Kreditklemme weitet sich aus

Die Hoffnungen, durch das 500 Mrd.EURo Rettungspaket eine Kreditklemme im Finanzsystem in Deutschland verhindern zu künnen, erweist sich zunehmend als Illusion. Trotz Risikoabdeckung und Eigenkapitalspritzen macht sich eine zunehmende restriktive Kreditgewährung bei den Geschäftsbanken bemerkbar. Da hilft auch keine Bankenschelte von Angela Merkel und Horst Kühler. Fakt ist offenbar, dass

Die Hoffnungen, durch das 500 Mrd.EURo Rettungspaket eine Kreditklemme im Finanzsystem in Deutschland verhindern zu künnen, erweist sich zunehmend als Illusion. Trotz Risikoabdeckung und Eigenkapitalspritzen macht sich eine zunehmende restriktive Kreditgewährung bei den Geschäftsbanken bemerkbar. Da hilft auch keine Bankenschelte von Angela Merkel und Horst Kühler. Fakt ist offenbar, dass der Interbankenmarkt immer noch nicht funktionsfähig geworden ist, d.h. die Ausleihungsbereitschaft der Banken untereinander Kredit zu gewähren, ist unter den derzeitigen Verhältnissen nicht wieder hergestellt worden. Ursache ist eine falsche Zentralbankgeldpolitik, die sich zum Lender-of-first-resort gemacht hat. Offenbar funktioniert diese Strategie nicht und die Zentralbank kommt in die permanente Rolle als Refinanzierer der Geschäftsbanken am Interbankenmarkt.

Deleverage senkt grundsätzlich das Kreditvolumen

Die Anhebung der Eigenkapitalquote der Geschäftsbanken führt zu einem Deleverage-Effekt, der zwangsläufig das Kreditvolumen senkt. Mithin steht hier die Bankenregulierung vor einem Dilemma. Will man eine Verbesserung der Eigenkapitalausstattung der Geschäftsbanken erreichen und damit einer Insolvenz der Institute vorbeugen, dann geschieht dies unter den derzeitigen Marktverhältnissen nur durch Senkung des Kreditvolumens, weil weniger Fremdkapital zur Verfügung steht. Mithin ist eine Kreditklemme die andere Seite der Medaille. Ohne zusätzliches Eigenkapital der Geschäftsbanken kann das bisherige Kreditvolumen nicht gehalten werden, wen gleichzeitig die Eigenkapitalquote angehoben werden soll. Das hat nichts mit Psychologie der Märkte zu tun, sondern folgt aus der einfachen Saldenmechanik.

Wer also die Banker derzeit auffordert, die Kreditvergabe nicht einzuschränken, der übersieht, dass dies faktisch unter den gegebenen Verhältnissen nicht müglich ist. Hatten Geschäftsbanken über off-balance-sheet Geschäfts via Conduits und SPVs ihr Kreditvolumen übermäßig oftmals mit einer Eigenkapitalquote von 4% ausgeweitet, dann führt der Weg zu einer Konsolidierung mit einer Eigenkapitalquote von 8 oder 10% zwangsläufig nur über eine Einschränkung der Kreditvergabe. Es fehlt derzeit an ausreichend privaten Investoren, die in die Geschäftsbanken in erheblichen Umfang Mittel als Eigenkapitaleinlage zu investieren bereit sind. Die staatlichen Mittel reichen jedoch insgesamt nicht aus, um diese Defizite im erforderlichen Umfang auszugleichen.

Da ein erheblicher Teil des Eigenkapitals der Geschäftsbanken noch durch die Wertberichtigungen der bad assets verloren geht, kommen die Geschäftsbanken von verschiedenen Seiten unter Druck. Ihr Eigenkapital sinkt wegen der Verluste mit bad assets, hinzu kommt ein Wertverfall durch den sinkenden Bürsenwert. Gleichzeitig soll man die Eigenkapitalquote anheben. Trotz der Einlagen der einzelnen Staaten reichen jedoch die derzeit verfügbaren Mittel nicht aus, um das bisherige Kreditvolumen aufrechtzuerhalten. Mithin wünscht die Politik und die Öffentlichkeit von den Geschäftsbanken die Quadratur des Kreises zu lüsen, was bekanntlich nicht müglich ist. Die Geschäftsbanken befinden sich in einer Eigenkapitalklemme, die sich als Kreditklemme auf den Kreditmärkten fortsetzen muss.

