“Also, Apple, ich verstehe euch richtig, ich soll ca. 2-3 Euro pro Album bezahlen, damit ihr von meinen Dateien eine Technologie entfernt, die ich ohnehin nie haben wollte und die mich daran gehindert hat, die mit meinem Geld gekauften Musikdateien dort abzuspielen, wo ich es wollte? Ja? Na, dann habe ich euch ja richtig verstanden. Aber kommt nicht auf die Idee, hinterher zu behaupten, daß ‘der Kunde doch nicht so ein starkes Interesse an DRM-freien Musikdownloads hat, wie zunächst erwartet’”, ist da heute auf spitblog.de zu lesen. Grund des Ärgernisses, das von den Verantwortlichen eigentlich gar nicht so gedacht war, ist der Vorstoß des Computerriesen Apple in Sachen Kopierschutz. So verabschiedet sich der hauseigene Musik-Shop iTunes nun endgültig vom Digitalen Rechtemanagement, kurz DRM.
Wahre Begeisterungsstürme sollte diese gravierende Neuerung, dank deren Hilfe sich der Konzern gegen die wachsende Konkurrenz behaupten möchte, eigentlich auslösen. Denn, so schreibt unter anderem netzwelt.de: “Ab dem 1. April 2009 können Käufer sämtliche zehn Millionen Songs ohne das Digitale Rechtemanagement (DRM) erwerben. Damit steht es den Nutzern frei, die Lieder nach Belieben zu brennen, kopieren oder auf beliebige Abspielgeräte zu bringen.” Bereits jetzt seien acht der zehn Millionen Songs unter dem Namen “iTunes Plus” ohne DRM verfügbar – und das auch noch mit dem Segen der Major Labels EMI, Universal, Sony BMG und Warner. Darüber hinaus wird den Musikfreunden angeboten, ihre bisher erworbenen Tracks oder Alben nachträglich vom Kopierschutz zu befreien. Und genau da liegt anscheinend der Haken: Denn hier fallen 30 Cent pro Titel beziehungsweise 30 Prozent des Albumkaufpreises an. Noch einmal zahlen für ein Produkt, das eigentlich schon erworben wurde? Das will dem obig zitierten Kommentator nicht so recht in den Kopf.
“iTunes Plus, die unterschätzte Revolution”
Was die Einen jetzt schimpfen lässt, regt Andere allerdings zum Blick in die Zukunft an. So titelt etwa Richard Joos, Chefredakteur bei macnotes.de: “iTunes Plus, die unterschätzte Revolution” und folgt damit wohl den Worten von EU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva, die schon vor zwei Jahren forderte: “Finden Sie es in Ordnung, dass eine CD auf allen CD-Playern läuft, ein iTunes- Song aber nur auf einem iPod? Ich nicht. So etwas muss sich ändern”. Nun sind nicht nur ihre Worte erhört worden.
Joos jedenfalls kann die bisher eher verhaltene Resonanz auf Apples “iTunes-Revolution” als die “langweiligste Keynote ever” so gar nicht verstehen. “Dabei liegt die These nahe, dass hier eine ähnliche Unterschätzung stattfindet wie vor Jahren im Fall des ersten iPod”, setzt der Autor noch einen obendrauf. “Erfahrene User wird es weitgehend kalt lassen, dass sie nun barrierefrei Musik transportieren können. Den Gelegenheitsnutzer wird die klare Ansage überzeugen, dass er nun endlich Songs kaufen kann, mit denen er anschließend anstellen kann, was ihm beliebt – von der CD fürs Auto bis zum DVD-Superlongplayer, von der Kompatibilität mit beliebigen Playern ganz zu schweigen”, ist Joos von der künftigen Breitenwirkung dieses Angebots überzeugt und hört schon jetzt die “Totenglocke” für die gute alte CD läuten.
“wieso denn bitte nicht längst?”
Davon mag Dieter Gorny, Vorsitzender des Bundesverbands der Musikindustrie, zwar sicherlich nicht sprechen, doch auch er zeigt sich erfreut über das Ende des Kopierschutzes. “Das war ein überfälliger Schritt hin zu mehr Kundenfreundlichkeit”, betont er in einem Gespräch mit der WAZ. Und diesen Worten schließen sich derzeit immer mehr User an. So fasst etwa der Blogger Teddykrieger die Geschehnisse mit folgenden Worten zusammen: “Es zeigt sich, dass Apple wohl mit dem Geist der Zeit denkt und sich eher auf Inhalte, auf Softwareveränderungen stützen will, statt stetig neue stylischen Hardwarewunder aus der Tasche zu ziehen, die sich die Menschen vielleicht gar nicht mehr so einfach leisten können.” Einzig eine Sache will sich ihm nicht so recht erschließen: “wieso denn bitte nicht längst?”
Nach Apple zieht nun auch Musicload nach. “Die Tochterfirma der Deutschen Telekom kündigte am Mittwoch an, ab dem 1. April mehr als 95 Prozent der Lieder ohne Beschränkungen anzubieten”, berichtet heute diepresse.de. Und der Markt bewegt sich doch…
Photo Quelle/Copyright: Ingo Neumann, via pixelio.de
DRM und TRusted Computing sind schon sehr perverse Konzepte. Gut zusammengefasst. Ich hatte auch die Keynote gesehen und achte mir auch “Aha jetzt verkaufen sie das Abschaffen von etwas das sie eingeführt haben als tolles neues Feature”.