Anschlag ohne Täter? Der Fall Mannichl

Seit nun mehr als einem Monat fahndet die Polizei nach dem Täter für den Anschlag auf Alois Mannichl – doch nach wie vor keine Ergebnisse in der Öffentlichkeit. Die Kleinstadt Fürstenzell hat 7809 Einwohner und die Wohngegend an der Ringstraße (in der Mannichl laut Telefonbuch wohnt) ist überschaubar. Wer Kleinstädte

Seit nun mehr als einem Monat fahndet die Polizei nach dem Täter für den Anschlag auf Alois Mannichl – doch nach wie vor keine Ergebnisse in der Öffentlichkeit. Die Kleinstadt Fürstenzell hat 7809 Einwohner und die Wohngegend an der Ringstraße (in der Mannichl laut Telefonbuch wohnt) ist überschaubar. Wer Kleinstädte kennt weiß, das Fremde dort schnell auffallen.

Es gab auch eine Zeugin, die an dem Tattag ein Neonazi-Pärchen aus München in der Stadt gesehen hatte. Dieses wurde zunächst verhaftet, dann aber wieder frei gelassen, weil, wie jetzt bekannt wurde, dieses Pärchen zur Tatzeit in Erding vom Verfassungsschutz observiert wurde. Auffällig hierbei ist ja, das eine Frau einige Neonazis so gut beschreibt (oder sich ausdenkt), dass diese scheinbar eindeutig auf ein Pärchen passen. Dann aber wurde dieses Pärchen zeitgleich(?) und zufällig auch im ca. 170 Kilometer entfernten Erding vom Verfassungsschutz überwacht – und damit haben sie ein wasserdichtes Alibi. Zuvor hatte ein Polizei-Psychologe der Zeugin ihre Glaubhaftigkeit bescheinigt. Dann passierte auch Folgendes: Das Pärchen erhielt einen Haftbefehl in dem der Klarname der Zeugin stand. Die Zeugin wurde daraufhin nach eigenem Bekunden bedroht.

Vermutungen, dass es sich bei der Tat um eine Beziehungstat handelt, gibt es auch. Mehrere Ermittler gaben der Süddeutschen Zeitung Einblicke in die Ermittlungen und sorgten für Zweifel am Tathergang, dem rechtextremistischen Hintergrund der Tat, der Aussage Mannichls und vieles mehr. Mannichl wehrte sich öffentlich gegen die (aus seiner Sicht) Diffamierungen, wurde aber dann vom Innenminister Herrmann zum Schweigen aufgefordert: “Ich glaube, auch Herr Mannichl ist gut beraten, die Ermittlungsarbeit seiner Kollegen nicht durch öffentliche Interviewaussagen zu erschweren“. Auch sonst passte ihm die Öffentlichkeit des Falles nicht besonders: Mit ständigem Geschätz in der Öffentlichkeit wird die Arbeit der Ermittler nicht leichter. Obwohl die Ermittler keine Erfolge präsentieren konnten, wurden sie von Herrmann gelobt. Gleichzeitig betont er den Wert der V-Leute in der rechtsextremen Szene, obgleich diese offenbar im Fall Mannichl eben gerade keine Informationen lieferten. Bisher ist nur bekannt, dass V-Leute das Verbot der NPD erfolgreich verhindern.

Was sind V-Leute ?

V-Leute (“Vertrauens-Leute”) sind Menschen, die in Organisationen oder Szenen unterwegs sind, aber keine Angestellten des Staates. Staatliche Behörden wie der Staats- oder Verfassungsschutz zahlen diesen Behörden allerdings oft Geld oder gewähren ihnen Straferlass bei einer Kooperation. Bekannt ist, dass V-Leute auch in manchen Fällen zu Straftaten anregen oder Waffen besorgen wie z.B. im Falle des Berliner-V-Manns Peter Urbach. Die Problematik hierbei ist natürlich die, dass es im Klagefall schwierig wird eine Grenze zu ziehen – denn angenommen ein V-Mann besorgt für eine extrem Organisation Waffen und diese begehen damit einen Anschlag, so macht sich dieser und somit auch der Staat quasi zum Mittäter im rechtlichen Sinne.

Zudem verfälschen die Aktiven, die ja auch ein Eigeninteresse daran haben weiterhin Vorteile vom Staat zu erhalten, das Bild einer Szene. Und dann ist da noch die Frage, wie hoch der Anteil an V-Leuten in einer Organisation wird – und in wieweit deren Existenz nicht sogar dazu beiträgt, dass Menschen weiterhin in extremen Organisationen aktiv sind. Auch Aktionen wie das Celler Loch deuten daraufhin, dass die Exekutive in manchen Aktionen nicht davor zurückschreckt selbst kriminell zu werden, um bestimmte Ziele zu erreichen oder auch einen Eindruck zu erwecken oder auch zu verschleiern.

