Peru: Schließung einer kontroversen Kunstausstellung
Vor ca. einem Monat wurde die Aussstellung “La Migración de los Santos” (”Die Migration der Heiligen”) in der Galerie Vértice im Stadtviertel San Isidro in Lima eingeweiht. Die Werke der Künstlerin Cristina Planas sind ikonoklastisch und porträtieren die Heiligen in einem unkonventionellen Format. Im Blog Palabras Van y Vienen II [es], spricht Cristina Planas im Interview mit M. Isabel Guerra darüber, warum sie dieses Sujet gewählt hat:
“Die Heiligen sind auf den Altaren, aber bevor sie dorthin kamen, waren sie menschliche Wesen und lebten auf dieser Welt… Ich richte die Galerie so ein wie eine große alte Kirche; auf dem, was zum Hauptaltar werden soll, ist der Herr der Wunder… zur Rechten ‘a la diestra del Señor’, sind der Heilige Martin und die heilige Rosa, die Heiligen die, sagen wir, die Zelebranten sind, und zur Linken ist die Sarita Colonia, die Volksheilige, die nicht vom Vatikan anerkannt worden ist.

- Photo mit freundlicher Genehmigung von Palabras Van y Vienen II
Die Art, in der die Heiligen porträtiert wurden, war nicht das Einzige, das die Aufmerksamkeit auf sich zog, sondern auch, dass die Heiligen nur mit Unterwäsche bekleidet waren.
Das erzeugte eine große Bandbreite von Reaktionen, von solchen, die dafür waren, eine andere, menschlichere Seite der Heiligen zu zeigen, bis zu solchen, die es beleidigte, weil sie der Meinung waren, dass die Art der Darstellung der heiligen Figuren unehrerbietig sei. Die Ereignisse nahmen jedoch einen anderen Lauf, als vor dem Schluss der Ausstellung die Stadtverwaltung von San Isidro die Galerie schloss [es] mit der Begründung, es gäbe Probleme mit der städtischen Betriebserlaubnis. Die Direktorin der Galerie Rosario Wenzel, veröffentlichte in ihrem Blog Arte Nuevo [es] eine Notiz, in der sie einige der Behauptungen widerlegte:
“6. Wir müssen darauf hinweisen, dass es nicht zutrifft, dass es der Galería Vértice an der Betriebserlaubnis fehlt, noch dass sie keine von der Defensa Civil ausgegebene Zertifizierung habe, selbst wenn ein administratives Problem mit der Erneuerung der RUC bestanden haben sollte, wurde es schon gelöst.
Amazilia von Perú Apartheid [es] sieht keine Grundlage für den Skandal:
“Erst einmal verstehe ich nicht, warum sie diese Figuren beleidigend finden, auch wenn sie auf wenig konventionelle Art präsentiert werden, wird ihnen gegenüber der nötige Respekt gewahrt, sie sind wie in irgendeiner anderen Kirche auch, ich weiß nicht was sie mehr stört: die Unterwäsche oder die Gesichtsausdrücke. Aber gab es in 2000 Jahren Christenheit nicht schon bizarrere Überschreitungen?”
Andere Blogger sehen die andere Seite, so auch Guille of Pueblo Vruto [es] der schreibt:
“Entweder ignoriert Frau Planas den Wert der Heiligen für religiöse Menschen, oder sie beabsichtigt, sich über sie lustig zu machen. Es ist offensichtlich, dass für Gläubige und Fromme die Gnade der Heiligen darin wurzelt, dass sie ein Vorbild des geistigen Lebens sind, das nicht nur die Bedeutung des Physischen (Materiellen) reduziert, sondern sogar seine zentrale Stellung bekämpft… Es handelt sich nicht um das bloße Streben nach einer ‘alternativen’ Ästhetik: deutlich wird die ‘geläufige’ (offizielle, kanonische, usw.) Ästhetik umgestürzt mit einer Anti-Wertung. Die Heiligen von Cristina Planas ‘migrieren’ nicht: sie verkehren sich bis zur Negation und zur (Selbst-) Ablehnung.”
Viele rätseln über den Ursache-Wirkungs-Aspekt der Schließung der Galerie. Luis von Bloodyhell [es] schreibt:
“Wenn ich auch nicht genügend Indizien habe, um feststellen zu können ob das mit Vértice Zensur war oder nicht. Aber ich habe genügend Indizien, um zu verstehen, dass es interessanter wäre, wenn die Künstler sich aufraffen könnten - im Lichte dieser neuesten Äußerungen von Intoleranz oder ästhetischer Ignoranz der sogenannten ‘religiösen Fanatiker’ - nicht um zu sagen, dass die Religion wichtig für das ‘peruanische Volk’ sei oder um den Eifer dieser ‘katholischen’ Nation zu bewundern, sondern um zu warnen vor und nachzudenken über das ganze Verlogene und Verrückte, das eine Religion zu produzieren in der Lage ist. Anders herum gesagt, es ist an der Zeit, die Religion zu beleidigen.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf Global Voices. Die Übersetzung erfolgte durch Martin Ruopp, Teil des “Project Lingua“. Die Veröffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehemigung von Global Voices.










