Dialog ist keine Alternative

Manch ein Zeitgenosse fordert mehr Dialog im Nahen Osten. Dabei wird vergessen, dass es ganz entscheidend ist, wer den Dialog führt und über was. Im aktuellen Konflikt zwischen der Hamas und Israel geht es nicht um einen Streit zwischen benachbarten Staaten. Im Wesentlichen geht es darum, dass die Hamas, als

Manch ein Zeitgenosse fordert mehr Dialog im Nahen Osten. Dabei wird vergessen, dass es ganz entscheidend ist, wer den Dialog führt und über was.

Im aktuellen Konflikt zwischen der Hamas und Israel geht es nicht um einen Streit zwischen benachbarten Staaten. Im Wesentlichen geht es darum, dass die Hamas, als Teil der Muslimbruderschaft versucht Israel zu provozieren und damit in der arabischen Welt Aufstände gegen die dort herrschenden Regierungen anzuzetteln. Zudem will die Hamas ihre Stärke beweisen und damit der Hisbollah nicht nachstehen.

Die  von der Hamas gestellten Bedingungen wie die Öffnung der Grenzen sind dabei nicht ehrlich gemeint. Die Hamas hat zu keinem Zeitpunkt ihre Angriffe eingestellt und wird dies auch in Zukunft nicht tun. Israel kann also nichts auf der Verhandlungsebene tun, um den Konflikt zu stoppen.

Eine Quassam-Rakete der Hamas, die auf Israel abgeschossen wird kostet etwa 500 Euro. Die Hamas entscheidet sich bewusst Material für diese hineinzuschmuggeln anstatt Lebensmittel oder andere Güter. Dies ist eine bewusste Entscheidung für den Konfilkt und gegen die eigene Bevölkerung. Das erkennen inzwischen sogar Kinder im Gaza-Streifen.

Krieg ist etwas furchtbares. Es wäre schön, wenn die Menschheit ganz auf Kriege und Armeen verzichten würde. Aber das ist nicht mit einem “Schnipp” getan. Und Vorschläge wie eine Waffenruhe werden den Konflikt auch nicht lösen. Die einzige Alternative, die Israel gehabt hätte, wäre nicht auf die Raketenangriffe zu reagieren – sie einfach zu erdulden. Die Frage ist aber, ob es irgendein Land der Erde gibt, wo das so praktiziert würde? Wir in Deutschland führen sogar Krieg gegen Unschudige in Afghanistan, obwohl Afghanistan uns niemals attackiert hat. Und wir, die wir im Ausland Kriege führen, wollen nun Israel empfehlen nichts zu tun?

Das Palästina-Problem ist alles andere als rein lokal zu betrachten.

Was wäre, wenn Israel ein muslimisches Land wäre? Hamas würde nicht wagen, es zu beschiessen. Letztlich gibt es überall in der arabischen Welt ein ähnliches Unterdrückungsverhältnis wie zwischen Israel und den Palästinensern. Und oft sind es sogar Palästinenser, die im arabischen Ausland ähnlich oder schlechter behandelt werden als im Gaza-Streifen.

Interessant war 2007 zu beobachten, dass die Attacken der libanesischen Armee auf das Flüchtlingslager Nahr al-Baled nicht die öffentliche Beachtung fanden wie zuvor der Angriff israelischer Truppen auf die Hisbollah oder auch die Angriffe jetzt im Gaza-Streifen. Was sagt uns das? Dass es eben der Öffentlichkeit nicht wirklich um die Toten und die Schicksale geht – kritisiert wird eben oft nur dann, wenn Israel oder die USA die Aggressoren sind. Oder gab es damals auch EU-Politiker die vom Libanon einen Waffenstillstand gegenüber dem Flüchtlingslager verlangten?

Und wie weiter?

Keine Lösung scheint ein eigener Palästinenser-Staat zu sein. Wie das Beispiel Gaza zeigt, ändert es ja nichts, wenn Israel Gebiete vollständig den Palästinensern überlässt. Ich denke, dass es dagegen keine Alternative gibt zu einer inneren Annäherung. Im Grunde ist der Konflikt Israel-Palästina eine letzte Nachwehe der Zeit der Kolonialisierung dieser Gebiete. Die Gefechte sind noch nicht ausgefochten. Und der Palästinakonflikt eignet sich leider zu hervorragend dazu politisch instrumentalisiert zu werden. Wer einfach nur fordert, dass die Waffen in Palästina schweigen sollen, der ist naiv – denn dieser Konflikt ist nur ein Symptom.

Im Wesen ist es der gleiche Konflikt wie im Irak oder Afghanistan: Der Westen kämpft um seine Vorherrschaft und Deutungsmacht. Dazwischen sind Israelis und Palästinenser, die von allen Seiten benutzt werden. Beide Parteien hätten sicher längst ihren Frieden gemacht, wenn man sich darauf verständigt hätte den Konflikt nicht dort auszutragen. Für Israel ist es ein Überlebenskampf – und für manche Palästineser geht es einfach ums Prinzip einen jüdischen Staat unter keinen Umständen tolerieren zu wollen. Wo ist da Spielraum für einen Dialog?

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