Die Chemie des Glücks. Eine vorweihnachtliche Besinnung.

Glück ist ein gehobener Zustand der Seele Die deprimierenden kurzen dunklen Tage des Winters einerseits und die erwartungsvollen Gefühle in der Vorweihnachtszeit andererseits führen uns immer wieder zur Besinnung auf das Glück als des offenbar höchsten erstrebenswerten Gutes auf dieser Erde. Gemeint sind damit nicht besondere mehr zufällige positive Ereignisse

glueck.jpgGlück ist ein gehobener Zustand der Seele

Die deprimierenden kurzen dunklen Tage des Winters einerseits und die erwartungsvollen Gefühle in der Vorweihnachtszeit andererseits führen uns immer wieder zur Besinnung auf das Glück als des offenbar höchsten erstrebenswerten Gutes auf dieser Erde.

Gemeint sind damit nicht besondere mehr zufällige positive Ereignisse wie ein großer Gewinn im Lotto oder die Vermeidung von schweren Nachteilen, etwa die Rettung von Leib und Leben oder wertvoller Güter aus der Gefahr. Gemeint ist vielmehr ein besonderer Zustand unseres Selbst, ein mit Hochgefühl verbundenes inneres Erleben von großer Erfüllung und Zufriedenheit. Der Unterschied zwischen diesen beiden Formen des Glücks bedarf in der deutschen Sprache besonderer Erläuterung. Im Englischen versteht jeder auf Anhieb, dass “luck” etwa das spontane kurze Glück eines Spielers ist während “being happy” der nachhaltige hochzufriedene Zustand der “Seele” des Menschen ist.

Regeln zum Glücklichsein ?

Früher waren es die Philosophen, heute sind es die Glücksforscher aus vielen Sparten der Wissenschaften, die dieses Glück der Menschen zu begreifen suchen und uns die Tipps geben, was wir tun können, um glücklich zu sein.

Siehe hierzu zum Beispiel: http://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BCck und http://www.psychotipps.com/Glueck.html

In der Essenz laufen alle Ratschläge darauf hinaus, dass wir lernen sollen, glückhafte Momente zu erkennen und uns daran zu erfreuen. Das bedeutet die Herausbildung einer lebensbejahenden Einstellung und die freudvolle Beschäftigung mit der eigenen Existenz und der Welt. Materielle Güter sind es jedenfalls nicht, die uns glücklich machen. Soviel ist sicher. Denn reiche Menschen sind sehr oft unglücklich und selbst bettelarme Menschen finden überall Grund zur Freude in ihrem Leben. Es sind auch nicht die positiven Erfahrungen im Leben, die Erfolge und die Errungenschaften, die glücklich machen. So viele Menschen leisten Großartiges, können sich aber nicht wirklich daran erfreuen. Es scheint in der Tat etwas daran zu aein, dass “jeder Mensch seines Glückes Schmied ist.” Vieles von dem, was uns die Psychologie und die Psychotherapie glauben machen wollen, erscheint in diesem Lichte zweifelhaft.

Nicht glückliche Momente schaffen Glück, glückliche Menschen erleben Glück

Wenn es also die richtige Einstellung allein ist, auf die es zum Glücklichsein ankommt, ist es falsch, fehlendes Glücksempfinden wie allgemein üblich mit unglücklichen Ereignissen zu verklären. Ein Mann erklärt, dass er unglücklich ist, weil ihm seine Frau weggelaufen ist. Ein anderer ist todunglücklich über den Verlust seines Arbeitsplatzes. Andere in derselben Situation leiden aber gar nicht. Der eine begreift, dass seine Ehe in Wahrheit gar nichts getaugt hat und er besser dran ist, wenn sein untreues zänkischen Weib sich woanders austobt. Der andere realisiert, dass er von Glück reden kann, dass er die alte Arbeitsstelle mit dem widerwärtigen und saudummen Chef und seinen speichelleckenden Kollegen nicht mehr aufsuchen muss.

Die Gnade des Glücks

Wie aber kann der Mensch die richtige Einstellung erlangen, um ein glückhaftes Leben führen zu können? Genügt es vielleicht, sich bereit zu halten, sich dem Glück einfach zu öffnen? Das käme dem Ansinnen der christlichen Religionen gleich, die von der Gnade des Glaubens reden, die dem Suchenden zuteil wird, der sich dem Glauben öffnet. Danach bedarf es der göttlichen Gnade, glauben zu können.