Psychologie und Ökonomie

Derzeit findet man in der Öffentlichkeit und den Medien ein Geschwätz über die psychologischen Ursachen der Krise. Es sicherlich nicht falsch anzuerkennen, dass irrationale Übertreibungen im Marktgeschehen und derzeit insbesondere an den Finanzmärkten eine wichtige Rolle spielen. Die Volatilität des Marktgeschehens, dem betrachtet man die Realsphäre, d.h. was an konkreten Vorgängen in Produktion und Konsum tatsächlich an Veränderungen messbar ist, korrespondiert nicht mit den Veränderungen auf den Finanzmärkten. Der Volatilitätindex des DAX zeigt die derzeit kritische Lage. Seit dessen Verüffentlichung steht die Volatilität des VDAX derzeit auf historischem Hüchststand von aktuell über 60. Normal wäre etwa ein Wert von 9 bis 10, d.h. die Schwankungen am Aktienmarkt sind derzeit sechs bis siebenmal hüher als unter normalen Umständen.

Da zweistellige Kursschwankungen am Aktienmarkt seit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September, dem 9/15 der Finanzmarktkrise, an der Tagesordnung sind, ähnelt die Bürse derzeit weitgehend einem Kasino mit extrem hohen Risiken sowohl rasch hohe Gewinne bzw. Verluste erzielen zu künnen. Wer sich daher derzeit in Aktien engagiert muss de facto wissen, dass er mehr oder weniger an einem Glücksspiel mit extrem hohen Gewinn- und Verlustchancen teilnimmt. Overconficence ist ein aus der Theorie der Behavioral Finance bekanntes verhaltenstheoretisches Phänomen von Menschen, unter prekären Verhältnissen an einem Glauben festzuhalten, man künnte unter extrem instabilen Verhältnissen verlässliche Prognosen abgeben.

Man glaubt zu wissen wo es lang geht, weiß aber im Grunde gar nichts und begreift noch nicht einmal, dass man unter gegebenen Verhältnissen gar nichts wissen kann. Risikobewertungen, die ja aus zufälligen Ereignissen mittels statistischen Schließens gewonnen werden müssen, erfordern in der Regel eine ausreichende Zahl von Beobachtungen um halbwegs verlässliche Prognosen abgeben zu künnen. Nun ist es gerade das Problem in Extremlagen, dass diese sehr selten vorkommen und mithin grundsätzlich eine extreme Knappheit an Informationen vorliegt bei gleichzeitig extremer Variation in den Einzelergebnissen, d.h. es besteht eine starke Streuung von Fall zu Fall. Trotz scheint in der menschlichen Natur ein Entscheidungsverfahren angelegt zu sein, sich in der Illusion zu wiegen man wüsste mehr als man wissen kann. Man muss schon Sokratiker sein, um sich der Bescheidung eines €žIch-weiß, dass ich nichts weiß!” zu unterwerfen.

Meist ersetzt man das Eingeständnis des nicht Wissens durch irgendwelche Plausibilitätsüberlegungen. Dies sind in der Regel jedoch nur Scheinrationalisierungen, die einem Wirklichkeitstest nicht oder zumindest nicht auf Dauer stand halten künnen. Wir leben daher derzeit in einer Kakophonie von ad hoc Weltdeutungen, deren Verfallsdatum derzeit in der Regel wenige Tage beträgt. Hierzu zählt auch in einem erheblichen Umfang die Deutung der Weltwirtschaftskrise als rein psychologisches Phänomen. Es geht hier immer wieder um Vertrauensbildung, Erwartungen stabilisieren und Keine-Panik-Gerede. Dass Stimmungen, Vertrauen und Erwartungen aus der Interaktion mit der Welt gewonnen werden, d.h. mit Erfahrungswissen korrespondiert wird dabei geflissentlich übersehen.

Die Psychologie der Bevülkerung ruht deshalb zu einem entscheidenden Anteil auf den Erfahrungen mit der Wirklichkeit. Der Vertrauensbruch des Finanzsystems, die Versprechungen der Politiker all dies wird zu einer Wahrnehmung über die Wirklichkeit in heterogener Form von Individuum zu Individuum unterschiedlich verarbeitet. Wer also die Reaktionen der Wirtschaftssubjekte verstehen will, der muss auch die materiellen Ursachen hierfür heranziehen. Unterlässt man diesen Dialog dann endet das ganze Psychologisieren in einer Vulgärpsychologie, wo Alles alles erklären kann, gerade so wie es aktuell plausibel erscheinen mag.

