Obamas Antrittsrede: “Hoffnung statt Furcht”
“Mit dem heutigen Tag stehen wir wieder auf”
Amerika steckt in der Krise, und seine Truppen sind im Krieg. Doch Kraft der Besinnung auf die Ideale der Pioniere werden die USA alle Herausforderungen meistern – das ist das Versprechen von Barack Obama.
Obama beschwört den Mythos der Gründerväter, den „amerikanischen Traum“, und den Stolz der Amerikaner auf die „mächtigste Nation“. Es ist ein Nationalismus, der sich nicht als solchen versteht, es ist geradezu eine Ersatzreligion mit religiösem Segen (wie man bei den Inaugurationsfeierlichkeiten beobachten konnte).
Er will Amerika „wieder neu errichten“ und will „Führung (in der Welt) einmal mehr übernehmen“. Es ist der an den amerikanischen Puritanismus erinnernde Sendungsglauben der Auserwähltheit und des Erfolgsethos nach innen und außen.
Er will die Nation „auf ein neues Zeitalter vorbereiten“ – nicht gerade ein bescheidenes Ziel.
Der amerikanische Mythos ging historisch leider immer auch einher mit dem Widerspruch zwischen dem Ideal und der Wirklichkeit. Man kann nur hoffen, dass Obama die Wirklichkeit wenigstens ein Stück weit hin zum Ideal verändern kann. Sein Vorgänger Bush hat die Maßstäbe ins Bodenlose sinken lassen, von daher kann es eigentlich nur besser werden.
Man glaube allerdings nicht, dass das Gesellschaftsbild Obamas, dem des europäischen Wohlfahrtsstaates mit seinen sozialen Rechten entspricht. Es ist das amerikanische Bild, dass jeder, der sich anstrengt, gleiche Chance haben soll, aber nicht das Ideal, dass die Gesellschaft auch dazu beitragen muss, dass jeder auch gleiche Chancen hat.
Bei aller Bewunderung, dass ein Angehöriger einer Bevölkerungsgruppe amerikanischer Präsident werden konnte, die noch vor wenigen Jahrzehnten unter unmenschlicher gesellschaftlicher Diskriminierung leiden musste, sollte nicht vergessen werden, dass der Aufstieg eines einzelnen, die amerikanische Gesellschaftsstrukturen noch nicht verändert hat.
Dass nach der Amtseinführung die Börsenkurse an der Wall Street gefallen sind, ist ein Indiz dafür, auf welche Widerstände sich Obama bei seinem „Neuanfang“ einstellen muss.
Ein neuer Präsident ist im Amt, die Hoffnungen von Millionen richten sich auf ihn. Doch die Machtstrukturen in der amerikanischen Gesellschaft und vor allem im politischen System sind geblieben.
Obama geht einen schweren Gang. Er kann nur auf diejenigen bauen, die ihre Begeisterung auf ihn richten. Und er hat große Hoffnungen auf sich gelenkt, umso größer ist die Gefahr von Enttäuschungen.
Obamas Antrittsrede: “Hoffnung statt Furcht”
“Mit dem heutigen Tag stehen wir wieder auf”
Amerika steckt in der Krise, und seine Truppen sind im Krieg. Doch Kraft der Besinnung auf die Ideale der Pioniere werden die USA alle Herausforderungen meistern – das ist das Versprechen von Barack Obama.
===>Im Folgenden DEUTSCHER WORTLAUT DER REDE hier lesen
Quelle: Spiegel
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,druck-602483,00.html
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Anmerkung Wolfgang Lieb http://www.nachdenkseiten.de/
Obama beschwört den Mythos der Gründerväter, den „amerikanischen Traum“, und den Stolz der Amerikaner auf die „mächtigste Nation“. Es ist ein Nationalismus, der sich nicht als solchen versteht, es ist geradezu eine Ersatzreligion mit religiösem Segen (wie man bei den Inaugurationsfeierlichkeiten beobachten konnte).
Er will Amerika „wieder neu errichten“ und will „Führung (in der Welt) einmal mehr übernehmen“. Es ist der an den amerikanischen Puritanismus erinnernde Sendungsglauben der Auserwähltheit und des Erfolgsethos nach innen und außen.
Er will die Nation „auf ein neues Zeitalter vorbereiten“ – nicht gerade ein bescheidenes Ziel.
Der amerikanische Mythos ging historisch leider immer auch einher mit dem Widerspruch zwischen dem Ideal und der Wirklichkeit. Man kann nur hoffen, dass Obama die Wirklichkeit wenigstens ein Stück weit hin zum Ideal verändern kann. Sein Vorgänger Bush hat die Maßstäbe ins Bodenlose sinken lassen, von daher kann es eigentlich nur besser werden.
Man glaube allerdings nicht, dass das Gesellschaftsbild Obamas, dem des europäischen Wohlfahrtsstaates mit seinen sozialen Rechten entspricht. Es ist das amerikanische Bild, dass jeder, der sich anstrengt, gleiche Chance haben soll, aber nicht das Ideal, dass die Gesellschaft auch dazu beitragen muss, dass jeder auch gleiche Chancen hat.
Bei aller Bewunderung, dass ein Angehöriger einer Bevölkerungsgruppe amerikanischer Präsident werden konnte, die noch vor wenigen Jahrzehnten unter unmenschlicher gesellschaftlicher Diskriminierung leiden musste, sollte nicht vergessen werden, dass der Aufstieg eines einzelnen, die amerikanische Gesellschaftsstrukturen noch nicht verändert hat.
Dass nach der Amtseinführung die Börsenkurse an der Wall Street gefallen sind, ist ein Indiz dafür, auf welche Widerstände sich Obama bei seinem „Neuanfang“ einstellen muss.
Ein neuer Präsident ist im Amt, die Hoffnungen von Millionen richten sich auf ihn. Doch die Machtstrukturen in der amerikanischen Gesellschaft und vor allem im politischen System sind geblieben.
Obama geht einen schweren Gang. Er kann nur auf diejenigen bauen, die ihre Begeisterung auf ihn richten. Und er hat große Hoffnungen auf sich gelenkt, umso größer ist die Gefahr von Enttäuschungen.