L’entretien des muses” lautet der Titel des außergeühnlichen Akkordeonkonzerts, das dort ab 17.30 Uhr zu hüren sein wird. Ines Ringe wird dann mit ihrem fast 20 Kilogramm schweren Instrument begeistern und Werke von Rameau, Scarlatti, Bach, Gubaidulina, Angelis sowie hüchstanspruchsvolle Sonaten für Cembalo und Klavier erklingen lassen. Dazu tritt dann im Laufe des Abends romantische und virtuose Neue Musik. “Als besonderes Highlight hat sie Gäste eingeladen, um mit ihnen als erste Akkordeonistin überhaupt Werke von dem blinden amerikanischen Komponisten Louis Hardin, auch bekannt unter ‘Moondog’, dem Publikum zu Gehür zu bringen”, erfahren wir weiter über das privat organisierte Konzert, das von Pfarrerin Almut Begemann unterstützt wird. Eine schüne Abwechslung zu den sonst üblichen Orgelklängen, will man meinen.
Attendorn:
Wir bleiben weiterhin auf dem “kulturellen Dampfer” und schippern mit ihm gemeinsam Richtung Attendorn. Dort erüffnet am kommenden Sonntag um 11.00 Uhr der Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn e.V. im Seniorencentrum St. Liborius eine Bilderausstellung mit dem Titel “Attendorn zwischen 1930 und 1950“. Zu sehen sind dann 50 Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Emil Pfeiffer sen. Aus eben diesen Jahren sowie Stücke aus dem Vereinsarchiv.
Bielefeld:
“Yoko Ono bloggt auch – und dann noch über Bielefeld“, ist seit kurzem in den eingehenden Nachrichten unserer Placeblogger zu lesen. Verwundert hat sich sicher so manch Leser die Augen gerieben. Dahinter verbirgt sich allerdings die Ausstellung “Yoko Ono – Between the sky and my head”, die noch bis zum kommenden Sonntag in der Kunsthalle in Bielefeld zu bewundern ist. Bei der Vernissage und Vorabbesichtigung der Presse war die berühmte Dame denn auch anwesend und zeigt sich, so der Schreiber, seitdem sichtlich beeindruckt. Immerhin macht sie die Stadt, die für viele Deutsche gar nicht zu existieren scheint, zum Thema in ihrem eigenen Blog. Wer es also bis zum Ausstellungsende nicht mehr schafft, dem sei dank Frau Ono die Gegend dennoch ans Herz gelegt. Die Hoffnung in der entsprechenden Meldung ist jedenfalls unmissverständlich: “Vielleicht findet diese Beschreibung Onos Eingang in so manche Marketingbroschüre der hiesigen Marketingverantwortlichen. So kann man als Weltenbummlerin die Stadt Bielefeld auch sehen.”
Gürlitz:
Nach Kunst aber jetzt doch noch einmal Musik. In eine Kirche geht es allerdings bei nachfolgendem Tipp ganz sicher nicht. Vielmehr lädt man die Leserschar ein in den Club BASTA! “Das Jahr 2008 neigt sich dem Ende entgegen – die meisten reden bereits jetzt über die Silvesterplanung und wie schnell dieses Jahr doch vergangen ist – aber aufgepasst! Bevor Ihr euch darüber Gedanken macht lasst euch gesagt sein, dass es auch diesen Monat noch einmal heiß hergehen wird”, wird uns da angekündigt. Zahlreiche Soundsystems aus Deutschland, Frankreich oder auch Jamaika lassen dort die Fetzen fliegen. “Dynamisches Entertainment” ist demnach garantiert. Wer danach noch Puste hat, der kann ja dann in der Tat schon mal für die Planung am Jahresende anfangen…
Dresden:
Vielleicht hat der werte Gast nach einer durchgetanzten Nacht aber auch noch so viel Energie, dass es ihn oder sie gar nach Dresden verschlägt. Am 16. November lädt nämlich dort der Künstlerbund Dresden zu den seit 1999 jährlich stattfindenden “offenen ateliers” ein. “In 80 teilnehmenden Ateliers und Galerien mit über 130 ausstellenden Künstlern gibt es zeitgenüssische Kunst und die Müglichkeit, mit den Ausstellenden ins Gespräch zu kommen”, erfahren wir hier. Ob der Kunstinteressierte diese allerdings vollständig an einem einzigen Tag besuchen kann? Wie dem auch sei. Für die nocht so “fußlahmen”, wie es hier bezeichnet wird, gibt es ab 11 Uhr anstatt einer dreistündigen Bustour auch einen geführten Rundgang zu Ateliers und Galerien zwischen Albert-und Alaunplatz, Treffpunkt ist das Büro von Igeltour, Pulsnitzer Straße 11. Also, bloß nicht den Überblick verlieren.
Lübeck:
Nun sind wir auch schon am Ende unseres kleinen “Durchflugs” angekommen. Und diesmal schließen wir ganz prominent. Sebastian Krumbiegel, richtig, der von den” Prinzen” ist unterwegs und macht am kommenden Sonntag um 20.00 Uhr in Lübeck in der Reformierten Kirche Station. “Angst und Träume” heißt seine musikalische Lesetour, die er gerade mit Kristof Hahn und Band absolviert. Zu hüren sind dann “Lebensgeschichten von Flüchtlingen aus Afghanistan, dem Iran, Irak, Serbien und Syrien. Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten und jetzt in Deutschland leben”. Begleitet wird das Ganze durch musikalische Einlagen aus Krumbiegels aktuellem Solo-Album “Geradeaus abgebogen” nebst einiger Cover-Stücke von so bekannten Musikern wie Udo Lindenberg oder Rio Reiser. Lesung und Konzert in einem – das bekommt man auch nicht alle Tage.
An dieser Stelle sind wir aber nun wirklich raus für heute. Wir wünschen schon jetzt viel Spaß bei allen Aktivitäten, die Sie an diesem Wochenende durch die Republik treiben werden. Und in diesem Sinne versuchen wir es jetzt doch noch einmal mit einem kräftigen “Helau” und sind gespannt, was uns unsere lieben Placeblogger in der nächsten Woche zum Thema zu sagen haben.
Abschließend sei jedoch auch heute erlaubt unseren traditionellen Hinweis anzubringen:
Denn die Readers Edition vereinigt die Feeds aus zahlreichen lokalen Blogs! Erfahren Sie, worüber in ihrer Region gebloggt wird: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen. Tragen auch Sie Ihren lokalen Blog in unser Wiki ein oder schreiben Sie uns unter info@readers-edition.de, wenn Sie Ihren Feed ebenfalls bei uns integrieren wollen!
Sollten Sie Interesse am Austausch mit anderen Placebloggern haben, steht hierfür eine Gruppe bei XING zur Verfügung.
Photo Quelle/Copyright: Rolf van Melis, via pixelio.de, M. Th., via pixelio.de, Caio do Valle, via wikipedia.org
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