Gestern Abend wurde der Kauf des Berliner Verlages (“Berliner Zeitung”, außerdem “Hamburger Morgenpost”, “Berliner Kurier” und Stadtmagazin “tip”) für rund 152 Millionen Euro durch die Kölner Verlagsgruppe DuMont Schauberg (“Kölner Stadt-Anzeiger”, “Frankfurter Rundschau”) unterzeichnet.
Der Verkauf des Berliner Verlages im Oktober 2005 an den britischen Finanzinvestor David Montgomery war vielfach kritisiert worden, denn Montgomery gilt als “Inbegriff der “Heuschrecke”; ein Investor, der die Rendite auf Kosten des Unternehmens erwirtschaftet und es anschließend wieder abstößt” (Wikipedia). So wurde Montgomery die erste “Heuschrecke” in der deutschen Mediengeschichte. Montgomerys Mecom-Gruppe ist im Besitz von etwa 300 Zeitungen- und Zeitschriftentiteln in ganz Europa. Die Schulden des Unternehmens sollen sich nach “SPIEGEL“-Angaben auf ca. 600 Millionen Euro belaufen.
Der im Mai 2006 von der “Hamburger Morgenpost” als Chefredakteur eingesetzte Josef Depenbrock schaffte es nur schwer, die hohen Renditevorgaben und Sparmaßnahmen seines Arbeitgebers zu erfüllen. Der außerdem in seiner Funktion liegende Spagat als gleichzeitiger Geschäftsführer und Redaktionsleiter der Zeitung in Personalunion sorgte zudem für ständige Unruhe und Konflikte auf Redaktionssitzungen (denen auch ich damals noch als Praktikant einige Male beiwohnen durfte) und in der Öffentlichkeit. Eine Klage des Redaktionsausschusses der “Berliner Zeitung” im März 2008 gegen Depenbrocks Rolle als Vorsitzender und Geschäftsführer, die vom Deutschen Journalistenverband unterstützt wurde, war jedoch ohne Erfolg.
Dass der Verlag nun wieder von einer größeren Verlagsgruppe bewirtschaftet wird und nicht den Interessen eines Großinvestors ausgeliefert ist, wird in der Branche überwiegend positiv beurteilt. In der Art äußerte sich etwa Feuilleton-Chef der “Welt” Eckhard Fuhr auf “Deutschlandradio Kultur”. Andere wiederum, wie etwa der “SPIEGEL”, beäugen sehr aufmerksam die Pressekonzentration und damit Machtfestigung DuMont Schaubergs als viertgrößter deutscher Zeitungsverlag. Das Bundeskartellamt muss den Kauf noch genehmigen. Der derzeitige “FR”-Chefredakteur und bereits frühere Chefredakteur der “Berliner Zeitung” Uwe Vorkötter soll übergangsweise die Chefredaktion für beide Blätter übernehmen.
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