Das Schulsystem: “Der Beweis, dass es (nicht) funktioniert” (Ein Kommentar)

Spätestens seit dem Aufkommen der PISA-Studien ist die deutsche Bildungspolitik ein hitziges Thema. Besonders das dreigliedrige Schulsystem spaltet dabei die Gemüter. Vernor Muñoz etwa, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, wurde 2007 für seinen Bericht über das deutsche Bildungssystem kritisiert, in dem er unter anderem schrieb, dass in keinem anderen

klazi.jpgSpätestens seit dem Aufkommen der PISA-Studien ist die deutsche Bildungspolitik ein hitziges Thema. Besonders das dreigliedrige Schulsystem spaltet dabei die Gemüter. Vernor Muñoz etwa, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, wurde 2007 für seinen Bericht über das deutsche Bildungssystem kritisiert, in dem er unter anderem schrieb, dass in keinem anderen vergleichbar entwickelten Land die Chancen für Schüler derart von den Einkommensverhältnisen der Eltern abhängen wie in Deutschland. Auch wirke sich das Schulsystem “negativ auf arme Kinder und Migranten sowie Kinder mit Behinderungen” aus. Bei seiner Abreise legte er der Bundesregierung nahe, das gegliederte Schulsystem nochmals zu überdenken.

Mit seiner Kritik stand und steht er nicht alleine da: Bereits 2004 äußerte sich Eva-Maria Stange von GEW (Die Bildungsgewerkschaft) wie folgt zum Schulwesen: “Das dreigliedrige Schulsystem, das aus der Ständegesellschaft des 19. Jahrhunderts stammt, ist historisch längst überholt. Wir brauchen eine Schule, in der alle Mädchen und Jungen gemeinsam bis zum Ende der Pflichtschulzeit lernen.” Zur Veranschaulichung gab es auch Statistiken: Rund 40 Prozent aller Schüler müssen mindestens ein Mal eine Klasse wiederholen, 85.000 Kinder beenden ihre Schulkarriere gänzlich ohne Abschluss.

Bundesländer lenken ein

Dass das Schulsystem eine dringende Reform bedarf, haben inzwischen sogar einige Politiker begriffen: Die nordrhein-westfälische SPD setzt sich für eine Gemeinschaftsschule ein, da das aktuelle System ein “ungerechtes und unfaires Auslaufmodell” ist, so die SPD-NRW-Vorsitzende Hannelore Kraft. Die FPD hingegen stellt sich ein flexibles Schulmodell vor, bei dem jede Stadt unbürokratisch und situativ über den Zusammenschluss ihrer Schulen entscheiden darf. Während die einen noch diskutieren und überlegen, schreiten andere zur Tat: Im August diesen Jahres wird in Hamburg das so genannte Zwei-Säulen-Modell eingeführt, das einen Zusammenschluss von Haupt-, Real-, und Gesamtschulen zu Stadtteilschulen vorsieht. Daneben wird es weiterhin das klassische Gymnasium geben, wobei beide Schulzweige zum Abitur führen. Neben der Hansestadt hat sich bis dato lediglich noch Schleswig-Holstein für eine Änderung des bestehenden Systems entschieden: Grundschüler können dort nicht mehr sitzenbleiben und es wird gemeinsam bis zur 10. Klasse gelernt.

Einer gegen 85.000?

So ist festzustellen, dass alle Kritiken – sei es von Vernor Muñoz oder anderen Personen – ihre Berechtigung haben, ansonsten würde kein Bundesland einlenken; warum sollten sie auch ein funktionierendes System ändern? Dennoch gibt es weiterhin Stimmen, die mit purer Ignoranz am konservativen Schulsystem festhalten. Einer macht es sich in einem SPIEGEL-ONLINE-Artikel besonders einfach, was die Argumentation betrifft: “Ich bin der Beweis, dass es funktioniert”, sagt Younes Ouaqasse, der Bundesvorsitzende der Schülerunion der CDU. Immerhin hat er es vom Hauptschüler zum Gymnasiasten geschafft. Dass das tausenden Schülern nicht gelingt und, wie eingangs erwähnt, 85.000 gar keinen Abschluss erlangen, ignoriert der 20-Jährige offenbar. Auch dass Schüler – während der Schulzeit – für ein besseres Schulwesen demonstrieren, gefällt ihm nicht: Die Demonstrationen seien nämlich auf die Förderung “linker Ideologen” zurückzuführen, meint er.

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  1. Bei aller Abneigung gegen die Diktatur der SED muß ich dennoch wahrheitshalber zugeben, daß das Schulsysthem der DDR deutlich erfolgreicher war als das Bundesdeutsche. Ich gehöre zum Jahrgang 1944, das war der letzt Jahrgang, für den damals in der DDR noch die 8. Klasse den Abschluß bildete. Der Jahrgang 1945 ging dann schon 10 Jahre zur Schule. Seit 1975 lebe ich im Westen und hatte somit reichlich Gelegenheit, bezüglich des Wissensstandes Vergleiche zu ziehen. Meine persönlichen Erkenntnisse sind erschreckend. Auch wenn es jetzt einigen Lesern nicht gefällt möchte ich doch der Wahrheit die Ehre geben und meine persönliche Feststellung so formulieren: Wir haben damals in acht Schuljahren deutlich mehr gelernt als bundesdeutsche Schüler in zehn Jahren. Das heutige Bildungsniveau erscheint mir nicht nur bei Schülern sondern auch bei jüngeren Lehrern katastrophal.