“Ich bin ja keine DiscoQueen”: Elke Heidenreich über “Lesen!” im Internet

Am vergangenen Freitag war es nun endlich raus. Frau Elke Heidenreich, Literaturkritikerin aus Leidenschaft, hat ihren neuen “Sendeplatz” gefunden. Kein privates, aber auch kein öffentliches TV sollte es jedoch sein. Das Internet ist ihre neue Spielwiese. Dass sie dennoch ihrem bewährten Konzept treu bleibt, verrät sie uns im Kurzinterview. RE:

dasrgfas.jpgAm vergangenen Freitag war es nun endlich raus. Frau Elke Heidenreich, Literaturkritikerin aus Leidenschaft, hat ihren neuen “Sendeplatz” gefunden. Kein privates, aber auch kein öffentliches TV sollte es jedoch sein. Das Internet ist ihre neue Spielwiese. Dass sie dennoch ihrem bewährten Konzept treu bleibt, verrät sie uns im Kurzinterview.

RE: Sehr geehrte Frau Heidenreich, zunächst einmal Herzlich Willkommen im Internet! Haben sie nun Ihren “besseren Sendeplatz” endgültig gefunden?

Heidenreich: Ja, unbedingt.

RE: Erhoffen Sie sich von dem Medium mehr Freiheiten?

Heidenreich: Ich war ja nicht unfrei beim ZDF, aber hier gelten keine strengen Zeitvorgaben, und jeder kann den Sendeplatz selbst bestimmen. Im ZDF war das schlimmste der späte Sendetermin.

RE: Web-Journalismus folgt ja immer noch häufig dem Diktat der Jugendlichkeit. Ist das denn für eine gestandene Autorin und Fernsehkritikerin wie Sie eine schwere Umstellung?

Heidenreich: Nein, wieso? Bücher sind altersunabhängig, sind immer wichtig. Ich bin ja keine DiscoQueen. Ich lese und rede darüber, zu jung und alt, wie bisher.

RE: Vom wem wurden Sie in dieser mutigen Entscheidung am meisten unterstützt und wie kam die Zusammenarbeit mit dem Kölner Literaturfestival lit.cologne zustande?

Heidenreich: Die Macher der LitCologne sind seit vielen Jahren meine Freunde, ich habe bei diesem großartigen Literaturfestival von Anfang an mitgearbeitet, und als die jetzt mit der Idee kamen, Lesen! im internet zu machen, war ich begeistert, zumal das Ganze eingebettet ist in ein wirklich einmaliges, großes Literaturportal.

RE: Warum machen Sie ihre Sendung nur monatlich und nicht wöchentlich?

Heidenreich: Das würden Sie nicht fragen, wenn Sie wüßten, wieviel Zeit man zum lesen braucht.

RE: Werden Ihnen denn ihre zahlreichen Fans vom Fernsehen treu bleiben? Oder denken Sie eher, dass Sie nun auch Rezipienten ansprechen, die sonst eher selten vom angestaubten Geebührenfernsehen erreicht werden?

Heidenreich: Ich will die erreichen, die lesen möchten und nicht so recht wissen, was sie lesen sollen. Ob Internet oder TV ist da egal. Wer mich finden will, findet mich. Schon in den ersten zwei Tagen waren das 900.000 Anklicker.

RE: Wenn schon ein neues Medium, wollen Sie dann die Art und Weise der Gestaltung der Sendung diesem auch ein wenig angepassen oder bleiben Sie bei Ihrem bewährten Format? Denkbar wären etwa interaktive Konzepte wie Live-Chats, Kommentar-Foren oder Zuschaltungen von Zuschauern und Autoren live über WebTV…

Heidenreich: Alles bleibt beim Bewährten. Ich finde Lesen! in der Kneipe, mit dem kleinen Mann auf dem Tisch, dem Gast neben mir, ein paar Büchern perfekt. Warum soll man alles an irgendwelche anderen Foren anpassen.

RE: Am Anfang waren Sie skeptisch gegenüber dem Internet, so liest man. Nun ist das Internet für Sie das “Medium der Zukunft”. Woher kommt dieser Bewusstseinswandel?

Heidenreich: Learning by living.

RE: Was glauben Sie als erfolgreiche Literaturkritikerin: Sollten Buch und Web mehr zusammenwachsen?

Heidenreich: Sind sie doch längst. Jedes Medium, das der Literatur Platz einräumt, ist wichtig.

RE: Was halten Sie als Expertin von Büchern, die man auf Pocket-PC, Handy oder eigens geschaffenen Digital-Displays lesen kann? Braucht das Medium Buch überhaupt solcherlei Modernisierung? Sehen Sie das E-Book als Bedrohung oder als Bereicherung?

Heidenreich: Weder Bedrohung noch Bereicherung, einfach nur technische Ergänzung. Das Buch aus Papier ist nicht zu ersetzen, aber ein E-book zum Arbeiten und Korrigieren statt Druckfahnen- warum nicht.

RE: Werden diese neuen Technologien unsere Art zu lesen verändern?

Heidenreich: Nein. Es bleibt bei 1 Mensch, 1 Buch, 1 Lampe. Und dann einfach: abtauchen.

RE: Frau Heidenreich, vielen Dank.

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Interview: Felix Kubach/ Nicole Oppelt

Mehr zum Thema:

Web 2.0: Herzlich Willkommen Frau Heidenreich!

Link zur Sendung:

litcolony.de

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