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Kultur

Der Holocaust kommt zurück auf die Leinwand

Sonntag, den 11. Januar 2009 um 18:30 Uhr von Lukas Lehmann

Lange Zeit hatte man im Kino gebraucht, um den Holocaust zu thematisieren und den Menschen begreiflich zu machen. Viele wollten auf Deutscher wie auch auf jüdischer Seite zudem das Thema, ihre Erlebnisse und ihre grauenhafte Vergangenheit verträngen. Wie in der Literatur, so hat auch im Film die Beschäftigung mit dem Holocaust erst recht spät angefangen - frühestens mit den Eichmann-Prozessen in den 70er Jahren. Heute sind Filme wie “Schindlers Liste”, “Der Pianist” oder “Das Leben ist schön” hoch dotiert und aus der Filmgeschichte nicht mehr wegzudenken. Seit ein paar Wochen beschäftigt sich die Kinowelt wieder mit der Vergangenheit. Insgesammt drei Filme behandeln das Thema in ihrer eigenen Art und Weise, aus dem Blickwinkel eines Kindes, eines jüdischen Partisanen und eines Mannes aus den 70ern, der entdecken muss, dass seine eigene Freundin vor ihm ein düsteres Geheimnis verschweigt.

Der Junge im gestreiften Pyjama

“Der Junge im gestreiften Pyjama” ist ein bildstarker und komplexer Film. Sein Ende ist verheerend, aber die Kraft des Films liegt nicht nur im unvergesslichen Abschluss. Er erzählt die Geschichte einer deutschen Familie während des Zweiten Weltkriegs. Der Vater ist ein Nazi-Beamter, der von Berlin aus als Kommandant in ein Konzentrationslager berufen wird. Seine Frau ist eine komplexe Figur, der manchmal äußert unbehaglich bei dem ist, was ihr Mann tut. Ihre Mutter ist eine deutsche Antifaschistin. Das Paar hat zwei Kinder, eine pubertierende Tochter, die sich mit dem Vater und seinem Nationalsozialismus identifiziert, und ein achjähriger Junge, der noch voll und ganz Kind sein will und noch nicht begreift, was um ihn herum passiert.

Die Familie Dynamik spiegelt nicht nur die Dominanz der Nazi-Ideologie in der Gesellschaft wieder, sie steht auch für die Spalten in dieser Dominanz.

Der Film zwingt den Betrachter sich mit einigen grundlegenden und rohen Emotionen zu konfrontieren. Ist es möglich, mit Personen in einer Familie eines KZ-Kommandant zu sympathisieren? Wenn Sie dies tun, ist dies dann jedoch unbeabsichtigt eine Legitimität für die gesamte Schäbigkeit des Nazi-Unternehmens? Und, ist es möglich, trotz der Schrecken des Holocausts, nicht nur von bösen Nazis und unschuldigen Juden zu sprechen, sondern von Menschen, einfachen Menschen?

Defiance

“Defiance” ist ein wichtiger Beitrag zum Verständnis, was einige Juden vor und während des Holocaust getan haben, wie sie für ihr eigenes und das Überleben ihrer Mitmenschen gekämpft haben. Die Bielski Brüder waren eine Gruppe bunt gemischter Juden, versteckt im Wald, die sich in einem gewaltigen Widerstand gegen die Nazis befanden und gleichzeitig die Stärkung ihrer jüdischen Werte unter Beweis stellen wollten.

Der Vorleser

Um so weiter weg wir uns zeitlich vom Holocaust entfernen, müssen wir auch weiterhin die Geschichte der Shoah weitererzählen, die in einer Art und Weise neue Generationen erreichen und berühren soll. “Der Vorleser”, basierend auf Bernhard Schlinks gleichnahmigen Roman, erzählt auf außergewöhnliche Art und Weise vom Schweigen über das Geschehene. Der Zuschauer selbst wird im Film direkt in die Handlung mit einbezogen und teilt die Kenntnisse, Scham und Schärfe der Zeichen, der auf Grundlage von Bernhard Schlinks genialem Buch geschrieben wurde.



Dieser Beitrag erschien zuerst auf andersdenken20.de.

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