 Gerüchte und Theorien

In der WELT, die sich auch besonders kräftig an wilden Spekulationen beteiligt, darf sich der lokale NPD-Vorsitzende Gabling auch über die Entwicklung freuen. Und Thesen, wonach die Tat wahrscheinlicher der linksextremen Szene zuzuordnen wäre, wurden in die WELT gesetzt. Da solle dann jemand Mannichl angegriffen haben, um die rechte Szene zu belasten. Die eindeutige Zeugenaussage Mannichls verblasste  zusehends. Die Aussage der Zeugin, die zunächst als glaubwürdig eingestuft wurde, gilt inzwischen als nicht belastbar. Angeblich hat man auch den von Mannichl beschriebenen Täter in keiner Datenbank finden können – und daher könne es ja gar kein Rechtsextremer gewesen sein. Es dürfen aber erhebliche Zweifel angemeldet werden, ob europaweit jeder einzelne Rechtsextreme registriert ist. Denn nur wenn dem so wäre, würde eine solche Aussage Sinn machen. Außerdem äußerten sich sogenannte Experten und meinten, das Rechtsextreme keine Messer benutzen würden. Wie die Geschichte zeigt, ist das weit gefehlt.

Wo sind die Fakten?

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass im Fall Mannichl tatsächlich vieles seltsam ist. Wir haben einen verletzten Polizeichef, der bilderbuchhaft gegen Rechtsextreme aktiv war, der dann auch nach seiner eigenen Aussage von einem Rechtsextremen niedergestochen wurde. Die Motivation wäre, hätte man einen Täter gefasst, ganz logisch. Dann aber wird es seltsam – vom eigenen Messer erstochen, das zufällig draußen lag, keine DNS-Spuren, keine Tatzeugen, Rechtsextreme, die von einer Zeugin in Fürstenzell gesehen wurden, aber dann doch in Erding waren – und zufällig dann auch gerade vom Verfassungsschutz beobachtet wurden, der ihnen somit das perfekte Alibi lieferte. Eine Zeugin, deren Name versehentlich der rechten Szene übergeben wird. Wilde Spekulationen, ein frustriertes Opfer, eine ungeduldige Öffentlichkeit und ein Innenminister, der Maulkörbe verteilt und zuvor Ermittler, die sich öffentlich wild an diversen Spekulationen beteiligen. Insgesamt außer der Verletzung Mannichls offenbar wenig Fakten, dafür aber viele Gerüchte und Auffälligkeiten.

Wer kommt als Täter infrage?

Selbst wenn wir einmal davon ausgehen, das es keine rechtsextreme Tat war, wer war es dann und wie konnte jemand so perfekt einen Anschlag umsetzen, dass die Polizei wochenlang keine Spur hat? Ein einfacher Verwandter Mannichls scheint dazu genauso unwahrscheinlich imstande zu sein wie ein verwirrter Linksextremist. Das Ganze riecht stark nach einem gut geplanten Anschlag, bei dem sogar falsche Spuren mit eingeplant wurden. Und so wie es läuft, scheint es inzwischen auch unwahrscheinlich, dass es die Tat eines Einzeltäters war. Zu viele Zufälle und Versehen, zu viele ganz offensichtlich gezielt gestreute Gerüchte und Desinformationen und zu wenig harte Fakten. Man darf gespannt sein ob und wen die Behörden uns irgendwann als Tatverdächtigen präsentieren werden – am Ende wird man wohl doch noch behaupten, Herr Mannichl habe sich selber erstochen, um die Öffentlichkeit aufzurütteln. Dieser Fall wirft mehr offene Fragen auf, als er derzeit an Antworten bietet. Der Öffentlichkeit werden portionsweise genau die Informationshappen hingeworfen, die zu einer optimalen Verwirrung beitragen. Das lässt die Hoffnung schwinden, dass wir in dem Fall jemals erfahren werden, was wirklich dahinter steckt.

Kommentare

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  1. mit verlaub: nenn doch mal bitte die quelle, wonach “das pärchen” von der “zeugin” erkannt worden ist. ich finde überall nur erwähnt, dass die “zeugin” den männlichen teil des nazipärchens auf einem foto erkannt habe, den weiblichen teil jedoch nicht. du weisst da scheinbar als einziger mehr. woher?