Schule als Glückskiller Nr. 1

Mangelnde Zufriedenheit mit der Schule 23% Ich war glücklich 0% Ich war einigermaßen glücklich 27% Neutral – es ging so 28% Ich war eher unglücklich 22% Ich war unglücklich 2097 abgegebene Stimmen Als wissenschaftliche Studie hat die ZDF-Medienforschung unter der Leitung des Salzburger “Glücksforschers” eine Meinungsumfrage bei 1239 Kinder aus

Schule1.jpgMangelnde Zufriedenheit mit der Schule

23%
Ich war glücklich

0%
Ich war einigermaßen glücklich

27%
Neutral – es ging so

28%
Ich war eher unglücklich

22%
Ich war unglücklich

2097 abgegebene Stimmen

Als wissenschaftliche Studie hat die ZDF-Medienforschung unter der Leitung des Salzburger “Glücksforschers” eine Meinungsumfrage bei 1239 Kinder aus allen sozialen Schichten der Alterklassen 4 bis 12  präsentiert, die zum niederschmetternden Ergebnis kommt, dass die Schule der “Glückskiller Nummer Eins” der Schüler sei. Wer sich das antun will, kann die Details der Umfrage und die vielen kritischen Leserreaktionen darauf nachlesen.

Dass unser überkommenes Schulsystem zwangsläufig Schüler zuhauf in ihrer Schulzeit unglücklich sein lässt und sie für den Rest ihres Lebens schwer beeinträchtigt, ist doch allgemein bekannt. Das Ausmaß der Zustimmung zu dieser Feststellung hängt von der Fragestellung der Demoskopen ab. Bekannt ist aber auch, dass dieses Schulsystem viele Lehrer entmutigt aufgeben lässt. Viel zu viele lassen sich mit psychischen Störungen vorzeitig verrenten. Aber wie sollen sie auch einen sinnvollen Unterricht abhalten, wenn sie in ihren viel zu großen Klassen voller renitenter Kinder nicht einmal Ruhe herstellen können!

Besser als solche scheinwissenschaftlichen Studien ist es, einmal sorgfältig die Eckpunkte des überkommenen Schulsystems auf ihren Sinn zu prüfen. Mit sorgfältiger Analyse und Einsatz des gesunden Menschenverstandes lassen sich weit eher Lösungen zu einer Beendigung der Misere finden.

Folgende Punkte fallen mir schon nach einigem ersten Nahdenken ein:

Schule ist richtigerweise Pflicht.

Ohne Schule würden wir in der Mehrzahl keine ausreichende Information über die Welt mitbekommen. Viele hätten lebenslang Defizite bei der richtigen Orientierung im Leben. Denn Eltern haben nur selten das in allen Fachbereichen für die nötige Wissensvermittlung ausreichende Wissen, die Fähigkeit zur Vermittlung des Wissensoder auch nur den Willen dazu. Kein Zweifel, Schule muss sein.

Schule ist in der Praxis aber viel zu oft der der Inbegriff großen persönlichen Unglücks.

Die Schule hat keine Mittel, die Fähigkeiten der Kinder richtig zu erfassen. Sie hat keine Zeit für eine individuelle Befassung mit den Schülern. Zu oft werden alle Schüler in Klassen und Kursen über einen Kamm geschoren. Wo die Anpassung an diese Anforderungen nicht gelingt, werden die Kinder notenmäßig abgewertet und ausgesondert. Die Kinder reagieren mit Ungehorsam. Auf diese Weise entsteht eine unselige Gegnerschaft zwischen Schülern und Lehrern. Die Lehrer sind dabei so unglücklich wie die Schüler. Dabei tragen beide nicht die Schuld an dieser Misere.

Die Politik muss Schule neu definieren.

Wenn die Schulverwaltungen – die Politiker – Schule nicht neu definieren, wird sich nichts ändern. Parallel muss die Ausbildung der Pädagogen der neuen Form der Schule angepasst werden. Die wichtigste Änderung des Schulsystems ist es, die indivduelle Förderung der Talente und Fähigkeiten jedes einzelnen Schülers in den Mittelpunkt aller Arbeit in der Schule zu stellen.

Kein gemeinsamer Unterricht mit willigen und unwilligen Schülern.

Ohne die Bereitschaft der Schüler, sich individuell ansprechen zu lassen, geht es allerdings nicht. Ist diese nicht erreichbar, ist jede Unterrichtung zum Scheitern verurteilt. Daher muss das Schulsystem Wege finden, die gemeinsame Unterrichtung von aufnahmebereiten Schülern und solchen, die vielleicht gestört sind, jedenfalls nur stören, zu beenden. Der seit eh und je täglich stattfindene Versuch, mit “pädagogischen Mitteln” die Schuldisziplin aufrecht zu erhalten, damit wenigstens überhaupt was vom Lehrstoff rüber kommt, ist ein ewiger Krampf. Das heißt nicht, dass die renitenten Schüler nicht “beschult” werden sollen. Sie sind die aufmerksamen Schüler von morgen! Das kann nur gelingen, wenn die Lehrer die individuellen Probleme der “schwierigen” Schüler ermitteln und mit ihnen und ggf. auch ihren Eltern Lösungen finden.