Siehe hierzu zum Beispiel: http://www.dmh-chrischona.org/fileadmin/user_upload/Aktuelles/pdf/Juli_2008.pdf

In der christlichen Religion kommt zur – unverdienten – Gnade des Glaubens noch die Gnade der Erlösung durch den zu Weihnachten geborenen Sohn Gottes, der die Sünden der Menschen, die das alles glauben, auf sich nimmt. So heißt es im Brief des Paulus an die Epheser: “Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittelst des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, auf dass niemand sich rühme” (Epheser 2,8.9).

Die christliche Religion bietet damit wenigstens für die Zeit nach unserem Durchlauf durch das Jammertal unserer irdischen Existenz einen Ausblick auf eine wahrlich glückhafte Existenz im Jenseits. Diese gloriose Aussicht hat nach Bekunden vieler Gläubiger indes eine deutliche Auswirkung auf ihren lebzeitigen Glücksstatus. An Stelle anderer glückhafter Momente ist die Erwartung des paradiesischen Lebens nach dem Tode so ausfüllend, dass sie sich schon jetzt in der Gnade des Glaubens glücklich fühlen. Wer das nicht glauben will, dem kann natürlich nicht geholfen werden. Nicht nur, dass er wohl nach dem Tode ewiger Verdammnis anheimfällt. Er muss auch selbst sehen, dass er ohne göttliche Hilfe hier auf Erden seinen Spaß findet.

Die Chemie des Glücks

Weil sie vom Baum der Erkenntnis genascht hatten und deswegen aus dem Paradies vertrieben wurden, haben Adam und Eva und ihre Nachkommen viel dazu gelernt, sogar über die naturgesetzlichen Regeln, von denen alles Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst wird. Neue Ergebnisse der Neurowissenschaften haben in den letzten Jahren dabei sogar das Wissen um die biologischen Grundlagen für das Erleben eines glücklichen Lebens zutage gefördert und damit das in Jahrtausenden gewachsene Menschenbild zu Fall gebracht. Glück erleben wir nämlich nur, wenn unsere Glückshormone ausgeschüttet werden! Ohne Serotonin, Dopamin und die Endorphine bleibt unser Leben trist. Schlimmer noch: angesichts mangelnder Verfügung über sie entwickeln wir die ganze Palette der psychischen Störungen von der Depression über die Migräne bis zum Suizid. Ganze Bereiche der Psychologie und der Psychotherapie müssen daher in Sicht des neuen Wissens aus der Endokrinologie neu geschrieben werden.

Neurohormone sind nur mentale Werkzeuge

Noch haben viele Menschen, auch Experten wie der Glücksforscher Stefan Klein, einen gewissen  Horror vor dem Gedanken, dass chemische Substanzen in unseren Gehirnen erst die Voraussetzung dafür schaffen, dass wir Glück empfinden können.

Siehe hierzu: http://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BCck#cite_ref-0

Aber es gibt gar keinen Grund, sich vor der Realität der biochemischen Grundlagen unserer Existenz zu fürchten. Die Hormonlehre hat wissenschaftlich unumstößlich festgestellt, dass wir keine volle Wachheit erleben, wenn wir zerebral mit dem Wachkontrollhormon Serotonin unterversorgt sind, nicht in den Schlaf hinabsinken ohne die Präsenz des Schlafhormons Melatonin, uns ohne die ausreichende Verfügung über das Gedächtnishormon Acetylcholin einfach nichts merken können – und eben auch ohne den Einsatz des Glückshormons Dopamin nicht fähig sind Glücksgefühle zu erleben. Durch diese Abhängigkeit unserer mentalen Funktionen von der Wirkung dieser zerebralen Hormone und Botenstoffe sind wir aber in geistiger Hinsicht in keiner Weise determiniert. Denn kein Hormon ist in der Lage, einen Begriff oder eine Idee zu formulieren. Die Hormone sind nichts als Werkzeuge, die wir für unsere mentale Arbeit nutzen. Wie ein Klempner, der ohne seine Rohrzange keinen Wasseranschluss hinkriegt, brauchen wir unsere vielen Hormone und ihr reibungsloses Zusammenspiel, um geistige und mentale Inhalte aufzubauen und mit ihnen operieren zu können.

