927.585 Personen zählt er aktuell zu seinem MySpace-Freundeskreis. 3.127.811 Millionen Menschen scharen sich um sein Facebook-Profil. In Sachen Web 2.0 scheinen der künftige US-Präsident Barack Obama und sein Gefolge die derzeitigen Meister zu sein. Nach Herzenslust wird da geaddet, gechattet, Videos gesendet und vor allem rege Nachrichten verbreitet. Kontakte in seinem Dunstkreis sind einfach zu knüpfen. Doch was auf denjenigen zukommt, der gerne für Mr. Obama persünlich arbeiten würde, das beschreibt Hubert Wetzel von “Financial Times Deutschland“. Sein Fazit: “Wer die Informationen beisammen hat, muss nur noch Hunderte Seiten Kopien von Steuererklärungen, Lebensläufen, Reden und Ähnlichem anfertigen. Dann kann der Mübelwagen kommen, um die Bewerbung abzuholen.”
Zugegeben, dass es einfach sein wird einen Job bei einem der mächtigsten Männer der Welt zu bekommen, das hat wohl keiner geglaubt. Doch welch Aufwand wirklich betrieben werden muss, um an der Spitze der Regierung neben ihm Platz zu nehmen, das war so nicht voraus zu sehen. “Obama kommt nach Washington, und er bringt Jobs mit. Tausende. In den kommenden Wochen und Monaten werden Scharen von Republikanern ihre Posten in den Ministerien und Bundesbehürden verlieren, nur um durch Scharen von Demokraten ersetzt zu werden”, beschreibt der Autor die Ausgangslage für die zu erstellende “Bewerbungsmappe”. Was dann jedoch folgt, gleicht ebenfalls einem Full-Time-Job. Und “zimperlich”, wie es Wetzel formuliert, was die Offenbarung seines Privatlebens angeht, darf der Kandidat erst recht nicht sein. Denn, so der Autor weiter, “Die Überprüfung, die das Obama-Team sämtlichen Bewerbern angedeihen lässt, ist die schärfste in der US-Geschichte.”
“Mit wem haben Sie in den letzten zehn Jahren intim zusammengelebt?”
Auf 63 nicht gerade harmlose Fragen muss sich dieser denn auch einstellen. Die “New York Times” hat am vergangenen Donnerstag einen entsprechenden Fragebogen verüffentlicht, der eindeutig zeigt: Obama will es wirklich wissen – und zwar alles. “Mit wem haben Sie in den letzten zehn Jahren intim zusammengelebt?” oder auch “Besitzen Sie oder ein Familienmitglied eine Waffe?” sind nur eine kleine Auswahl dessen, was dort abgefragt wird. Strafzettel, Tagebucheinträge, Ausrutscher der Vewandtschaft – echte Gedächtnisleistung ist gefordert. Und um wieder auf seinen exhorbitanten Freundeskreis auf verschiedensten Portalen zurückzukommen: Selbstverständlich müssen “Alle Blogeinträge, Myspace- und Facebookseiten (…) gemeldet, alle verwendeten Internetpseudonyme offengelegt werden”.
Vor dem Traum kommt also der Gewissenscheck. Und dieser erscheint in den Augen der neuen Regierung durchaus legitim. “Obama hat versprochen, die Geschäfte in Washington zu ändern, und die Überprüfung der Bewerber spiegelt das wieder”, sagte Obamas Sprecherin Stephanie Cutter laut “New York Times” zur Sache.
Abschreckend? Wohl kaum.
Diese ist mit dem Marathon über sieben Seiten allerdings nicht abgeschlossen. “Wer den Test hinter sich hat, dem ist aber noch kein Büro im Weißen Haus sicher”, stellt Spiegel Online nüchtern fest. Denn üblicherweise würden das FBI und andere US-Sicherheitsbehürden anschließend eine Fülle weiterer Fragen stellen. Abschreckend sei ein derart harter Bewerbungsbogen allerdings kaum: “Die Arbeitslosenquote in den USA ist so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr.”
Da es auf dem deutschen Arbeitsmarkt dieser Tage ebenfalls nicht besonders rosig aussieht, hat sich “Financial Times Deutschland” den so Verunsicherten derweil schon einmal angenommen und will wissen: “Wären Sie der richtige Obama-Mitarbeiter?” 15 Fragen von “Welche Aktien besitzen Sie?” über “Haben Sie irgendwelche peinlichen Verwandten?” bis hin zur Masterfrage “Haben Sie oder Ihre Frau jemals für eine der Finanzinstitutionen gearbeitet oder Lobbyarbeit gemacht, die vom Rettungspaket profitieren?” stehen zur Erkundung der eigenen Tauglichkeit bereit.
Meldung um Meldung rauscht derzeit zu diesem Thema durch das Netz. NZZ online ist dennoch skeptisch: Kann der Leser, der “seriüsen New York Times Glauben schenken”? Immerhin weist der gezeigte Fragebogen keine offizielle Absenderadresse auf. Ihr Statement zur Sache lautet jedenfalls: “‘I’m asking you to believe’, steht auf Obamas Website. Wenn’s denn stimmt, dann sagen wir: ‘Change can happen’.”
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