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Demokratische Republik Kongo: Neue Massentötungen - die Medien berichten kaum darüber

Mittwoch, den 7. Januar 2009 um 13:09 Uhr von Elia Varela Serra

Während die Kämpfe in Nord-Kivu - durch die 250.000 Menschen im Jahr 2008 vertrieben wurden - in letzter Zeit abgeflaut sind, gibt es jetzt Berichte über Massentötungen in einem anderen Teil Kongos. Die Widerstandsarmee des Herrn (Lord’s Resistance Army - LRA), eine ugandische Rebellengruppe, hat sich in der Region Haut-Uélé in der Nähe der Grenze zum Sudan ausgetobt. Die Angriffe kamen als Antwort auf Militäroperationen gegen LRA-Stützpunkte in der Umgebung des Garamba-Nationalparks, die ugandische, südsudanesische und kongolesische Truppen im Dezember begonnen hatten. Wie die Nichtregierungsorganisation Caritas berichtet [en] wurden seit dem 25. Dezember über 400 Menschen im Umkreis der Städte Faradje, Duru, Bangade, Gurba und Doruma getötet:

“Der Direktor der Caritas Dungu-Doruma sagt, dass die ugandischen Rebellen ein Weihnachtskonzert in der Stadt Faradje angegriffen haben, dass von der dortigen katholischen Kirche veranstaltet worden war. Er sagt, die Rebellen kamen am nächsten Morgen zurück um lustig weiter zu morden. Er sagt, dass im Laufe der zwei Tage ungefähr 150 Menschen getötet wurden. Zeitgleich wurde ein weiterer Angriff auf Duru, nördlich von Dungu verübt. Die Caritas berichtet über 75 Tote und darüber, dass die Kirche niedergebrannt worden sei.

Die Caritas berichtet, dass die Tötungen sich entlang der sudanesischen Grenze fortsetzten, was Bangadi, Doruma und Gurba miteinschließt. Die Caritas berichtet über 48 Tote in Bangadi und dass in Gurba 213 Menschen getötet worden seien. Ungefähr 6500 Menschen hätten durch die katholische Kirche einen Unterschlupf in der Gegend erhalten.Die Caritas berichtet auch, dass die LRA Kinder entführt hat um sie als Kindersoldaten zu benutzen.”

Das Team der MSF (Ärzte ohne Grenzen) in Dungu erhielt folgenden Bericht [en] aus der Stadt Faradje:

“Die ersten Informationen über den Angriff in Faraje, einer Stadt von 25.000 Einwohnern in Nordost-Kongo erreichten das MSF-Team am Abend des Weihnachtsfeiertags. […] Am Morgen darauf gab ein Krankenpfleger aus Nadu, einer kleinen Stadt 20 km südlich von Faradje, per Funk die Ankunft von tausenden von Menschen durch, wahrscheinlich ungefähr 15.000. Der Krankenpfleger bestätigte, dass der leitende Arzt in Faradje und ein weiterer Beamter bei dem Angriff getötet wurden. Wie er berichtet, sitzen viele schwerverletzte Opfer im städtischen Krankenhaus fest, das wegen der Plünderungen der LRA-Soldaten ohne adäquate Ausrüstung ist.”

Der Caritas-Blog zeigt drei Bilder von Überlebenden der Morde an Weihnachten in Faradje von Emmanuel Bofoe:

Photo: Emmanuel Bofoe von Caritas International

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Der Naturschutz-Blog des Netzwerks WildlifeDirect berichtet über einen LRA-Angriff [en] auf die Zentrale des Garambe-Nationalparks am 2. Januar:

“Trotz starken Widerstands der Ranger des Parks zusammen mit Einheiten der kolongesischen Streitkräfte erlitten wir zahlreiche Todesfälle und Materialschäden. Ein erster Bericht erwähnt die Tötung von 8 Menschen, darunter zwei Park Ranger und zwei Ehefrauen der Wächter und 13 Verletzte, die meisten davon durch Schusswunden. Eine unbestätigte Anzahl Rebellen wurden auch getötet oder verwundet.

Verschiedene unverzichtbare Gebäude der Zentrale wurden auch zerstört, zusammen mit vielen Teilen der Transport- und Kommunikationsausrüstung und Treibstoffvorräten und Lebensmittelrationen.”

