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Bildung 2.0 - Wie der Student von morgen arbeitet und studiert

Samstag, den 10. Januar 2009 um 17:19 Uhr von Lukas Lehmann

Viel wurde in der letzten Zeit über Bildung und Bildungsreform gesprochen. Der Pisatest zeigte dabei, dass auch Deutschland in einer Bildungsmisere steckt. Experten wie Don Tapscott, Autor der Bestseller “Wikinomics” und “Growing Up Digital”, sprechen sich deshalb offen für eine Reform des globalen Bildungswesens aus: “Memorization is a waste of time when Google is only a a few clicks away.”

Tapscott, von vielen als der Kommentator des heutigen Internetzeitalters angesehen, sieht das Ende des Lernens durch Einprägen von Informationen gekommen. Viel wichtiger sei es den Schülern und Studenten beizubringen kreativ zu denken und das Wissen, das uns zur Verfügung steht, besser zu nutzen.
Auswendiglernen ist Zeitverschwendung

In Zeiten von Google, Wikipedia und weiteren Onlinebibliotheken ist Auswendiglernen nicht unbedingt mehr nötig. Der Times sagte Tapscott: “Teachers are no longer the fountain of knowledge; the internet is. (…) Kids should learn about history to understand the world and why things are the way they are. But they don’t need to know all the dates. It is enough that they know about the Battle of Hastings, without having to memorize that it was in 1066. They can look that up and position it in history with a click on Google”, so Tapscott weiter.

Lernmethoden sind wie auch immer für Tapscott keine Sache der Unbildung. Bei Kindern stellte er in Untersuchungen fest, dass diese ihr Wissen mehrere Male immer wieder neu aufbauen. Einprägen von Fakten und Zahlen wäre für diese eine reine Zeitverschwendung. Für die ältere Generation ist Tapscotts These sicher schockierend. Für sie ist das Wissen von Fakten und Jahreszahlen immer noch wichtigster Bestandteil ihres Lebens. Natürlich sollte man das exakte Jahr eines wichtigen Ereignisses kennen. Oder reicht es doch nur aus ein Grundwissen zu haben, um ein besseres Verständnis über einen Sachverhalt zu bekommen und dessen Bedeutung?

Unser vernetztes Gehirn

Für die heutige Studentengeneration ist “Multitasking” Vorraussetzung für ein gutes Studium und ein erfolgreiches Berufsleben. Sie leben ihre digitale Erfahrung aus, sie schreiben im Internet, surfen, hören Musik und aktualisieren ihr Facebook-Profil. Diese Informationsflut und ihre Auswirkung auf unser Gehirn ist heute ein vieldiskutiertes Thema unter Bildungswissenschaftlern. Werden wir verwirrt oder hat sich unser Gehirn an die einströmenden Reize angepasst?

Ein neues Buch, “iBrain: Surviving the Technological Alteration of the Modern Mind”, stellt die These auf, dass unser Ausgesetztsein gegenüber dem Internet Auswirkungen auf unser Gehirn hat und auf dessen neuronale Wege.

“Wiring up our brains like this makes us adept at filtering information, making snap decisions, and fielding the incoming digital debris, but sustained concentration, reading body language, and making offline friends are skills that are fading away.”

Wenn sich unser Gehirn in der Tat immer wieder neu vernetzt, wäre es nicht sinnvoll, dass die Art, wie wir lehren und lernen sollten auch in der Weise verändert wird, dass es uns erlaubt ist, uns Wissen immer wieder neu anzueignen, anstatt es auswendig zu lernen? Leider gibt es nicht allzu viele Menschen, die glauben, dass dies der richtige Weg ist. Die meisten Pädagogen, wie Richard Cairns, Schulleiter des Brighton College, einer der britischen Eliteschulen, sind der Meinung, dass Grundkenntnisse unerlässlich seien. “Es ist wichtig, dass Kinder Fakten lernen. Wenn Sie sich kein Wissen in den Köpfen einprägen, ist es nicht so leicht, in Diskussionen mitzureden oder fundierte Entscheidungen zu treffen”, sagt er.
Universität 2.0

In “Travels in the Heart of the Forest” stellt Kurt Spellmeyer die These auf, dass das Web 2.0 eine neue Herausforderung auch für die Geisteswissenschaften wären:

“If knowledge is ‘produced,’ as we academics like to think, and if it therefore lends itself to production by different people for different ends, then we might ask why the university has failed to produce forms of knowledge affirming the non-specialists’ capacity to act. (233)”

Akademiker würden dieser Grundhaltung allerdings nicht nachgehen. Oft reservieren sie sich das letzte Wort in Fachdiskussionen, um Laien, die die Mehrheit der Gesellschaft bilden, stumm zu schalten. Sie würden nicht nur das Wissensmonopol an sich reißen, sondern würden sich selbst als Klasse von Experten vom Rest der Gesellschaft ausschließen. Das Web 2.0 als öffentliche Gesellschaftsplattform würde für sie eine Gefahr darstellen.

Spellmann möchte dies allerdings nicht hinnehmen und kritisiert dieses Monopoldenken der Lehrer und Akademiker. Anstatt der Öffentlichkeit Wissen und Wissenswerkzeuge vorzuenthalten und sich als eigene Bildungsklasse anbzugrenzen, sollten Lehrer und Akademiker ihren Schülern, Studenten und der Gesellschaft lieber die Werkzeuge und das Rüstzeug geben, damit auch sie die gleichen Möglichkeiten der Wissensbeschaffung haben, wie sie selbst. Das Web 2.0 könne in dieser Problemfrage helfen, indem es als öffentliche Wissensplattform für jeden zugänglich ist und genutzt, sowie als Ressource für Bildung und Weiterbildung betrachtet wird.

