Best of Readers Edition – eine Wochenbilanz

“In Kiribati im Südpazifik haben die Korken schon geknallt. Auf fast 30 Grad brachte es der ferne Nachthimmel, der das Neue Jahr willkommen hieß.” So läuteten wir vor nunmehr zehn Tagen unseren großen Jahresabschluss ein. Beschwingt waren die letzten Stunden vor dem Countdown, der alles neu, alles von vorne beginnen

protis.jpg“In Kiribati im Südpazifik haben die Korken schon geknallt. Auf fast 30 Grad brachte es der ferne Nachthimmel, der das Neue Jahr willkommen hieß.” So läuteten wir vor nunmehr zehn Tagen unseren großen Jahresabschluss ein. Beschwingt waren die letzten Stunden vor dem Countdown, der alles neu, alles von vorne beginnen ließ. Nun sind wir alle wohlbehalten hinübergeschwappt und freuen uns, dass auch im Januar die zuletzt gelobte Vielfalt wieder Einzug auf der Readers Edition gehalten hat. Eine bewegende Woche liegt jetzt hinter uns. Bemühen wir uns also auf ein Neues die spannendsten Geschichten noch einmal ins Gedächtnis zu rufen.

Gedanken über unsere Gesellschaft – von neuen Trends bis Politik

Bereits am vergangenen Montag dürfte Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, nachfolgende Überschrift ins Auge gesprungen sein. Mit “Rechtsextremismus brutal und de luxe“, rüttelt uns Zbigniew Menschinski aus unserer Feiertagslethargie. “Wer das Wort ‘Rechtsextreme’ hört, denkt meistens zuerst an Glatzköpfe und Springerstiefel, an alkoholisierte und johlende Nenazis in Hooligan-Montur, an Überfälle auf Wehrlose, Terror und Einschüchterung (…)”, beginnt unser Autor so denn das, was sich seiner Meinung nach so nicht mehr aufrecht erhalten lässt. Denn das Bild hat sich gedreht. Platte Offensichtlichkeit weicht heutzutage vielmehr “Markenkleidung, hüllt sich in feines Tuch, in Designer-Jeans und Kaschmir”. Auch die Sprache habe sich verändert. Gröhlende Parolen, nein, das wäre zu einfach. “Pseudorationale Argumente”, sind es, die den “ultramodern gestylten Rechtsextremismus” so gefährlich machen. “Auf Samtpfoten und mit Kreide in der Stimme” kommt er heute daher und macht anscheinend auch vor angesehenen Redaktionen nicht Halt.

Weniger versteckt, sondern gänzlich offensichtlich, geht dagegen Heinz Eng einen Tag später vor. “Neue Klimaschutz-Strategien“, so sein Thema dieser Tage, das er bewusst provokant zu verpacken weiß. Innovative, aber vor allem intelligente Lösungen sind nämlich gefragt, wenn es um die Rettung der Erde geht. Immer neue Steuern, Abgaben oder sonstige Gängelungen von Staatsseite können nicht das Amen in der Kirche sein. Was nun folgt, liest sich mehr als schockierend. Elefanten im Zoo, das braucht kein Mensch. Also, abschlachten. Oder aber gleich so: “Raps raus, Robbe rein in den Tank!” Ein ums andere Mal fragt sich der verunsicherte der Rezipient: Ist das wirklich ernst gemeint? Nun, in der exakten Ausführung vielleicht nicht. Doch Eng stellt klar: “Noch sind diese beiden dargestellten Klimaschutzstrategien nichts weiter als eine verärgerte Reaktion auf den in Deutschland derzeit herrschenden hysterischen Klimaschutz-Aktionismus, aber die Botschaft bleibt unmissverständlich: Der Weg von einer Besteuerung der tierischen Methanproduktion über die Rationierung einer Ernährung mit tierischen Produkten, dem folgenden Zwang einer vegetarischen Ernährung bis hin zur Abschaffung ‘unnötiger’ Tiere ist nicht so weit hergeholt.” Eine hitzige Diskussion, wie könnte es auch anders sein, war und ist ihm sicher.

Einblicke in die Philosophie und das Finanzwesen

Engagierte Wortwechsel, ja, darüber konnte sich auch unser geschätzter Autor Jochen Ebmeier in den letzten Monaten freuen. Seit Ende September 2008 nahm er uns mit auf eine spannende Reise über “Die philosophische Wendeltreppe“. Viel haben wir seitdem nicht nur über das menschliche Naturell an und für sich, seine Erziehung, aber auch über große Namen vergangener Epochen gelernt. 15 Folgen lang harrten wir freudig der Dinge, die uns der Essayist, Pädagoge und Philosophierer, als nächstes zum Besten gibt. Am vergangenen Mittwoch hat er nun seine Reihe zu einem glücklichen Abschluss gebracht. Folgende Zeilen werden uns wahrscheinlich noch lange in Erinnerung bleiben: “Man kann nicht philosophieren, ohne zu leben, aber man kann leben, ohne zu philosophieren, und womöglich bequemer. Allerdings ist das Zusammenleben der Menschen darauf angewiesen, dass nicht stets alle das Bequemere wählen. Ein paar Leute, die philosophieren, werden immer gebraucht, und so trifft es sich günstig, dass es immer ein paar Leute gibt, die das Philosophieren brauchen.” Wir sagen: Danke, Jochen Ebmeier!