Glück kann man essen

Die Konsequenz aus diesen Erkenntnissen ist, dass wir neben und vielleicht auch vor der Herausbildung einer dem Erleben des Glücks offenen Lebenseinstellung dafür sorgen müssen, dass wir im Gehirn, wo sich all das abspielt, über die richtige Menge und die richtige Konstellation der Neurohormone und Botenstoffe verfügen. Dabei kommt uns zupass, dass sich bei fast allen Hormonen unter körpereigener Kontrolle selbsttätig alle Bausteine für ihre Synthese in der Nährlösung des Gehirns einstellen, wenn wir die benötigten Ausgangsstoffe nur mit unserer Nahrung richtig zu uns genommen haben. Für den einen großen Ausnahmefall der häufig unzureichenden Bildung des allerdings wichtigsten aller Steuerstoffe im menschlichen Gehirn, des Kontrollhormons Serotonin, habe ich indessen die Voraussetzungen für seine erleichterte körpereigene Bildung durch den Verzehr fein vermahlerer roher Pflanzenkost auf den leeren Magen entdeckt.

Siehe hierzu: http://www.readers-edition.de/2008/04/17/native-nahrung-fuer-bessere-versorgung-und-gegen-den-hunger-in-der-welt

Frohe Weihnacht!

Photo Quelle/Copyright: Tina Kayser, via pixelio.de

Kommentare

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  1. Vielen Dank für den Artikel, Herr Ehlers!

    Zwei Anmerkungen dazu.

    I.
    Die versuchte „Abgrenzung“ zum christlichen Verständnis von Glück aus Glauben und Glaube aus Gnade bleibt leider sehr oberflächlich (Das Nachrichtenblatt des Diakonissenmutterhaues St. Chrischona in Ehren – die Gnadentheologie geht aber doch etwas tiefer, selbst in der katholischen Theologie, etwa bei K. Rahner.). Das christliche Verständnis von Glück wirkt in dieser Verkürzung, in der es „unverdient erworben“ und irrational verstärkt wird, in Summe wie ein Selbstbetrug – vielleicht soll es ja auch so wirken. Nur wäre das eben eine sehr einseitige Darstellung, mit der alten Vertröstungsthese im Rücken.

    Der Sache entscheidend näher kommen Sie da schon mit der Unterscheidung von christlicher „Freude“ und weltlichem „Spaß“, die sich dann andeutet. Ohne „göttliche Hilfe“ gibt es in den Augen des Christen auf Erden in der Tat nur „Spaß“ – und eben keine Freude (dazu fundamental Augustinus, dann aber auch H. Bergson). Grundsätzlich muss man aber sagen, dass es um das „Glück des Christen“ im Christentum an allerletzter Stelle geht. Zunächst geht es um Wahrheit, um Gotteserkenntnis bzw. –erfahrung und Christusnachfolge aus Liebe. Dass man dabei glücklich wird bzw. werden kann, ist höchstens ein „Abfallprodukt“, aber nicht der Zweck.

    II.
    Bei allem Respekt vor der Neurowissenschaft: Sie scheinen deren Ergebnisse etwas zu überschätzen. Selbst die Neurobiologen sind, was das „neue Menschenbild“ angeht, etwas zurückhaltender. Wer sich mit Anthropologie auseinandersetzt, wird feststellen, dass die Neurobiologie bloß uralte Annahme bestätigt und schwammige Begriffe wie „Natur des Menschen“ substantiiert. Doch die Frage ist: Ist die Hirntätigkeit final, kausal, korrelativ oder überhaupt nicht mit dem verbunden, was der Mensch empfindet.

    Der Stand in der Bewusstseinsphilosophie legt eine Position zwischen „kausal“ (Singer et al.) und „korrelativ“ (Beckermann et al.) nahe, wonach im Gehirn etwas Signifikantes passiert, wenn (vielleicht auch weil) wir etwas denken oder fühlen. Ob allerdings die gemessene Sauerstoffanreicherung in bestimmten Hirnregionen (mehr steckt da ja nicht dahinter) Ursache oder Folge bestimmter Gedanken und Gefühle ist, ist ungeklärt. Vieles spricht dafür, dass es sich um Folgeerscheinungen handelt. Das ist ja auch plausibel, denn wenn die Ausschüttung von Dopamin usw. die Ursache des Glücks wäre, könnte man die Menschen doch durch Gabe von entsprechenden Hormonen dauerhaft „beglücken“ und alles wäre gut. Dass auch bei Depressionen nur eine Kombination von medikamentöser Behandlung und persönlicher Zuwendung im Gespräch erfolgreich ist, zeigt, dass der Hormonhaushalt eine wichtige Rolle spielt, aber eben nicht die alles entscheidende.

    Ihr
    Josef Bordat