Weiterführende Links:

• Weblogs in Higher Education  http://mchron.net
• New Book Examines Your Brain on Technology  http://www.psfk.com/2008/10/new-book-examines-your-brain-on-technology.html
• Linda Stone’s Thoughts on Attention and Specifically, Continuous Partial Attention  http://continuouspartialattention.jot.com/WikiHome
• iBrain: Surviving the Technological Alteration of the Modern Mind  http://www.harpercollins.com/books/9780061340338/iBrain/index.aspx
• Google generation has no need for rote learning http://www.timesonline.co.uk/tol/life_and_style/education/article5270092.ece

Dieser Beitrag erschien zuerst auf andersdenken20.de.

Photo Quelle/Copyright: kafka4prez, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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4 Reaktionen zu “Bildung 2.0 - Wie der Student von morgen arbeitet und studiert”

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  1. tim

    am 10. Januar 2009 um 23:42 Uhr | Link | Kommentar melden

    Auswendiglernen ist Zeitverschwendung - dem kann ich nur zustimmen. Für mich kommt es - leider - zu spät. Habe noch nie viel davon gehalten, sich vor Klausuren Stoff ins Kurzzeitgedächtnis zu pressen.

    …drei Tage nach der Prüfung hat man es wieder vergessen…

  2. Daniel

    am 13. Januar 2009 um 20:21 Uhr | Link | Kommentar melden

    ACK, ich denke auch dass es sinnvoll ist den Schülern und Studenten vorrangig Wege aufzuzeigen wie vorhandenes Wissen genutzt wird. Einige wenige Professoren zu meiner Studienzeit habe damals schon die Meinung vertreten: “Ihr müsst nicht alles wissen, ihr müsst wissen wo es steht!”. Die Kehrseite der Medaille ist dennoch wichtig, Daten von starker historischer Bedeutung sollten von allen Menschen verinnerlicht werden (Kriege, Revolutionen, Völkerrechtliche Ereoignisse usw.). Dazu zählen ebenso naturgeschichtliche Ereignisse.

    btw…just my 2 cents…Daniel

  3. Readers Edition » Best of Readers Edition – eine Wochenbilanz

    am 17. Januar 2009 um 03:11 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] “Viel wurde in der letzten Zeit über Bildung und Bildungsreform gesprochen. Der Pisatest zeigte dabei, dass auch Deutschland in einer Bildungsmisere steckt”, sinniert unser Autor Lukas Lehmann bereits am letzten Samstag. Als Student selbst mitten in dieser Situation titelt er nun “Bildung 2.0 – Wie der Student von morgen arbeitet und studiert“. Bestsellerautor Don Tapscott, der sich nicht erst seit gestern ganz offen für eine “Reform des globalen Bildungswesen” einsetzt, spricht ihm dabei wohl gänzlich aus der Seele. Denn dieser ist sich sicher, dass das Ende des Lernens durch das stupide Einprägen von Informationen gekommen sei. Heute ist eine andere Herangehensweise gefragt: “Viel wichtiger sei es, den Schülern und Studenten beizubringen kreativ zu denken und das Wissen, das uns zur Verfügung steht besser zu nutzen.” Google, Wikipedia und Co. stellen hier wichtige Stützen dar, die nicht nur auf unseren Informationsfluss, sondern gar auf unser Gehirn wirken sollen. Wie Schulen und Universitäten sich dieser Herausforderung stellen, das bleibt weiterhin abzuwarten. […]

  4. Margareth Gorges

    am 17. Januar 2009 um 16:32 Uhr | Link | Kommentar melden

    Warum ich meinen Lehrstuhl räume

    Die Ungeheuerlichkeit der staatlichen Zumutungen an die Studierenden und Professoren wird nur noch übertroffen von der Bereitwilligkeit, mit der sich die Betroffenen alles gefallen lassen. Ohne diese Bereitwilligkeit der Betroffenen wäre die Umwandlung der Universität in eine Tretmühle und Lernfabrik gar nicht möglich. Widerstand? Demonstrationen? Boykott? Der berühmte „Aufschrei“? Nichts oder fast nichts von alledem. Man versichert mir von verschiedener Seite, gegen das Hochschulestablishment und die Bildungsbürokratie seien die Hochschullehrer praktisch machtlos. Leben wir denn in einer Diktatur?
    Nun können Hochschullehrer als Beamte nicht streiken. Und ihre persönliche Unabhängigkeit und Freiheit wird schon seit Jahren immer mehr beschnitten durch Drittmittelabhängigkeit, leistungsorientierte Besoldung und fragwürdige Evaluationen. Aber nicht einmal die immer noch gegebenen Möglichkeiten des Widerstands sind wirklich ausgeschöpft worden. Auf der hochschulpolitischen Ebene hat nur der Deutsche Hochschulverband eine entschieden kritische Haltung eingenommen. Ist die Mehrheit der Professoren feige oder nur müde? Oder sind sie gar alle oder fast alle für das neue System? Finden sie es etwa besser?
    Da niemand mit mir kämpfen will, bleibt mir nur das Opfer. Ich bin nicht „rekrutiert“, sondern berufen worden. Die wichtigste Voraussetzung für meine Berufung aber ist mit dem neuen System in meinen Augen nicht mehr gegeben. Deshalb habe ich die Entlassung aus dem Dienst beantragt.
    Quelle: FAZ

    Hier Lesen :
    http://www.faz.net/s/RubC3FFBF288EDC421F93E22EFA74003C4D/Doc%7EE55AD24DD2C5E472A84CA69FCBA13D3ED%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html

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