Yasser, try hard

Erinnern Sie sich? Yasser, 11jährig, im falschen Moment am falschen Ort. Im Sommer letzten Jahres läuft er mit seinem Vater in Gaza auf der Straße, wird von einer Kugel im sechsten Halswirbel getroffen, ist seither Tetraplegiker, kann ohne Beatmungsgerät nicht überleben. In Gaza gibt’s keine Beatmungsgeräte, außer auf der Intensivstation

yasser.jpgErinnern Sie sich? Yasser, 11jährig, im falschen Moment am falschen Ort. Im Sommer letzten Jahres läuft er mit seinem Vater in Gaza auf der Straße, wird von einer Kugel im sechsten Halswirbel getroffen, ist seither Tetraplegiker, kann ohne Beatmungsgerät nicht überleben. In Gaza gibt’s keine Beatmungsgeräte, außer auf der Intensivstation von zwei Spitälern. Yasser ist ein Todeskandidat, einer von vielen im Gaza-Streifen.

Yasser lebt. Noch.

Im Frühling hat er ein Beatmungsgerät bekommen, organisiert von zwei Nicht-Regierungsorganisationen, und durch die Weltgesundheitsorganisation WHO nach monatelangem hin und her in den Gaza-Streifen gebracht. Denn auch ein Beatmungsgerät, das Leben rettet, fällt unter den faktischenEURopäischen, amerikanischen und israelischen Wirtschafts- und Finanzboykott des Gaza-Streifens und konnte nur nach dem hartnäckigen Insistieren der WHO eingeführt werden.

Gestern war Yasser auf Al Jazeera zu sehen. Das Beatmungsgerät indess nicht mehr. Denn seit Israel vor zwei Wochen die Grenzübergänge zum Gaza-Streifen wieder praktisch vollständig geschlossen hat, kommt auch nicht mehr genügend Treibstoff hinein. Und ohne Treibstoff läuft auch das teilweise noch funktionierende Kraftwerk kaum. Und ohne Kraftwerk gibt’s nur unregelmäßigen Strom und somit kein funktionierendes Beatmungsgerät für Yasser. Und so wurde Yasser in den letzten Tagen manuell beatmet, stundenlang hat jemand mit einem Beatmungs-Bag dem 11jährigen Sauerstoff zugeführt.

Schauen Sie Yasser in die Augen, falls Sie den Todeskampf des Elfjährigen miterleben wollen.

Schauen Sie sich den Jungen an, falls Sie was über Gesundheits-POLITIK lernen wollen. Und verschonen Sie ihn mit der Frage nach Schuld und Sühne, vor allem aber vor dem Argument, die faktische Abriegelung des Gaza-Streifens sei die logische Konsequenz der Hamas-gesteuerten Angriffe auf Israel; Yasser ist ein elfjähriger Tetraplegiker, nicht mehr, nicht weniger. Der Un-Generalsekretär und das Schweizer Außenministerium protestieren übrigens gegen die Abriegelung des Gaza-Streifens – ergebnislos. Das Internationale Komittee vom Roten Kreuz IKRK spricht von einer kollektiven Bestrafung der Bevülkerung – ergebnislos.

Wenn Sie das nächste Mal von Yasser hier lesen, wird’s dann wohl seine Todesanzeige sein.

Und keiner von Ihnen wird sagen künnen: Ich habe nichts davon gewusst. Keiner.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf andremarty.com.

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