Umsetzung des neuen Wissens über das Lernen

Wenn die Schule weiter macht wie bisher und nicht das gesicherte Wissen aus den Neurowissenschaften über die Voraussetzungen erfolgreichen Lernens umsetzt, bringt sie immer weiter Unglück über Schüler und Lehrer. Es sei hier nur daran erinnert, dass unser Gehirn nur in einer entspannten Lernsituation Informationen erst einmal im Zwischenhirn abspeichert, um sie dann in Ruhephasen ins Großhirn zu verlagern, wo sie dem Denkapparat voll verfügbar sind. Informationen, die unter Druck und mit Zwang eingebläut werden, wandern auch hinter die Stirn, werden aber in dem späterem Zugriff kaum zugänglichen Bereich der Amygdala abgespeichert. Dass Lehrer und Schüler nicht in der Lage sind, ordentlich zu lehren und erfolgreich zu lernen, wenn ihre Neurohormone nicht im Lot sind, ist ein anderes Thema, das besonderer Beachtung bedarf. Wenn die Schule sich da nicht kümmert, wird wie in einigen Ländern wie, z.B., in Neuseeland die Pharmaindustrie den Schulalltag bestimmen, indem sie allen lästigen Schülern hoch gefährliche Psychopharmaka wie Methylphenidat (Ritalin) verpasst.

Aufgabe des Primats des Lehrstoffs.

Ob Noten für das erfolgreiche Erlernen des Lehrstoffs vergeben werden, ist nicht von großer Bedeutung. Die Noten dürfen jedenfalls nicht den bestimmenden Einfluss für das Maß des Fortschritts der Schüler haben. Ziel ist es, es allen Schülern zu ermöglichen, ohne Druck in freundlicher Atmosphäre ihr Wissen zu erweitern und ihr Können zu vermehren. Das setzt eine beständige Aufmerksamkeit auf seiten des Lehrpersonals voraus. Diese Aufgabe des Primats des Lehrstoffs bei der Einstufung der Schüler bedeutet nicht, dass das Angebot zur Wissensvermittlung an den Schulen ärmer werden sollte. Es ist vielmehr dringend geboten, die alten Lehrpläne ständig zu überarbeiten, damit die Schule mit dem schnell wachsenden Stand der Wissenschaften besser Schritt halten kann. Aber es ist ja auch heute schon so, dass nicht jeder Schüler in allen Fächern eine Qualifikation erhalten kann, die ihm den Einstieg in ein Studium ermöglichen. Die für alle wichtigen Grundkenntnisse und –fähigkeiten müssen auch von Zeit zu Zeit überdacht werden, damit die Schule keine lebensunfähigen Theoretiker entlässt.

Abschaffung der Schulabschlüsse

Voraussichtlich müssen in der neuen Schule die Schulabschlüsse und ihre Bedeutung entfallen – Hauptschulabschluss, mittlere Reife, Fachabitut, Abitur. Jeder geht bis zum Erreichen der Volljährigkeit zur Schule und wird dann “ins Leben” entlassen. Das bedeutet alles andere, als dass er dann ausgelernt hätte. Bis dahin hat er von der Schule so viel wie möglich gelernt, um ohne den Zwang der Schule Wissen aufzunehmen und zu verarbeiten und um seine Fähigkeiten weiter zu entwickeln.

N.B.: Zum meist so ineffektiven Lernen an den Hochschulen sollte sich die Ermittlung der Schwachstellen ebenso lohnen!

Photo Quelle/Copyright: Ingrid Ruthe, via pixelio.de

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  1. Als Ergänzung zu meinem Beitrag teile ich einmal mit, was mir ein kluger Freund über einen Vortrag des Experten Professor Dr. Peter Struck, einem Hamburger Erziehungswissenschaftler (und Buchautor), über das Lernsystem vortrug:

    “Einige seiner durchaus provokativen Zitate, entnommen aus dem Zeitungsartikel zu diesem Abend:

    “Die meisten Nobelpreisträger hatte Deutschland, als es achtklassige Landschulen gab.”

    “Im Leben kommt es nicht auf Wissen an, sondern auf Können.”

    “Unsere Schulen sind Unterrichtsanstalten mit einem vorne stehenden Belehrer.”

    “Ein durchschnittlicher Reiz muss sechsmal erlebt werden, um gelernt zu werden. Wenn man will, dass etwas gelernt wird, muss man es also sechsmal wiederholen.”

    “Kein Lebewesen auf der Erde lernt so langsam wie der Mensch.”

    “In den Grundschulen geht das Lernen zu langsam – in der gymnasialen Oberstufe zu schnell.”

    “Von den 42.000 Schulen in Deutschland sind etwa 5.000 schon in der Zukunft angekommen. Die Hälfte davon sind Privatschulen.”

    “Die wichtigsten Lehrer für Kinder sind andere Kinder.”

    “In 45 Schulminuten spricht ein deutscher Schüler eine Minute, ein finnischer acht.”

    “Statt 16 Einzelfächern genügen sechs Lernbereiche: Muttersprache, Mathematik, Natur, Gesellschaft, Fremdsprachen und Künste.”

    (… und diese könnten am effektivsten durch Rollenspiele, Gesang, Chorsprechen, Erklärungen unter den Schülern, Teamarbeit und einer neuen Rhythmisierung des Unterrichts vermittelt werden.)

    “Antiquarisch” seien die 45-Minuten-Rhythmen der Schulstunden: “Wir müssen weg von diesen starren Einheiten. Die Hirnforschung hat erwiesen, dass Fremdsprachen in Zehn-Minuten-Paketen am besten erlernt werden, wohingegen Naturwissenschaften schon einmal ein Drei-Stunden-Paket brauchen. Insgesamt muss das Lernen szenischer werden und alle Sinne ansprechen.”

    usw.”

    Warum nur schläft die Schulverwaltung?