Ist Twitter eine Quelle des Journalismus?
“Der Tag, an dem Social Media erwachsen wurde” schreibt CNN über den Tag der Terroranschläge von Mumbai. Der Einsatz von Twitter bei der Berichterstattung über die schrecklichen Ereignisse vor Ort als maßgebliche und schnellste Newsquelle hat in der Medienlandschaft eine nachhaltige Diskussion hinterlassen. Die Frage, die dabei alle beschäftigt, lautet: Ist Twitter eine Quelle des Journalismus oder nicht?
Die Stunden des Terrors von Mumbai haben den Microblogging-Dienst Twitter über Nacht enorm aufgewertet. Viele glauben sogar, dass er in die Geschichte eingehen wird, an dem sich die Art der Informationsbeschaffung der Menschen merkbar veränderte und “aus dem Kopfkonstrukt Bürgerjournalismus schlichte Realität wurde”, wie Thomas Knüwer, Blogger und Jounalist des “Handelsblatt” schreibt. Für ihn ist es der “Durchbruch auf dem Weg Twitters zum Massenmedium”. Journalisten müssten “lernen, diese Quelle zu nutzen”. Betroffene und Augenzeugen hatten über Twitter vom Ort des Geschehens über Schüsse und Explosionen berichtet, teilweise Stunden bevor etablierte Mainstreammedien davon überhaupt Kenntnis hatten.
“Vergessen Sie CNN” meinte gar Michael Arrington in seinem Artikel auf TechCrunch (mehr…). Selbst CNN gibt unlängst zu: “Es war der Tag, an dem Social Media erwachsen wurde und sich als eine mächtige News-Aggregation hervor tat, mit der man rechnen muss.” Doch beileibe nicht alle denken so. Einer der schärfsten Twitter-Kritiker ist Tom. Dieser hatte auf dem Blog tomstechblog.com seiner Entrüstung über die Behauptung Michael Arringtons Ausdruck verliehen, Twitter sei nun “der Ort an dem die neuesten Nachrichten verbreitet werden”.
Gefährlicher Wettlauf um die News?
Toms wütende Antwort: “Wie können Sie so etwas sagen? Die Fakten sind die Nachrichten. Nichts anderes ist relevant. In Wirklichkeit ist der Lärm, den Twitter in Situationen wie dieser generiert, schlichtweg grausam und gefährlich.” Als Beispiel nennt er, sicher nicht ganz zu unrecht, dass einige Twitterer behauptet hätten, auf das Marriot-Hotel in Mumbai sei ein Anschlag verübt worden. Doch dies entsprach gar nicht den Tatsachen, da nicht dieses, sondern das Hotel Ramada gleich nebenan betroffen war. Nun solle man sich nur einmal vorstellen, man hätte Familie oder Freunde im Marriot gehabt. Sein trauriges Fazit: Einigen Leuten gehe es überhaupt nicht um die Richtigkeit von Nachrichten, sondern nur darum, damit prahlen zu können, “die Mainstream-Medien in der News-Berichterstattung geschlagen zu haben”.
Diesen Vorwurf jedoch ließ Arrington von TechCrunch nicht lange auf sich sitzen. Er könne es “nicht glauben, dass einige Leute immer noch sagen, Twitter sei keine News-Quelle”. Sicher entsprächen nicht alle bei Twitter eingehenden News tatsächlich auch der Wahrheit. Doch sei dieses Argument das gleiche wie das, was vor Jahren Mainstream-Journalisten gegen das Aufkommen von Weblogs verwendet hätten, als diese eine Lücke in der Berichterstattung der letzten Jahre auszufüllen begannen. Immerhin habe doch sogar die “New York Times” bereits vor Jahren zugeben müssen, dass Blogs gerade bei Katastrophen eine wichtige Nachrichtenquelle darstellten, was im Besonderen bei der Tsunami-Katastrophe der Fall gewesen sei.
Ein anderes Argument pro Twitter bringt Mathew Ingram auf seinem Blog mathewingram.com ins Spiel. Bei der Bereitstellung von falschen Informationen auf Twitter habe sich gezeigt, so schreibt er, dass andere Menschen stets dazu neigten, diese unverzüglich zu berichtigen. Falsche News würden demnach sehr schnell durch richtige übertönt.
Twitter als “wertvoller erster Entwurf der Geschichte”
Dass dieses System funktioniert, hat das Wikipedia-Prinzip bereits hinlänglich bewiesen. Vielleicht vermag es Twitter, so könnte man optimistisch resümieren, durch die Bündelung vieler kleiner Einzelbilder ein im besten Falle authentisches aussagekräftiges Gesamtbild menschlicher Tragödien zu vermitteln und vielleicht durch deren Masse, aber gerade auch durch deren Unfertigkeit und Unvollkommenheit, stärker ins Bewusstsein zu dringen, als dies herkömmliche Fernsehbilder noch vermögen, die perfekt aufbereitet tagtäglich an uns vorbeirauschen. Der Effekt könnte demnach positiv sein.
Dass die Twitter-Meldungen jedoch vor allem persönliche Eindrücke wiedergeben und somit von professionellen Journalisten auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft werden müssen, versteht sich von selbst. Die Sorge einiger Journalisten, wie manche Artikelbeiträge gedeutet werden könnten, dass normale User schneller sind und ihnen die Arbeit wegnehmen könnten, ist demnach unbegründet. Blogger Mathew Ingram sieht Twitter-Berichte als “wertvollen ersten Entwurf der Geschichte”. Und dies sei doch eine ziemlich gute Definition von Nachrichten.
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Terror in Mumbai: Twitter und Flickr berichten schneller als CNN











Thilo Pfennig
So what? Natürlich zählt Schnelligkeit auch etwas. CNN aber hat z.B. bei der Präsidentschaftswahl aus früheren Wahlen gelernt und bewusst später Ergebnisse verkündet, wenn sie sic absolut sicher waren.
Ob ich nun Bilder und Informationen ein paar Minuten früher hab von irgendeiner Katastrophe ist doch ehrlich gesagt Sch…egal. Es sei denn es geht darum das diese Meldungen mir als Warnungen dienen können. Dazu bedarf es aber auf jeden Fall einer Umsetzung ins Radio oder Fernsehen. twitter ist nichts anderes als eine Art Ticker, bei der jeder Quelle sein kann. Natürlich kann das praktisch sein. Aber die entscheidene Frage ist: Wer ist die Quelle und wie verlässlich ist diese. News als solches, deren Wert nicht ermittelt werden kann haben keinen Wert.
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