StudiVZ – Ein Community-Flop?

Es ist Sommer 2008: Die Fußball-Europameisterschaft ist in vollem Gange, da meldet sich Jens Birle auf der Readers Edition zu Wort. “studiVZ – Jedes Gesicht eine Deutschlandfahne“, überschreibt er seine kurze Meldung am 4. Juni über eine massenmobilisierende Aktion auf der Studentenplattform von Holtzbrinck Networks. Beinahe im Minutentakt rauschten von

studizv.jpgEs ist Sommer 2008: Die Fußball-Europameisterschaft ist in vollem Gange, da meldet sich Jens Birle auf der Readers Edition zu Wort. “studiVZ – Jedes Gesicht eine Deutschlandfahne“, überschreibt er seine kurze Meldung am 4. Juni über eine massenmobilisierende Aktion auf der Studentenplattform von Holtzbrinck Networks. Beinahe im Minutentakt rauschten von nun an die neuesten Mitgliederzahlen der soeben gegründeten Gruppe “EM 2008 – Deutschland zeigt Flagge” als Kommentar herein. 180 Kommentare waren es letztlich bei uns, weit über 300.000 Mitglieder in der Gruppe bei studi.vz- und die meisten von ihnen sprühten nur so vor Euphorie. Die kann Tino Seeber, der wenige Wochen später titelt “Warum studiVZ doch nur ein billiges Plagiat ist.“, nicht teilen. Er gibt Facebook den Vorzug und lüst auch damit einen ganzen Diskussionsreigen aus, den er kurz darauf mit einem Beitrag über einbrechende Nutzerzahlen ergänzt.

Wie steht es aber wirklich um die Gunst des Online-Netzwerks? Top oder Flop?

Meedia.de ließ nun durch die Media-Spezialisten von Ethority untersuchen, “wie im Netz über die einheimischen Start-ups gesprochen wird”. 5,73 Millionen Unique User verzeichnete StudiVZ laut der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung e.V. im ersten Quartal 2008 und reiht sich damit ein in die derzeit erfolgreichsten Online-Medien hierzulande. Doch solch hohe Nutzerzahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: “Über StudiVZ wird [zwar] am meisten (…) [aber auch] am negativsten diskutiert.”, wie meedia.de verlauten lässt.

In ihrem Start-up-Barometer für den vergangenen Oktober bringen sie die Gründe hierfür sogleich auf den Punkt. Die Kritik an der Studenten-Community zielte demnach hauptsächlich auf die Person des ehemaligen Chefs Marcus Riecke und seinem umstrittenen Abgang ab. Weiterhin rieben sich viele User daran auf, dass ihrer Meinung nach mit viel zu harten Bandagen gegen kleine Webseiten mit dem Kürzel “VZ” vorgegangen wurde. Dabei sei man selbst nicht frei von Fehlern. Denn technische Unzulänglichkeiten der Plattform seien ebenfalls ein ordentlicher Reizpunkt gewesen.

Dennoch, StudiVZ ist, bezogen auf die zwischen September und Oktober untersuchten 18.000 Postings zu rund 600 deutschen Start-ups, in aller Munde und erzeugt nach wie vor den meisten Buzz, d.h. die grüßte Öffentlichkeitswirksamkeit, wie David Nelles von Ethority verrät. Die Top 20 wird von ihnen denn auch mit 8,4 Prozent Anteil angeführt. Xing und MyVideo folgen auf den Rängen zwei und drei.

Tolle Ausgangsposition, doch mangelhafte Umsatzzahlen

In aller Munde und doch wertlos? Künnte man meinen. Denn kurz darauf wartet meedia.de bereits mit einer weiteren Meldung zum Thema auf: “Warum StudiVZ & Co. kein Geld bringen“, lautet die wenig ermunternde Überschrift für alle, die in letzter Zeit in diesem Segment investiert haben. Was die Community also schon negativ diskutierte, wird nun auch jenen zum Verhängnis, die hier kräftige Umsätze erzielen wollten. Technische Probleme, ein negatives Image – das taugt eben nicht, um Einnahmen zu generieren. “Mit StudiVZ, MeinVZ und SchuelerVZ besitzt die Verlagsgruppe Holtzbrinck die mitgliederstärksten Angebote im gesamten deutschen Web. Eine Ausgangsposition, auf die fast alle einheimischen Medienhäuser neidisch sind. Wenn es den VZ-Managern jedoch nicht gelingt, bald bessere Umsatzzahlen zu präsentieren, dann künnte es heikel werden”, schreibt denn auch Alexander Becker.

Und “Noch eine nette Geschichte aus der scheinbar unendlichen StudiVZ-Saga” hält auch Holger Schmidt, “Netzükonom” bei der FAZ bereit. Denn schon wieder scheint ein Geschäft geplatzt. “Nachdem Holtzbrinck den Verkauf an Facebook abgesagt hatte, wurden Verhandlungen mit United Internet über eine Minderheitsbeteiligung an StudiVZ geführt. Obwohl die Verhandlungen im Sommer wohl schon weit fortgeschritten waren, scheiterte auch dieser Deal”, lässt er die Leser wissen.

“Ich finde es einfach nur traurig, dass Deutschland 2-4 Jahre hinter den USA zurückhinkt was das Internet betrifft und studiVZ keine vernünftigen Features basteln kann bzw. nicht dazu fähig ist. Echt arm, aber deswegen lüsch ich mein Profil dort nicht.., zumindest noch nicht”, schreibt Insider 2.0 als Kommentar unter Tino Seebers zweiten Beitrag. Ob er es nun doch getan hat, das bleibt wohl sein Geheimnis.

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  1. Das Geld ließe sich nur so drucken, insbesondere mit dieser Community. Den verantwortlichen Machern fehlt die unternehmerische Phantasie, mit so einer Community ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. So wie diese Plattform jetzt dasteht, liegt der Mehrwert der Zielgruppe darin, untereinander über diverse Kommunikationsstufen miteinander in Kontakt zu treten und sich freundschaftlich zu vernetzen. Damit lässt sich allerdings kein Geld verdienen. Werbebanner werden hier eher als stürend bis ätzend empfunden und wirken tendenziell imageschädigend für das Portal. StudiVZ nutzt derzeit 0,5% seiner Müglichkeiten. 99,5% des wirtschaftlichen Potentials der Plattform liegen brach! Die Macher wissen das. Leider wissen Sie nicht, wie die wirtschaftliche Situation verbessert werden kann, ohne die Zielgruppe zu verprellen.