The show must go on

Eine Kontroverse zwischen Vorführungen und Tierrechten 08.01.2008, Trier – (red) Seit wenigen Tagen sind die Veranstaltungen des Trierer Weihnachtscircus vorbei. Zum vierten Mal begeisterten Rosita und Joachim Sperlich von Romanza Circusproduction mit ihrer Circus-Gala die Zuschauer. Artisten aus aller Welt boten eine spannende Alternative zum Fernsehprogramm und sorgten tagelang für

pferdh.jpgEine Kontroverse zwischen Vorführungen und Tierrechten

08.01.2008, Trier – (red)

Seit wenigen Tagen sind die Veranstaltungen des Trierer Weihnachtscircus vorbei. Zum vierten Mal begeisterten Rosita und Joachim Sperlich von Romanza Circusproduction mit ihrer Circus-Gala die Zuschauer. Artisten aus aller Welt boten eine spannende Alternative zum Fernsehprogramm und sorgten tagelang für ein ausverkauftes Zelt. Aber nicht alle Besucher konnte die traditionsreiche Zirkusfamilie mit ihrer Nachfolgeshow zum “Frankfurter Weihnachtszirkus” begeistern. Immer wieder standen Tierschützer vor dem Zirkusgelände und protestierten für “die Achtung des Lebens”.

Die angeregte Diskussion zwischen dem Zirkus und den Tierschützern hielt sich in einem relativ friedlichen Rahmen, doch die Standpunkte sind festgefahren. Dabei liegen die Interessen beider gar nicht so weit voneinander entfernt.
kafigp.jpgDer Vorsitzender von “Menschen für Tierrechte – Saar e.V”., Rolf Borkenhagen erklärt: “Wildtiere im Zirkus können nicht artgerecht gehalten werden. Außerdem lernen Kinder im Zirkus genau das, was sie nicht lernen sollen”. Die Vorführung von Tieren findet der 59-jährige Datenverarbeitungs-Kaufmann pädagogisch widersinnig, schließlich sollen Kinder Respekt vor dem Leben und der Kreatur lernen. Unterwerfende Dressur und die Vorführung erzwungener Kunststücke förderen aber vielmehr eine unterdrückende und ausbeuterische Haltung zu Tieren.
circus.jpgOliver Häberle, Pressesprecher des Zirkus begegnet dem Teils zustimmig. Auch der 38-jährige Kantstadter sagt, es gäbe “keine artgerechte Haltung für Wildtiere, weder im Zirkus, noch im Zoo”. Dennoch meint er: “Was hat das Wildtier für ein Privileg? Unsere Tiere sind immer draußen. Viele Kühe stehen das ganze Jahr über im Stall.”
kamel.jpgMarco Burczyk von “Grün ist die Hoffnung” entgegnet: “Wildtiere gehören in ihren natürlichen Lebensraum. Nur dort können sie so leben, wie es ihrer Art entspricht.” Die Haltung von Wildtieren schränke die Auslebung artspezifischer Verhaltensweisen ein. Besonders bei der Wildtierhaltung in Zirkussen sei es gravierend, “wobei diese primär das Sozial-, Sexual-, Mutter-Kind-, Bewegungs- und Territorialverhalten betreffen.”
circuse.jpgHäberle, seit 25 Jahren im Zirkusgeschäft: “Die Art der Tierhaltung hat sich in den letzen 20 Jahren stark verbessert, dank dem Wirken der Tierschützer. Es gibt Richtlinien über Gehege, Größe, Futter und Auslauf der Tiere und das Veterinäramt kontrolliert das. Gott sei Dank!”, sagt der Zirkusmann, denn es gäbe leider auch schwarze Schafe in der Branche. Es sei aber ungerecht die ganze Branche zu verteufeln. Häberle, der seit Anfang an beim Trierer Weihnachtscircus mitwirkt, hilft beim Zusammenstellen des jährlich neuen Programms. Er versichert, selbst über Internet zu recherchieren, ob es bekannte Vorfälle wegen den Tieren der engagierten Artisten gibt. In solchen Fällen gäbe es keinen Vertrag mit dem Weihnachtszirkus. “Die Tiere sind die Existenzgrundlage des Zirkus, wir würden einen Teufel tun, nicht gut für die Tiere zu sorgen.” Die Existenzgrundlage – das sei das Problem: Zwar gibt es auch Zirkusse ohne Tiervorführungen, aber “die besitzen eine eigene Nische in der Branche. Wenn alle Zirkusse ohne Tiere auftreten würden, könnte die ganze Branche dicht machen. Das will dann keiner mehr sehn.”

Marco Burczyk ist das zu wenig: “In anderen Ländern gibt es bereits Gesetze, die das Mitführen von Wildtieren im Zirkus aus Tierschutzgründen verbieten. Belgien, Dänemark, Finnland, Österreich, Schweden u.a. haben schon vor Jahren Haltungsverbote für bestimmte Tierarten beschlossen z.B. bei Affen, Elefanten, Großkatzen, Robben, Nashörnern und Wölfen. Nur in Deutschland dürfen Zirkusse noch immer alle Tierarten mitführen. Es wird lediglich empfohlen, einige Arten nicht in Zirkussen zu halten u.a. bei Menschenaffen, Nashörner und Pinguine. Aus Tierschutzsicht ein katastrophaler Zustand, der dringend einer gesetzlich verankerten Veränderung bedarf.”

Nach § 2 des Tierschutzgesetzes ist geregelt, dass “wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muß das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen.” Das ist aber bei Wildtieren unter den gegebenen Umständen nicht möglich. Dennoch greift das Gesetz nicht.
banne.jpgFrau Dr. Marx vom Veterinäramt Trier-Saarburg ist für die Überwachung der Einhaltung des Tierschutzgesetzes zuständig. Während drei offiziellen Besuchen inspizierte sie den “Trierer Weihnachtscircus”. Sie habe zwei Mal bemängeln müssen, dass die Kamele kein frisches Grünfutter bekämen. Beim dritten Mal hätten die Betreiber aber für Grünfutter gesorgt. Was die Überwachung der “artgerechten” Pflege von Wildtieren betrifft, sind der Amtsärztin die Hände gebunden. Es fehle, laut den Tierschutzverbänden, ohnehin an Kapazitäten und geeignete Unterbringungsmöglichkeiten. Zwar hat der unionsgeführte Bundestag sich am 17. Oktober 2003 entschieden, ein Verbot für bestimmte wild lebende Tiere im Zirkus zu erlassen. Doch der Verordnungsentwurf lässt heute immer noch auf sich warten. Die ehemalige Regierung hat einige Vorarbeiten zur Rechtsverordnung geleistet. Der Regierungswechsel trug allerdings dazu bei, dass die Umsetzung zum Bundesratsbeschluss ins Stocken geriet.

Die indischen Elefanten von Elvis Errani aus Italien sind inzwischen nach Monte Carlo aufgebrochen. Ebenso die sibirischen und mongolischen Kamele von Ignat Ignatov. Die Tiere der Artisten sind die meiste Zeit unterwegs. Sie führen ein Leben zwischen Transportwagen, Dressur und Show.

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