In einem anderem Post beschreibt der Baraza-Blog [en] die Situation in dem Gebiet als “viel schlechter als vorher”: “Eine Person hat das Ergebnis dieser gescheiterten Militäroffensive gegen die LRA beschrieben als ein Äquivalent zum ‘Aufrühren eines Hornissennests’.”

Dahee Nam berichtet [en] auf Impunity Watch Africa, dass am Sonntag, dem 4. Dezember in der Region ein weiterer Angriff gestartet wurde, es aber keine Todesfälle gab, da die Angriffsziele schon vor der Ankunft der Rebellen geflohen waren.

Michael Kleinman vom Humanitarian Relief Blog kommentiert die humanitäre Situation [en] in dem Gebiet:

“Außerdem sind mindestens 30.000 Dorfbewohner aus dem Gebiet geflohen. Nach einem vor kurzem erschienen IRIN-Artikel - Todbringende LRA-Angriffe erzeugen Exodus in Nordost-Kongo - kämpfen die Hilfsorganisation darum die Bedürftigen zu erreichen: ‘Die Militäroperationen und die LRA-Präsenz erschweren die Arbeit der Hilfsorganisationen sehr, und manche Gebiete sind vollständig unzugänglich für ihre Mitarbeiter.’”

Kakaluigi, ein italienischer Missionar, der in Ost-Kongo arbeitet, vergleicht die Medienreaktion auf diese Massaker in Ost-Kongo mit denen im Gasa der letzten Zeit in einem Post unter dem Titel “Skandal!” [fr]:

“In Gasa (Palästina) haben die Israelis gerade 400 Menschen massakriert im Laufe einer Woche, es gab Demonstrationen auf der ganzen Welt und die Medien aller Art machen nichts anderes, als uns mit ihren Bildern von Blut und Toten zu bombardieren.

Im kongolesischen Dungu-Faradje haben gerade in Anwesenheit der MONUC ugandische Rebellen 400 Menschen an einem Tag ermordet, aber Stille herrscht auf der ganzen Welt, kein Bild und nicht einmal ein Trauertag in dem betroffenen Land.”

In einer ähnlichen Stimmung fragt sich [fr] Hugues Serraf, der auf La tribune du vaticinateur auf Rue 89 bloggt:“Wenn ein israelischer Toter mehrere palästinensische Tote wert ist, wie viele kongolesische Leichen braucht man für ein Leichentuch aus Gasa?

[…] Wie kommt es, dass über einen Konflikt, der in zehn Jahren schon vier Millionen Menschen getötet hat und immer noch mehr als tausend Zivilisten jeden Tag tötet als Folge des Lebensmittel- und Gesundheitschaos, immer noch so wenig berichtet wird? Wie konnten die 271 Opfer der LRA (nicht vergessen: eine vorsichtige Schätzung) in den letzten Wochen der Aufmerksamkeit unserer Reporter, ja sogar unserer Demonstranten entgehen?”

Beendet den Krieg in Nord-Kivu, ein Blog eines Mitarbeiters einer internationalen Hilfsorganisation in Ost-Kongo, denkt nach [en] über das “Ignorieren von afrikanischen Kriegen in der westlichen öffentlichen Meinung und den westlichen Medien”: “Ich bin überzeugt, das die donnernde Ruhe der westlichen Medien in Bezug auf den Horror in den afrikanischen Konflikten eine riesige und unvermeidbare ethische Frage nach sich zieht. Wenn fünf Millionen Menschen an einem wohldefinierten Ort sterben, haben wir als menschliche Wesen die Verpflichtung, zu wissen, dass das passiert ist. Es ist eine moralische Verpflichtung. Wir müssen es wissen, genauso wie wir alle wissen, dass Millionen von jüdischen Männern, Frauen und Kindern in Deutschland während des zweiten Weltkriegs vernichtet wurden. Aber wir wissen nicht, dass mehr als fünf Millionen Kongolesen seit 1998 in der Folge des Krieges gestorben sind.Die Bürger eines Informationszeitalters haben das Recht, darüber Bescheid zu wissen, und die Opfer haben das Recht, dass über ihr Leiden berichtet und Bescheid gewusst wird.”

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Global Voices. Die Übersetzung erfolgte durch Martin Ruopp, Teil des “Project Lingua“. Die Veröffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Global Voices.

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