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Erneut Ärger bei Wikipedia: Scorpions-Cover sorgt in Großbritannien für Sperrung

- In Deutschland weiterhin zu lesen. In Großbritannien haben viele User derzeit eine leere Seite vor sich. Screenshot via wikipedia.org
Sie ist jung - blutjung. Dennoch ist sie nackt. Lediglich durch einen Sprung in einer Glasscheibe sind ihre Genitalien verhüllt. Provokant blickt sie in die Kamera und sorgte damit schon 1976 für Aufsehen. Das hier beschriebene Bild ist nicht etwa Inhalt einer fragwürdigen Sammlung. Nein, vielmehr handelt es sich um das Cover des vor mehr als 30 Jahren erschienenen Albums “Virgin Killer” der bekannten Band Scorpions mit dem sie erstmals auch außerhalb Europas für Aufsehen sorgen konnten.
Dass das Werk der fünf Musiker knapp drei Dekaden nach den ersten Kontroversen um die Illustrationswahl der Plattenfirma erneut für Ärger sorgte, das hätten sich die Künstler sicher nicht träumen lassen. Doch nun ist “Wind of Change” angesagt. Der Vorwurf der Kinderpornographie wurde erneut laut. “Offenbar haben mindestens sechs große Provider in Großbritannien die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia auf eine Filter-Liste gesetzt”, berichtet unter anderem heise.de. Kunden der betroffenen Provider O2, Virgin Media, Easynet, Plusnet, Demon und TalkTalk bekämen nun anstelle des betroffenen Artikels lediglich eine leere Seite angezeigt.
Verantwortlich für diesen Eingriff ist nach Angaben von heise die britische Internet Watch Foundation (IWF).” Doch anstatt das beanstandete Bild selbst zu blockieren, haben die Verantwortlichen offenbar nur den Artikel über das Album auf die Filter-Liste gesetzt. Wer den Artikel direkt aufrufen will, bekommt entweder eine nichtssagende Fehlermeldung oder eine leere Seite angezeigt. Das beanstandete Bild ist weiterhin abrufbar – jedoch ohne den erläuternden Kontext des Wikipedia-Artikels”, erklärt Autor Torsten Kleinz weiter. Die Wikimedia Foundation verurteilte derweil die Sperrung durch die IWF als unnötigen zensorischen Eingriff.
Schlechter Geschmack? Ja! Blockieren? Nein!
Der Vorgang sorgt nun auch für heftige Diskussionen unter Lesern und Fans. Im englischsprachigen Blog “The World According to Sjeltur” ist etwa zu lesen: “Nun, ich sah das Bild… Ich verstehe die ERSTE Reaktion der I.W.F…. Auf der anderen Seite: Es handelt sich hier um ein Album-Cover, das schon in seinem Erscheinungsjahr 1976 kontrovers diskutiert wurde. (…) das Bild wurde niemals von irgendwem/einem Land/einer Organisation verboten. (…) Das Hauptproblem besteht darin, dass nichts illegales passiert (…). Das ist freie Information - die sogar journalistischen Wert hat. Ein Album-Cover des schlechten Geschmacks? Oh ja, meiner Meinung nach schon… doch wenn ich entscheiden dürfte es zu blockieren, dann würde ich das nicht tun.”
“Rührend lächerliche” Maßnahme
Unter dem Titel “Die Nackten und die Doofen (6)” wird sich auch auf messitschbyburns.de zum Thema geäußert: “Irgendwer hat die Seite im Dezember bei der IWF als bedenklich gemeldet — und schon wird sie gesperrt. Man weiß nicht, wer sich beschwert hat oder ob der anonyme Bedenkenträger wirklich existiert. Es könnte der Erzbischof von Canterbury gewesen sein, eine frigide Hausfrau oder der Manager der Scorpions, der den Namen der Band mal wieder in der Zeitung lesen wollte”, wird hier den Spekulationen freien Lauf gelassen. Aber, so ist dort weiter zu lesen: “Im Grunde ist es egal, denn die IWF reagiert auf solche Beschwerden wie der Mops auf die Wurst: Angeblich potentiell illegales unsittliches Bildmaterial als willkommener Vorwand für die Säuberung des Netzes. Ein Hinweis genügt, und die IWF schnappt zu. Kinderpornos als Zensurhebel. Auch dort, wo keine Kinderpornographie existiert.” Für den Autor erscheint diese Maßnahme “rührend lächerlich”. Immerhin werde das Album seit mehr als 30 Jahren verkauft und ist nach wie vor überall zu sehen. Genauso wie Cover von “Blind Faith“, “Led Zeppelin” oder auch “Nirvana“.
UPDATE 10.12.2008:
Die Internetseite der SCORPIONS in Großbritannien wurde am Abend des 09.12.2008 wieder entsperrt, berichtet heise online.