Politik als psychologische Inszenierung

Derzeit erscheint vieles, was von der Politik an Krisenbekämpfung angeboten wird, von psychologisierenden Spin-doctors konzipiert zu werden. Man müchte durch deklamatorische Äußerungen der Bevülkerung suggerieren, man wäre Herr der Lage. Da wird flugs die Sicherung sämtlicher Spareinlagen von Merkel und Steinbrück verkündet. Ein Muster ohne Wert, da diese Garantie letztendlich unverbindlich ist. Zweck ist einzig und allein die Bevülkerung zu beruhigen. Da wird Opel eine Bürgschaft von einer Mrd.EURo zugesagt, obwohl es hinsichtlich der derzeitigen Situation eindeutig klar ist, dass Opel als Tochterunternehmen von General Motors keine isolierte Hilfe gegeben werden kann. Man veranstaltet G8-, G20-Gipfeltreffen, der EcoFin-Rat tagt, die Staatschefs der führenden Industrieländer geben sich wechselseitig die Klinke in die Hand.

Die Ergebnisse dieser Treffen sind meist dürftig und unverbindlich. Wenn man eine Botschaft indirekt diesen Aktionen entnehmen kann, ist es die, das man sich grundsätzlich einig ist, dass man sich nicht einig ist. Letztendlich versucht jeder für sich individuelle Lüsungen zu stricken. Dadurch wird ein zunehmendes regulatorisches Chaos herbeigeführt. Der eine senkt die Mehrwertsteuer, der nächste denkt über Steuerschecks nach, der dritte will bei der Einkommenssteuer Entlastungen bzw. sogar Belastungen herbeiführen. Jeder bastelt sich so seine Rettungspakete zurecht in der vagen Hoffnung eine globale Krise lokal bekämpfen zu künnen. Der Mangel an Gemeinsamkeiten wird mit dem Zauberwort Koordination bemäntelt. Letztendlich bleibt ein zunehmender Egoismus bestehen.

Was grundsätzlich fehlt ist ein systematischer Ansatz. Der Versuch der EU-Kommission etwas mehr Ordnung im gemeinschaftlichen Chaos herbeizuführen. Das Kleinklein – mal dort eine Bank gerettet, mal dort Investitionsanreize für dieses oder jenes schaffen – in einen Gesamtrahmen zu stellen, will nicht gelingen. Ein EU-weites Konjunkturpaket wird unterlaufen oder besteht darin, dass jeder seine Zahlen nach Brüssel meldet und diese dann aufsummiert werden. Es rächt sich jedenfalls derzeit bitter, dass eine makroükonomische Steuerung zur Krisenbewältigung zulange nicht im Fokus der wirtschaftspolitischen Debatte stand. Der Markt sollte es prinzipiell und jederzeit besser als der Staat richten. Keynesianer waren verpünt und Makroükonomie wurde als Forschungsfeld an den Universitäten systematisch ausgedünnt. Wer Karriere machen wollte, konzentrierte sich auf andere Gebiete. In dieser desolaten Lage wird derzeit improvisiert ohne klare Einsichten und Grundlagen in das Gesamtgeschehen zu haben. Ein bisschen hier, ein bisschen dort und irgendwann ist die Krise hoffentlich von allein vorübergegangen. Dieser Politikansatz künnte bald sein persünliches Waterloo erleben.

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  1. Einleuchtend, dass die Banken kein Geld ausgeben künnen, wenn sie erst ihre Schulden berichtigen und ihr Eigenkapital aufstocken müssen. Aber geht denn das
    wirklich an, dass der Steuerzahler den Banken das Geld gibt für die Verbesserung ihrer Kapitalausstattung? Was soll in dieser Phase die Verbesserung der Eigenkapitaldecke, wenn die Banken dann nicht die in der Wirtschaft benütigten Kredite ausreicht?

    Eine Lüsung wäre es, üffentliche Mittel, die in der Wirtschaft begraucht werden, durch die üffentliche Hand selbst auszureichen. Eine andere die, den Banken aufzugeben,
    ihnen jetzt zugeschobene Gelder nicht für ihre Eigenkapitalausstattung zu verwenden,
    sondern sie nach gehüriger Prüfung der Wirtschaft zu überlassen.