63 mehr als private Fragen sollen, nach Angaben der New York Times, künftige Mitarbeiter von Barack Obama beantworten. Auf Nummer sicher wollen die Verantwortlichen gehen, Peinlichkeiten, die sich offenbaren künnten, schon vor Antritt der neuen Position ausschließen. Seelenstriptease für einen “Platz an der Sonne”? Ungläubig wühlt sich der Leser durch das siebenseitige Traktat, das ein Ausziehen mindestens bis auf die Unterwäsche einfordert. Um Teil der Readers Edition zu werden, sind solche Maßnahmen nicht notwendig. Unsere fleißigen Autoren haben auch in der vergangenen Woche bewiesen, dass man auf sie zählen kann.
Sprachliche Entgleisungen und Gedenken an einen furchtbaren Tag
Schon vergangenen Freitag erfolgte mit Georg Erbers “Christian Wulff: Pogromstimmung gegen Manager” ein weiterer Beitrag rund um das komplexe Thema “Finanzkrise” und Äußerungen, die so gar nicht angebracht zu sein scheinen. “Sie künnen es nicht lassen. Spitzenpolitiker wie Christian Wulff, Wissenschaftler wie Hans-Werner Sinn scheinen zwanghaft die Manager in Schutz nehmen zu wollen”, schimpft der Autor sogleich. Dabei werde immer wieder die Judenverfolgung im Dritten Reich zum Maßstab herangezogen. Wer Manager als habgierig kritisiere, solle nicht nur wie bisher als Neidhammel bloßgestellt, sondern gleich ganz in die Ecke der Nazis verbannt werden. Dabei haben sie es aber auch schwer: “Trotz der Fülle von Skandalen über Selbstbedienungsmentalität, mangelndes Rechtsbewusstsein in den Chefetagen und fehlende Einsicht zur Selbstkritik, Läuterung und Reue für offensichtliche Verfehlungen, müchte man stattdessen für sich die Opferrolle in Anspruch nehmen”, bringt Erber deren Mentalität auf den Punkt. “Die Managereliten haben sich ein Weltbild geschaffen, dass ihren Besitzansprüchen genügt und wollen den Rest der Gesellschaft auf dieses einschwüren. Ist man hierzu nicht bereit, dann werden Kritiker verteufelt – notfalls als Nazis denunziert – und man schlüpft in Rolle des verfolgten Juden.” Der Autor kann das gar nicht gutheißen und mahnt: “So nicht Herr Wulff, Herr Sinn oder Herr Schmidt.” Dafür ist zu viel schief gelaufen.
An einen Tag, an dem mehr als nur etwas schief gelaufen ist, erinnert am letzten Sonntag Claus-Dieter Stille. “Pogromgedenken in Dortmund und Kinderoper ‘Brunibar’“, so seine Überschrift anlässlich des 70. Jahrestages der Pogromnacht, der am Wochenende in vielen deutschen Städten gedacht wurde. Im Ruhrgebiet wurde dazu etwas Besonderes aufgeboten. Im Opernhaus der Stadt gastierte an diesem Tag die Détska Opera Praha mit der Kinderoper “Brundibár” des jüdischen Komponisten Hans Krasa. Eine Aufführung, die nach Heinz Fennekold, Präsident der Auslandsgesellschaft und Honorarkonsul der Tschechischen Republik, für die Schüler hierzulande besser sei als jede Geschichtsstunde. Seine “Kinderoper stand in einer schweren Zeit als Synonym für die letzte Hoffnung der Kinder im KZ Theresienstadt”, beschreibt der Autor die Bedeutung dieses Werks. Der Komponist dagegen erlebte die Befreiung aus dem KZ, in das er selbst interniert war, allerdings nicht mehr. Viele Jahrzehnte später wirkt seine Musik jedoch immer noch nach. Wie Stille später schreibt, sei die Oper “ein zu Herzen gehendes Erlebnis” gewesen, “das die Zuschauer zu Tränen rührte”.
Bund und dann? Oder: Barack, wie geht’s weiter?
Es erscheint schwer, von obigen Eindrücken zurück in die Gegenwart zu kehren oder gar einen Blick in die Zukunft zu werfen. Mit Thomas Brackmann und seinem Beitrag “MBA Studiengänge für Offiziere – Qual der Wahl?“, wollen wir es dennoch versuchen. “Zeitoffiziere verpflichten sich in der Regel für zwülf Jahre bei der Bundeswehr. Um sich optimal auf die zivile Wirtschaft vorzubereiten, absolvieren viele von ihnen ein MBA (Master of Business Administration) Programm. Mittlerweile gibt es drei solcher Programme, die sich auf die Zielgruppe der Offiziere spezialisiert haben”, beschreibt er zunächst die derzeitige Situation, um sogleich einen näheren Blick auf die verfügbaren Angebote, die die künftigen Berufsperspektiven der Ausscheider prägen künnten, genau unter die Lupe zu nehmen. So sieht er sich im Folgenden nicht nur die Organisation und Durchführung an den einzelnen Standorten genauer an, sondern beleuchtet ebenso die Voraussetzungen und Inhalte der jeweiligen Programme. Thomas Brackmann taucht tief ein in die Materie und kommt zu dem Schluss: “Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle Programme eine solide MBA Ausbildung anbieten, die in ihrem Aufbau genau auf die ausscheidenden Zeitoffiziere zugeschnitten sind.” Reutlingen hätte hier die hüchste Erfahrung im Bereich des Offizier MBAs,
Deggendorf sei jedoch gerade frisch an den Start gegangen und Kempten lasse neuerdings viele Wünsche und Anregungen bisheriger Ausbildung einfließen. “Mittlerweile hat damit der Wettbewerb auch bei Offizier MBA Studiengängen Einzug erhalten”, stellt er am Ende fest. Und dies wirke sich positiv auf die Qualität der Angebote aus.
