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Blasenbildung bei Basic Thinking Verkauf?

Freitag, den 9. Januar 2009 um 12:12 Uhr von decoien
Screenshot via Ebay

Der Hype um den Verkauf des Blogs Basic Thinking (BTB) hat viele Zutaten, die an die vielbeachteten spekulativen Blasen auf Kapitalmärkten erinnern. Es gibt zwar meines Wissens keine allgemein akzeptierte “Blasentheorie”, man kann sich aber behelfen mit Robert Shillers “Irrationaler Überschwang“. Hier kann zwar das Buch nicht abgehandelt werden, aber zwei, drei Punkte kann man sich heraussuchen, die auch beim BTB-Hype zu beobachten sind und weswegen es sich lohnt den Verkaufsprozess und den Hype darum zu verfolgen. Vielleicht lässt sich hier im Kleinen das beobachten, was im vergangenen Jahr zum Kollaps der Finanzmärkte führte.

Informationsmedien als Verstärker

Shiller nennt als eine Zutat für die Blasenbildung die Informationsmedien, die mit ihrer ausgeweiteten Berichterstattung wie ein Blasebalg eine Kursblase weiter nähren. Konkret schreibt er (S.89 f.):

“Die Informationsmedien stehen in ständigem Wettbewerb, sie müssen, um zu überleben, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen. Überleben heißt interessante Neuigkeiten finden und definieren, Nachrichten inszenieren, die sich die Menschen untereinander weitererzählen (um das Publikum zu erweitern), und wo immer möglich über fortlaufende Ereignisse berichteten, um die Leser (Hörer, Zuschauer) bei der Stange zu halten.”

Genau dies ist jetzt beim Verkauf von BTB zu beobachten. Hier hat jedoch statt der klassischen Medien verstärkt die Blogosphäre selbst die Berichterstattung übernommen und pusht das Produkt. Die Zugriffszahlen auf Artikel zum Verkauf sind hoch. Deswegen gibt es dazu zügig Follow-ups, um die Leser zu halten und neue zu gewinnen. Durch die Berichterstattung erhält der Kauf eine hohe Aufmerksamkeit (sogar per Bild), was tendenziell preissteigernd wirkt.

Gut erzählte Geschichten

Shiller macht außerdem psychologische Faktoren für die Blasenbildung aus und bedient sich dabei der Ideen der “Behavioral Finance”, einer vergleichsweise jungen ökonomischen Disziplin, die Anleger nicht als rational handelnde Menschen betrachtet, sondern in ihnen Opfer vielfältiger psychologischer Fallen sieht. Neue Technologien, Selbstüberschätzung, Herdentrieb, die Anfälligkeit der Menschen für gut erzählte, plausible Geschichten wie die der Neuen Ökonomie - das alles führe in Zusammenhang mit strukturellen und kulturellen Faktoren zu einer sich selbst verstärkenden Hausse.

Eine gute Geschichte wird hier auch erzählt. Dabei ist die Verkaufsargumentation von Robert plausibel und nachvollziehbar, und die persönliche Motivation sehr sympathisch. Aber genau darin könnte ein weiterer Blasenfaktor liegen:

Rationalisierung des Überschwangs

Viele werden sich noch an die Internetblase Ende der 90er Jahre des letzten Jahrtausends erinnern. Damals wurden dot.com-Aktien zu aberwitzigen Kursen gehandelt. Noch aberwitziger waren die Begründungen, die damals geliefert wurden. Erinnert sei daran, wie viele “Experten” ihrem Publikum damals weismachen wollten, dass man jetzt auf andere Bewertungsfaktoren schauen sollte, wie den Marktwert pro Kunde.

Die damaligen Erklärungen dienten allein der Rechtfertigung des hohen Preisniveaus, rational erklärt haben sie die 2000 geplatze Hausse genau so wenig, wie diejenigen, die den starken Anstieg der Immobilienpreise in den USA bis vor zwei Jahren plausibel darstellen wollten.

Und nun?

Was macht man nun mit den Aussagen? Nichts! Einfach weiter den Verkaufprozess und die Berichterstattung beobachten und dabei vor allem auf die Diskussion über den Bewertungspreis achten. Anschließend kann man diskutieren, ob es tatsächlich eine Blase war.

Ich bin jedenfalls begeistert von diesem “Experiment”, das Robert uns hier frei Haus liefert.

