China: Baidus neuer Skandal
Artikel von Global Voices vom 27.11.2008, 11:26 Uhr im Ressort Web & Technik, Internetkultur | No Comments
Der staatliche chinesische Fernsehsender CCTV berichtet, dass [1] Baidu, das chinesische “Google”, Geld von illegalen Pharmafirmen angenommen und deren Links am Beginn der Trefferliste platziert hat. Baidus Marketingverantwortliche sollen angeblich davon gewusst haben. Dieses Service, Pagerank Bid, ist für mehr als 80 Prozent des Einkommens des Unternehmens verantwortlich. Das Geschäftsmodell der Firma, “das Werbeeinschaltungen in die allgemeinen Suchresultate einschleust, ohne sie zu kennzeichnen, wird schon lange kritisiert, weil es die Integrität der Suchmaschine untergräbt”, fügt China Daily hinzu. Beim Milchskandal soll Baidu Meldungen zensuriert und dafür Gelder von Milchfirmen bekommen haben, sagt ChinaSmack.
CCTV veröffentlichte die Pagerank-Listings. Der[2] Wert von Baidu ist um 37,5 Prozent gesunken, seit der staatliche Fernsehsender berichtete, dass Unternehmen, u. a. nicht registrierte medizinische Firmen und Spitäler, Baidu dafür bezahlen, dass ihre Sucheinträge unter den ersten Suchresultaten erscheinen.
Beijing News jedoch sieht den CCTV-Bericht aus einem anderen Blickwinkel:
“Manchmal sind für CCTV oder Baidu illegale Firmen nur sehr schwer zu erkennen, weil diese über eine ‘ausgezeichnete Tarnung’ verfügen. Dass CCTV Baidus Praktiken aufdeckt, ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sie beide Konkurrenten auf dem Anzeigenmarkt sind. Vor Baidus Aufschwung beherrschten traditionelle Medien wie CCTV den Anzeigenmarkt. Mit dem Boom des Internet wurden die Marktanteile neu verteilt. Daher ist es leicht nachzuvollziehen, dass CCTV die Praktiken von Baidu aufdecken will, denn für CCTV hat dies zwei Vorteile: Erstens ist CCTV ‘verpflichtet’, seine Funktion als ‘Medium’ zu erfüllen; zweitens kann CCTV dadurch die Vertrauenswürdigkeit seines Mitbewerbers schwächen, um selbst Marktanteile zu erobern.”
Nach dem CCTV-Bericht reagierte Baidu sehr schnell und versprach in einer Konferenzschaltung mit Analysten, ein neues System zu implementieren, das bezahlte Werbeeinschaltungen deutlicher von normalen Suchergebnissen trennt, berichtet [3] ChinaJournal.
“Wir tun das, weil es uns ein Anliegen ist. Es ist wichtig für uns. Wir wollen ein verantwortungsvoll agierendes Unternehmen sein”, sagte Baidus CEO Robon Li.
Tianya-Blogger 阿杜在线 [4] updu.com.cn drängt auf Regelungen, die eine Kontrolle über mächtige Unternehmen wie Baidu sicherstellen:
“Nur eine derartige Vormachtstellung kann einem Unternehmen einen Monopolstatus verleihen, sodass es Preise diktieren kann und die Macht hat, ihm unliebsame Inhalte auszublenden. Aber da es unvermeidlich ist, dass ein Medium eine derartige Vormachtstellung erlangt, sollte es mehr Kontrolle über die Medien und bessere gesetzliche Regelungen dafür geben.”
Ein weiterer Kommentart kommt von 常平 Changping:
“Viele Webseiten waren anfangs rein kommerziell orientiert. Obwohl sie von Beginn an eine wesentliche Rolle bei der Veröffentlichung von Informationen und der Organisation von Meinungsforen spielten, nehmen sie nur selten die Verantwortung traditioneller Medien wahr, sondern kümmern sich im Wesentlichen nur um ihr Geschäft.”
Dieser Beitrag erschien zuerst auf Global Voices. Die [5] Übersetzung erfolgte durch Ingrid Fischer-Schreiber, Teil des “[6] Project Lingua“. Die Veröffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Global Voices.
Artikel aus "Readers Edition": http://www.readers-edition.de
Link zum Artikel: http://www.readers-edition.de/2008/11/27/china-baidus-neuer-skandal/
Links im Artikel:
[1] Baidu: http://en.wikipedia.org/wiki/Baidu
[2] Wert von Baidu: http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5hCsLO7D6XvYoDkpl86NkKA3_mu8Q
[3] ChinaJournal: http://blogs.wsj.com/chinajournal/2008/11/20/baidu-redesigns-search-results-to-quell-paid-links-scan
dal/
[4] updu.com.cn: http://www.updu.com.cn/baidu-came-to-light-of-the-revelation_278.html
[5] Übersetzung: http://de.globalvoicesonline.org/2008/11/23/china-baidus-neuer-skandal/
[6] Project Lingua: http://globalvoicesonline.org/lingua/