Erst zum Wochenstart hat sich die Readers Edition im Netz umgetan: Die Nachricht von einer möglichen Übernahme der deutschen Studentenplattform StudiVZ durch die amerikanische Konkurrenz von Facebook zog ihre Kreise. Verbreitet durch die Wirtschaftswoche brauste das Gerücht wie ein Lauffeuer durch die Weiten des World Wide Webs. Die Nutzer selbst scheinen es am gestrigen Montag jedoch gelassen zu nehmen, so das Ergebnis unserer eigenen kleinen Untersuchung. Ein Murren war nicht zu finden. Dafür aber echte “Facebook”-Fangemeinden, die sich im Studiverzeichnis von Dennis Bemmann und Ehssan Dariani tummeln. Ganze 300 registrierte Gruppen sind zusammengekommen, denen eines gemein zu sein scheint: Eigentlich wären sie doch lieber bei der international ausgerichteten Version.
“Email-freie Tage, eine Tasse Tee statt Stunden vor dem Bildschirm, computerfreie Cafes – ein neuer Trend.”
“Facebook rulez!” ist da neben “StudiVZ ist ein billiger Abklatsch von Facebook” in vielen einschlägigen Statements zu lesen. Die begeisterten Social Networker schauen mit großer Hochachtung zum Original, das ihnen im Gegensatz zum eigenen “Internetheim” wie eine reichbestückte Spielwiese der technischen Möglichkeiten vorkommt. Noch teilen sie nicht die These von Zukunftsforscher Matthias Horx, der in der letzten Woche – entgegen seiner Annahmen von vor zwei Jahren – verlauten ließ, dass immer mehr Menschen offline gehen würden. “Email-freie Tage, eine Tasse Tee statt Stunden vor dem Bildschirm, computerfreie Cafes – ein neuer Trend. Das wollen die Menschen in Zukunft”, fasst Dr. Michael Maier Horx’ Erkenntnisse zusammen, die hierzulande zwar durch erste Ausstiegsversuche belegt sind, jenseits des großen Teiches aber vielleicht sogar schon vollends angekommen sind.
Sie haben keine Lust mehr auf die unzähligen Applikationen
“I’m getting bored of facebook!”, so lautet nämlich die vielsagende Überschrift eines entsprechenden YouTube-Videos, das getragen von Billy Joels “We didn’t start the fire“, vor Augen führt: Das Treiben in solchen Portalen ist für manch Zeitgenossen dann doch etwas zuviel. Als Antwort auf Bob Dylans “Facebook-Song“, der den virtuellen “Marktplatz” gehörig in Frage stellt, haben die jungen Leute sich selbst zu Wort gemeldet und klargestellt: Sie haben keine Lust mehr auf die unzähligen Applikationen, wollen keine Einladungen mehr und schon gar nicht ihren Status updaten. Nahezu fünf Millionen User haben die “Anti-Facebook-Hymne” bereits gesehen. Mehr als 4000 Kommentare zieren das Werk von Rebel Virals. Und sicher ist: Dem ein oder anderen Zeitgenossen wird es sicherlich aus der Seele sprechen…
Schon erstaunlich. Da rotten sich Menschen virtuell zusammen, um sich gemeinsam zu langweilen und von den Applikationen, die Sie nutzen, genervt zu sein. Vermutlich alles nur deswegen, um überhaupt von irgendjemanden wahrgenommen zu werden. Es fehlt der Mehrwert!