Links zum Thema:

Basic Thinking Verkauf
Readers Edition: Blog-Auktion schon bei 20.150,00 Euro

Blick Log: Wert Basic Thinking zwischen 30k und 50k Euro

Spekulative Blasen
NZZ: Wenn eine spekulative Blase platzt, ist an sich nichts kaputt: Der Kapitalismus in uns als wesentliche Ursache der Finanzkrise

FAZ: Neue Ökonomie, neue Technologien, neue Sorgen

SZ: Das Ende der Weisheit der Vielen (29.12.08): 

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5 Reaktionen zu “Blasenbildung bei Basic Thinking Verkauf?”

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  1. Thilo Pfennig

    am 9. Januar 2009 um 17:08 Uhr | Link | Kommentar melden

    Aus meiner Sicht will sich da nur einer der Alphatierchen eine goldene Nase an seinem Projekt verdienen. Und es zeigt wie wenig alternativ eigentlich viele dieser “Gegenmedien” sind. Ich fand sein Blog immer totlangweilig - und das Ding jetzt bestätigt mich darin, das er ein Aufschneider ist - der allerdings gut im Marketing ist. Bestimmt landet er irgendwo als Chefredakteur um irgendeine Tageszeitung auf die neuen Zeiten umzugestalten.

  2. Readers Edition » Best of Readers Edition – eine Wochenbilanz

    am 10. Januar 2009 um 03:04 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] “Schock! Der Alphablogger schmeißt hin“, so titelte Kollege Felix Kubach am letzten Mittwoch. Robert Basic, Deutschlands erfolgreichster Blogger hatte vor, seinen vielzitierten Blog auf der Auktionsplattform Ebay zu versteigern. Lust auf Neues habe er nun, erklärt der Schreiberling seiner Fangemeinde. “Genialer Coup oder Schnapsidee?”, was vor zwei Tagen noch ungewiss war, hat sich nun bewahrheitet. Fast 23.000 Euro werden derzeit für seine Webseite geboten. Wie vielen anderen, so ist auch decoien das nicht so ganz geheuer, wenn auch aus einem anderen Grund. “Blasenbildung bei Basic Thinking Verkauf“, lautet daher sein Beitrag zum brandheißen Thema. Er ist sich sicher: “Der Hype um den Verkauf (…) hat viele Zutaten, die an die vielbeachteten spekulativen Blasen auf Kapitalmärkten erinnern.” Anhand von Robert Shillers “Irrationaler Überschwang” versucht er uns möglichst analytisch das aufzuzeigen, was seiner Meinung nach gerade passiert. Denn, “Vielleicht lässt sich hier im Kleinen das beobachten, was im vergangenen Jahr zum Kollaps der Finanzmärkte führte.” Wie auch immer die Sache ausgehen mag, decoien scheint jedenfalls hocherfreut über Basics Vorgehen und schreibt am Ende sichtlich euphorisch: “Ich bin (…) begeistert von diesem ‘Experiment’, das Robert uns hier frei Haus liefert.” Also, packen wir’s an. […]

  3. Oliver

    am 10. Januar 2009 um 16:37 Uhr | Link | Kommentar melden

    Das ist doch eine für Blogs zwar interessesante Aktion, aber im Grunde darf es einen nicht wundern. Ein Markt ist vorhanden, sobald Bieter und Anbieter aufeinander treffen.

    Wie man auf die Idee kommen Deutschlands führender Blog sei kaum etwas Wert, ist mir schleierhaft.

  4. Kolumne: Verleiht Robert Basic endlich einen Grimme-Preis | DimidoBlog

    am 11. Januar 2009 um 11:11 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] In der deutschen Blog-Welt brodelt es. Kein anderes Thema wie der Blog-Verkauf von Robert bestimmt die Beiträge und Meinungen von Bloggern, rund um die deutsche Blog-Welt - das Ausland nicht vergessen! […]

  5. Jan

    am 11. Januar 2009 um 19:22 Uhr | Link | Kommentar melden

    Es kann schon sein, dass Herr Basic mehr erlöst, als das Blog für manchen Wert ist.
    Die Promotion läuft ja acuh auf Hochtouren. Aktuelle werden 24.000 Euro geboten. Inzwischen haben die Auktionsseite 40.000 Besucher aufgerufen.

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