Aus Erfahrungen lernen und neue Ideen einbringen, das scheint nun auch in der Politik zu passieren. Lukas Lehmann jedenfalls nimmt sich seit letzten Dienstag in seinem Beitrag “Open Democracy = Democracy 2.0 – Und Obama macht es vor.”, seinen ersten erfolgreichen Schritten in den Weiten des Internets an. Dank zahlreicher Aktivitäten in sozialen Netzwerken und mit Hilfe von webbasierten Applikationen habe der Demokrat eine Rekordwahlbeteiligung gerade bei jungen Wählern erreichen künnen und so schließlich auch den gewünschten Wahlsieg errungen. Ein Phänomen, das auch Al Gore, Vizepräsident unter Bill Clinton, aus der Seele zu sprechen scheint. Doch er meint, viele Menschen würden die neuen Techniken noch nicht effizient genug nutzen. Ein dezentrales Informationsnetz befinde sich mitten in einer spannenden Entwicklung. Eine Wissensquelle, die Jedermann offen stünde. Eine hühere Sensibilität, verbunden mit einem neuen Bewusstsein für dieses Medium, ist das, was Gore am Ende fordert, damit das bisher vorhandene Potential auch ausgenutzt werden künne. Für Lehmann ist klar: “Inwiefern dieses Potential schon ausgenutzt wird, zeigt meines Erachtens die neue Politikstrategie des designierten US-Präsidenten Barack Obama. Sein Wahlkampf stützte sich grüßtenteils auf das Internet, mit dessen Hilfe er eigene Inhalte kostengünstig publizieren konnte, seine neue Politik präsentieren und Wähler durch soziale Netzwerke, Gruppen, E-Spenden und Benutzerkonten neu rekrutierten, organisieren und in seinen Wahlkampf mit einschliessen konnte.” Nun wurden zwei neue Portale an den Start gebracht, die dieses Bestreben weiter vorantreiben sollen. Bürgerbeteiligung lautet das Credo der Stunde. Ob ihm die Mobilisierung der Massen auch noch im Amt gelingt, bleibt abzuwarten.
Tolle, kleine Spielzeuge…
Am Ende unserer kleinen “Lesetipp-Reihe” wollen wir auch heute eine neue Autorin in unserer Mitte begrüßen. Angela Vits hatte erst am gestrigen Donnerstag ihr Debüt mit “Handy Manie“, das sogleich die ersten Diskutanten auf den Plan rief. Immerhin geht es in ihrem Beitrag um ein hochbrisantes Thema: Kinder und Jugendliche von deren Seite die tollen, kleinen Spielzeuge, genannt Mobiltelefone nicht mehr wegzudenken sind. Für die Autorin ein absolutes Unding. Ein richtiger “Wahn” scheint ausgebrochen. “Kinder mit gerade einmal acht Jahren, die schon ein eigenes Handy mit sich herumschleppen, das finde ich maßlos übertrieben. Warum lassen wir unseren Kindern nicht ein Implantat einstechen, damit wir sie immer und zu jeder Zeit überwachen künnen?”, bricht es denn auch aus ihr heraus. Die Kontroll- und Sicherheitsgedanken der Eltern nehmen überhand, da ist sich Angela Vits sicher. Dabei bedenken anscheinend die wenigsten Erziehungsberechtigten die Gefahren, die die Anschaffung eines Handys gerade für den eigenen Geldbeutel bergen. Klingeltüne, nette Abos und die Endlostelefonate mit Freunden lauern schließlich immer und überall. Aber halt, Mama und Papa zahlen ja stillschweigend, wenn der Nachwuchs die Finanzen nicht selbst unter Kontrolle hat. “Ich frage mich wirklich, wie Kinder die Verantwortung übernehmen lernen sollen, wenn wir ihnen die ständig abnehmen?”, ist sie besorgt. Die Spirale dreht sich, neuer, besser, moderner, stylischer, so das Konsumprinzip unserer Gesellschaft. “Nichts ist mehr wertvoll, nichts hat Bedeutung, alles ist schnell langweilig und austauschbar.” Ob das jedoch alles so richtig ist, das wagt sie zu bezweifeln.
Mit diesen Gedanken verabschieden wir uns nun wieder von ihnen, liebe Leserinnen und Leser. Nicht ohne an dieser Stelle jedoch einen weiteren neuen Autor auf der Readers Edition begrüßen zu künnen. Seit heute ist unser reger Kommentator Michael Meinel auch als Autor bei uns vertreten. Mit “Mittelstand und effiziente Energietechnik mit Erneuerbaren Energien” gab er seinen Einstand. Wir heißen auch ihn herzlich Willkommen und freuen uns schon jetzt auf viele weitere Beiträge aus seiner Feder.
In diesem Sinne, machen Sie’s gut. Wir lesen uns nächsten Freitag.
Ihre Redaktion Readers Edition
Photo Quelle/Copyright: Jason Means, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
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