Witzig, rührend und bedrückend: “Hurentaxi” als Hörbuch
Das Publikum drängte sich zwischen Gynostuhl und Streckbank, als Martin Auer sein Hörbuch “Hurentaxi – vom Leben der Callgirls” in der “Kammer” des Wiener SMart-Cafés vorstellte. Bei der Auswahl des SM-Treffs als Schauplatz der Präsentation wird wohl auch Spekulation mit der Sensationslüsternheit des Publikums eine Rolle gespielt haben. Die Texte dagegen kommen ohne Spekulation auf lüsterne Ambitionen aus. Einfühlsam und genau beobachtet schildern sie den Alltag von jungen Mädchen, die - meist aus Osteuropa kommend - hier im Westen als Sexarbeiterinen tätig sind.

- Photo: Alfred Krondraf
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Der Bericht ist authentisch: Fünf Monate lang hat Auer bei der damals größten Wiener Escort-Agentur als Fahrer gearbeitet, die Mädchen zu den Kunden und wieder nach Hause gebracht und aufgeschrieben, was sie ihm erzählt haben.
Auer war in einem früheren Leben auch Schauspieler und Kabarettist.
Doch hier versteht er es, die unterschiedlichsten Charaktere lebendig werden zu lassen, indem er einfach nur dasteht und aus dem Manuskript vorliest: die unwissende blutjunge Rumänin, die von einem Kunden geschwängert wird; die abgebrühte slowakische Dirne, die über unsaubere Klienten herzieht; die urwienerische masochistische “Sklavin”, die mit Humor und Selbstironie über Rohrstock und Nadeln spricht; die kleine Polin, die sich früher nie von einem Burschen auch nur hat anrühren lassen und davon träumt, einmal mit einem lieben Mann in einem Häuschen im Grünen zu wohnen…

- Photo: Alfred Krondraf
Er macht das ohne Mätzchen, nur mit seiner etwas rauhen Stimme, die doch zu feinen Nuancen fähig ist. Manches ist rührend, manches zutiefst bedrückend. Manches ist witzig. Umwerfend witzig sogar. Aber es ist nicht der Autor, der sich lustig macht, es ist der Witz der dargestellten Frauen, der hier das Publikum zu Lachsalven reizt. Auer ist ein Sprachkünstler, der ohne Stimmakrobatik auskommt und ohne Pathos. Er zieht sein Publikum in Bann durch sein Mitgefühl und die Genauigkeit einer Darstellung, die nur einfache Worte braucht.
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Zwei Künstler sind noch zu nennen, die mit Martin Auer diesen Abend gestaltet haben:

- Photo: Nina Lechner
Da ist einmal der unglaublich junge und talentierte Jazz-Bassist Manuel Mayr, der auch auf der CD zu hören ist. Nach jedem von Auer gelesenem Kapitel nimmt er die Stimmung auf, führt sie weiter und verdichtet sie zu einem musikalischen Konzentrat. Auf der Vierfach-CD begleitet er jedes der 65 Kapitel mit einer musikalischen Miniatur ein.

- Photo: Nina Lechner
Zum anderen ist da Magdalena Steiner, eine der eigenwilligsten Künstlerinnen Wiens, die für das Cover der CD elf stimmige Grafiken geschaffen und im Rahmen der Präsentation ausgestellt hat. Auch bei Magdalena Steiner haben wir es mit einer Künstlerin zu tun, die auf Gags und Mätzchen verzichtet, geradlinig zur Sache kommt und sich einen Dreck um den Markt schert. Wenn der Pressetext das CD-Cover als “kleinen Kunstband” rühmt, ist das ausnahmsweise keine Übertreibung. (Siehe auch: “News in Bildern”)
Auers Bericht ist zuerst als Buch im deutschen LIT-Verlag erschienen. Danach hat der Autor es kapitelweise in seinem Podcast “Nachttaxi” vorgetragen, der in den iTunes-Charts in der Rubrik Literatur immer ganz oben ist. Erst auf Grund des erfolgreichen Podcasts wurde der Verlag hoanzl aufmerksam, der auch Österreichs beste Film-, Theater- und Kabarettproduktionen herausbringt.
Übrigens hat Auer zweien der Mädchen, die ausgestiegen sind, geholfen, ihre Schulausbildung zu beenden. “Man muss auch etwas zurückgeben an die Leute, über die man erzählt.”
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Das Hörbuch “Hurentaxi – vom Leben der Callgirls – ein Tagebuch von Martin Auer” ist auf vier CDs bei hoanzl auf dem Geco-Label erschienen:
Artikel-Nr: 05580-3
Format: 4CD
Label: Geco
Genre: Hörbuch
Preis: EUR 21,99
Hörproben gibt es auf: http://nachttaxi.kwikk.info/?p=71
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