Ebensolchen können wir hier getrost auch an Dr. Georg Erber aussprechen. Wie kein anderer bringt er uns die Zusammenhänge einer Situation nahe, die uns alle so immens beschäftigt. Die Finanzkrise ist derzeit sein Metier – und das meistert er, im Gegensatz zu den eigentlichen Akteuren – mit Bravour. Und so schreibt er bereits gestern “Von Bürgschaften oder Rettungsschirmen“. Keinen Hehl macht er daraus, was er von den momentanen Bestrebungen der Bundesregierung hält. “Offensichtlich bemüht sich (diese) zur größten Versicherung der deutschen Wirtschaft aufzusteigen”, beginnt er seinen Beitrag, der sich mit den als “heilsbringend” angesehenen Staatsbürgschaften beschäftigt. Doch schnell wird klar: Was hier abläuft, kann nicht des Rätsels letzter Schluss sein. “(…) Das Problem mit der aktuellen Inflation von staatlichen Rettungsschirmen ist (..), dass (eine) wirkungsvolle Kontrolle nicht stattfindet. Dann wirkt aber ein Rettungsschirm wie eine Einladung an die Bürgschaftsnehmer eine Änderung zu einem mehr Risikoaversenverhalten nicht vorzunehmen.” Wie kontraproduktiv solche Rettungsmaßnahmen sind, das habe sich seiner Meinung nach bereits in Großbritannien gezeigt. “Der dortige staatliche Schutzschirm ist bereits zu klein, um alle Interessenten darunter Platz finden zu lassen. Ergo man erhöht einfach die Bürgschaftssumme!” Da darf die nachfolgende Frage ruhig erlaubt sein: “Viel hilft viel, oder doch nicht?”

Ein Alphablogger macht Schluss

Schock! Der Alphablogger schmeißt hin“, so titelte Kollege Felix Kubach am letzten Mittwoch. Robert Basic, Deutschlands erfolgreichster Blogger hatte vor, seinen vielzitierten Blog auf der Auktionsplattform Ebay zu versteigern. Lust auf Neues habe er nun, erklärt der Schreiberling seiner Fangemeinde. “Genialer Coup oder Schnapsidee?”, was vor zwei Tagen noch ungewiss war, hat sich nun bewahrheitet. Fast 23.000 Euro werden derzeit für seine Webseite geboten. Wie vielen anderen, so ist auch decoien das nicht so ganz geheuer, wenn auch aus einem anderen Grund. “Blasenbildung bei Basic Thinking Verkauf“, lautet daher sein Beitrag zum brandheißen Thema. Er ist sich sicher: “Der Hype um den Verkauf (…) hat viele Zutaten, die an die vielbeachteten spekulativen Blasen auf Kapitalmärkten erinnern.” Anhand von Robert Shillers “Irrationaler Überschwang” versucht er uns möglichst analytisch das aufzuzeigen, was seiner Meinung nach gerade passiert. Denn, “Vielleicht lässt sich hier im Kleinen das beobachten, was im vergangenen Jahr zum Kollaps der Finanzmärkte führte.” Wie auch immer die Sache ausgehen mag, decoien scheint jedenfalls hocherfreut über Basics Vorgehen und schreibt am Ende sichtlich euphorisch: “Ich bin (…) begeistert von diesem ‘Experiment’, das Robert uns hier frei Haus liefert.” Also, packen wir’s an.

Ebendieses Motto kann auch für uns auf der Readers Edition gelten. Tag für Tag erreichen uns aufs Neue spannende Geschichten, aber auch Bilder, die sonst wenig Beachtung in den Medien finden. Abschließend sei Ihnen deshalb die aktuelle Bilderserie von Metin Demirkaya ans Herz gelegt. Begleitend zu seinem Artikel “4000 demonstrieren gegen die israelische Militäroperation ‘Gegossener Blei’ in Gaza“, liefert er eindrucksvolle Dokumente von Menschen, die die derzeitige Situation nicht so einfach hinnehmen wollen.

Am Ende unserer kleinen Rückschau wollen wir aber auch unsere Artikel des Monats Dezember nicht vergessen. Zum Jahresende erreichte der Artikel “Hessen nachhaltig: Zukunftsfähige Energie und Klimaschutz” von Michael Meinel eine durchschnittliche Leserbewertung von 5.0 Punkten, die höchste Bewertung unserer Jury mit 5 Punkten und somit den ersten Platz. Den zweiten Rang belegt “Kommt bald das Verbot für Glühbirnen? Ein Kommentar.” von Rudolf Kipp mit 4 Punkten in der Jury- und 5.0 Punkten in der Leserwertung. An den Beitrag “Was ist Rechts, was ist Links?” von Thilo Pfennig vergaben die Jury 3 Punkte und die Leser 5.0 Punkte und er erreicht somit den dritten Platz. Herzlichen Glückwunsch an die drei Sieger-Autoren und vielen Dank and die Jury!

In diesem Sinne. Das Neue Jahr kann kommen. Machen Sie’s gut. Wir lesen uns nächsten Freitag!

Ihre Redaktion Readers Edition

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