Es hätte noch so schön werden können: Spanisch, Italienisch, Französisch, Polnisch. Das deutsche Studentenportal, das stets hinter dem großen Vorbild Facebook hinterher zu hinken scheint, hatte eine internationale Note bekommen. Doch dann kam die Twittermeldung von Andreas v. d. Castel am Morgen des 15. Dezembers: “studiZV legt Ende Januar 2009 internationale Seiten still. Die internationalen Benutzer werden dazu aufgefordert sich auf meinVZ zu registrieren.”
Auf estudiLN, studentIX, studiLN und studiQG soll am 20. Januar also Schluss sein. Per Email hätten die Nutzer davon erfahren, dass sie sich künftig wohl um besseres Englisch bemühen und sich unter der deutsch- und englischsprachigen Dachmarke meinVZ vereinen sollten. “Wir bitten dich, der Einladung zu folgen und dich auf http://www.meinVZ.net zu registrieren. Dies ist der Ort, wo die brandneue englische Version gestartet wird. So schön unsere einzelnen Sprachen auch sind – unsere gemeinsame Sprache ist Englisch”, wird da lapidar begründet. Ein Sprecher des Unternehmens fügt hinzu: “Wir konzentrieren uns auf den deutschsprachigen Markt und wollen hier die Position des Marktführers weiter ausbauen.”
Der internationale Karren wurde an die Wand gesetzt
Was unter normalen Umständen ganz vernünftig klingen mag, erhält hier einen faden Beigeschmack, den auch die Blogosphäre mittlerweile aufgegriffen hat. Auf zweipunktnull.org/blog ist etwa folgendes Kommentar zur Sache zu lesen: “Was man bei einem Wirtschaftskonzern normalerweise unter Konzentration aufs Kerngeschäft mit Blick auf den Shareholder Value verbuchen würde, darf man (…) dem Holtzbrinck-Konzern ruhig als Scheitern anrechnen.
(…) Vermutlich will man mit dieser Totgeburt lediglich Schaden begrenzen oder irgendwie heil aus der Geschichte rauskommen, denn den internationalen Karren hat man nun mal schön an die Wand gesetzt.”
Schon Anfang 2008 war ein Brodeln zu vernehmen. Dazu erklärte der damalige CEO Marcus Riecke: “Wir konzentrieren uns jetzt voll auf den deutschsprachigen Raum. Hier haben wir die Marktführerschaft und wollen diese Position auszubauen. Das internationale Geschäft spielt im Augenblick eine Nebenrolle für uns.” Vor knapp einem Jahr hieß es noch: Beibehalten, ja – Weiterentwicklung, nein. Heute zieht der Konzern den Schlussstrich.
Steht Facebook wieder auf der Agenda?
Wird es nun doch etwas mit einem Facebook-Deal?, könnte sich angesichts der neuen Situation gefragt werden. “Facebook will wachsen, Holtzbrinck will möglichst schnell eine Plattform, die sich rechnet – also wüßte ich nicht, was sich da eher anböte als eben besagte Übernahme”, heißt es dazu bei zweipunktnull weiter. Dem pflichtet Kommentator Jan entschieden bei. Sein Urteil zur Angelegenheit fällt jedoch um einiges schärfer aus: “wie holzbrinck den laden runterwirtschaftet ist schon fast kriminell. das deutsche internet verpasst durch die immernoch geschlossenen plattformpolitik von studivz derzeit eine komplette era der apps und api basierten dienste. genau diese services blühen auf der anderen seite des großen teichs sowie überall anders und machen auch verdammt nochmal extrem sinn.”
Auch deutsche-startups.de steht dem Ansinnen kritisch gegenüber: Es bleibt in ihren Augen fraglich, “(…) ob sich der Wechsel für Studis aus Spanien, Italien, Frankreich und Polen wirklich lohnt. Die breite Masse ausländischer Studenten wird studiVZ mit dieser Strategie nicht erreichen. Diese Lücke werden sicherlich andere Netzwerke schließen”, sind sie sich sicher. Kommentator Tino versteht die ganze Aufregung hingegen wenig. Er fragt: “wozu braucht man denn bitteschön ‘Auslandstöchter’ für eine Webseite?” Das könne man doch einfacher, kostengünstiger und von der Userexperience besser gleich über eine mehrsprachige Seite – gern noch mit ein paar Hostname-Aliasen – realisieren.
Bereits in den letzten Wochen war öffentlich viel darüber debattiert worden, dass Holtzbrink sich mit seiner pionierhaften Online-Großinvestition StudiVZ übernommen haben könnte (Kaufpreis damals 85 Mio Euro). Erst hatte das Magazin “Der Spiegel” über die wirtschaftlich schwierige Sachlage des Holzbrinck-Vorhabens studiVZ berichtet, dann wurden immer stärker Gerüchte über einen möglichen Verkauf von studiVZ an den amerikanischen Konkurrenten Facebook laut, die mit einer Meldung der “Wirtschaftswoche” noch weiter angeheizt worden war, die verlautete: “Ein Zusammengehen von StudiVZ mit dem amerikanischen Portal Facebook, das einen eigenen Ableger in Deutschland betreibt, könnte nach Verlagsangaben sinnvoll sein”. Erst hiernach folgte ein Dementi des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden von Holtzbrinck, Dr. Jochen Gutbrod. Der Fakt, dass Holtzbrinck jetzt den Sparhebel ansetzt, deutet darauf hin, dass der Blick nach Amerika nun doch wieder auf der Agenda stehen könnte.
“Adiós, Au revoir, Arrivederci und Do Zobaczenia”, sagt derweil Florian Treiß auf turi-2.blog.de. Dies gilt sicherlich auch dem StudiVZ-Mitgründer Dennis Bemmann sowie seinem Kollegen Michael Brehm. Beide verlassen zum Jahresende das Unternehmen.
Text: Nicole Oppelt/Felix Kubach
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