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Mehr zum Thema:
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Jan van Winried
Eigentlich hätte die Artikelüberschrift lauten müssen: Erneut Ärger durch Zensur - Wikipediaartikel nicht erreichbar!
Noch wird die neue Form der Zensur belächelt. Auf europäischer Ebene werden bereits Listen mit tausenden Internetadressen geführt, die den Regierenden -warum auch immer - nicht genehm sind. Liegt es daran, dass europäische Demokratien immer weiter von Fundamentalchristen unterwandert werden? Große Lobbyorganisationen wie Bertelsmann lassen es sich schließlich zig-Millionen Euro Kosten (siehe Religionsmonitor), uns zu gottesfürchtigen Christenbürgern hin zu entwickeln. Nachdem klar ist, dass in Deutschland lediglich 29% der Bürger überhaupt an Gott glauben (Allensbach-Umfrage 2007), sehen pseudochristliche Parteien wie die CDU mittelfristig ihre Existenz gefährdet. Bei den Regierenden scheint das Glaubensverhältnis genau umgekehrt zu sein. Auffällig häufig wird in letzter Zeit die Moralkeule geschwungen. Lediglich wenn es um echtes Elend geht, wie der Hunger in Afrika, das Flüchtlingsproblem, Folter und Kriege, sehen die Parteichristen weg oder beteiligen sich daran, das Elend zu vergrößern.
Da ist es schon einfacher und werbewirksamer, wie unsere Familienministerin kurzfristigen Zensoraktivismus zu propagieren und nach unwirksamen Internetsperren zu rufen. Die Regierenden sind sich bereits einig, immer mehr Internetseiten verbieten zu wollen und haben dafür einen breiten Instrumentenkoffer entwickelt, der sich über einen ganze Reihe von Gesetzen erstreckt und so wirksam ist, dass lediglich die größten Medienunternehmen noch in der Lage sein werden, Internetseiten “rechtssicher” zu veröffentlichen. Das Prinzip des kriminalisierten Bürgers wird mit der Kriminalisierung des Internets erst richtig rund und zu einem veritablen Geschäftsmodell für die begünstigten Profiteure (Rechteinhaber, Abmahnanwälte, selbsternannte Zensoren, pseudochristliche Politiker …).
Mit dieser Entwicklung hat sich das Internet als preiswerte, unkomplizierte Geschäftsplattform für kleine Unternehmen erledigt. Was die Regierenden durch Gesetze noch nicht kaputtreguliert haben, erledigen die selbsternannten Zensoren. Solche Leute gab es in (West-)Deutschland übrigens zuletzt im Hitlerregime. Heute haben sich diese Geister in ganz Europa etabliert und werden nicht in Frage gestellt. Im Gegenteil: In Europa hat der große Überwachungs- und Zensurwettbewerb erst begonnen!
Hausi
Sehen Sie, es wirkt schon.
KEINER wagt es, sich hier zu äussern!
Weiter so, nachher ist es wieder keiner gewwesen. Und alle schweigen fein still.
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[…] Betrachtet man die Stimmen zum Urteil im Netz, so verurteilen zwar fast einhellig alle von ihnen Pädophilie auf das schärfste, halten das australische Urteil jedoch für überzogen. So schreibt etwa ein Kommentator auf dem beliebten amerikanischen Online-Portal “The Escapist“: “Sie machen ein Verbrechen aus dem Konzept, dass im Geist eines Individuums wie diesem pornographische Bilder von Cartoon-Kindern den Schluss nahelegen, dass er auch daran interessiert ist, Bilder von echten Kindern anzusehen. Scheint ein wenig seltsam, wenn Sie mich fragen.” Ein anderer äußert auf anorak.co.uk gar die Vermutung, die Australische Regierung wolle mit dem Urteil “den christlichen rechten Flügel der Partei beschwichtigen, um Unterstützung für seine strengen neuen Internet-Zensur-Gesetze zu erhalten”. Und ein Dritter meint auf der “Melbourne Herald Sun“: “Soll ich jetzt alle alle meine Bücher verbrennen, die Gemälde von Rubens oder Michelangelo enthalten? Sollten wir die Sixtinische Kapelle niederbrennen, um der Strafverfolgung zu entgehen? Wenn Sie der Idee dieses Urteil folgen, könnten fast alle diese Gemälde heute als illegal erachtet werden. Und was ist mit Romeo und Julia von William Shakespere oder der Literatur von anderen europäischen Dichtern?” Erst am Sonntag war eine britische Wikipedia-Seite wegen eines 32 Jahre alten Scorpions-Plattencovers gesperrt worden, auf dem ein 12-jähriges nacktes Mädchen abgebildet ist. […]
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