Rundschau Spezial: Obama ist im Amt – So reagiert die Blogosphäre

Noch keine 24 Stunden sind seit seiner feierlichen Amtseinführung vergangen, die Millionen von Menschen entweder live in Washington oder aber über vielfältige Dienste im Internet verfolgt haben. Der 47-jährige Barack Obama ist als erster afroamerikanischer Präsident im Oval Office angekommen – mitsamt seines geliebten BlackBerrys. Wie kein anderer hat er

timesq.jpgNoch keine 24 Stunden sind seit seiner feierlichen Amtseinführung vergangen, die Millionen von Menschen entweder live in Washington oder aber über vielfältige Dienste im Internet verfolgt haben. Der 47-jährige Barack Obama ist als erster afroamerikanischer Präsident im Oval Office angekommen – mitsamt seines geliebten BlackBerrys. Wie kein anderer hat er gemeinsam mit seinem Team die Neuen Medien genutzt, um die Massen zu mobilisieren. Und er wird es, so hat er es zumindest angekündigt, auch weiterhin tun. Der Ausnahmepolitiker wendet sich direkt und ohne Umwege an sein Volk. Nun winkt die Blogosphäre zurück.

“Kaum ist Barack Obama als 44.ster Präsendent der USA vereidigt worden, beginnt er schon damit, die Regierungspolitik ein wenig transparenter zu machen”, freut sich etwa Klaus Eck auf seinem Blog PR Blogger. Mit seinem Smartphone ersetze er in gewisser Weise nicht nur das rote Telefon, sondern gebe sich auch offen gegenüber denjenigen, die wissen wollen, was die Obama-Administration täglich umtreibe. Regierungsblog und Video-Kanal, für den Blogger steht fest: “Barack Obama macht deutlich, was man von einer Regierungspolitik 2.0 erwarten kann und sollte. Sie nimmt die Bürger ernst und gibt ihnen Möglichkeiten der direkten Artikulation – online wie offline.” Politik 2.0 – für ihn heißt es daher: Daumen hoch.

Auch Deutschland täte eine solche Begeisterung gut

Frank Mazny, ein 35 Jahre alter Krankenpfleger und Blogger, schildert derweil seine ganz persönlichen Empfindungen während des historischen Moments der Amtseinführung: “Bei all meiner Skepsis ob der vielen Erwartungen an Obama konnte ich heute ein wenig nachvollziehen, was dieser Tag zuerst für alle Schwarzen in Amerika bedeuten muss, und ebenso für alle anderen, die nach 8 Jahren die Hoffnung auf einer Veränderung haben. Ob diese Veränderung so kommen wird, werden zwar erst die folgenden 4 Jahre zeigen aber im Rückblick und in Bezug auf Deutschland kann man das Ereignis vielleicht am ehesten mit 1998 vergleichen, als Helmut Kohl nach 16 Jahren von Schröder abgelöst wurde.” Auch für Deutschland wünsche er sich so eine Begeisterung, denn die Situation sei ja ganz ähnlich. “In diesem Jahr ist da keine Änderung in Sicht”, gibt er sich ganz pragmatisch, “aber für die Zukunft würde ich mir persönlich auch in Deutschland eine politische Figur wünschen, der man zumindest ansatzweise einen politischen Wechsel ganz unabhängig von der Partei zutrauen möchte.”

“Gibt es sie… brauchen wir sie überhaupt?”, kontert da allerdings Stefan Stahlbaum auf bar-blog.de. “In Europa, so meinen viele, kann sich eine solche ‘Lichtgestalt’ kaum entwickeln. Zu lebendig ist die Erinnerung an ‘die Verführer’, die ‘Menschenfischer’ und ihr verheerendes Wirken. Die Wahlsysteme in Deutschland und Österreich, ist zu lesen, zielen genau deshalb darauf ab, Personenkult zu verhindern”, fasst er die vermeintlichen Befindlichkeiten hierzulande zusammen und bricht das Phänomen “Obama” lieber auf die Brandenburger Landtagswahl herunter. Besondere Talente, wie sie dem gebürtigen Hawaiianer zugeschreiben werden, kann er hier jedenfalls nicht entdecken.

Petros von blogpoesie.com scheint das weniger umzutreiben. Er scheint kein Mann großer Worte zu sein. Mit “Mister President, ich gratuliere!” bringt er es gan schlicht auf den Punkt, lässt allerdings sogleich seinen “Dringlichkeitskatalog für den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten” folgen. Dem schließt sich Blogger-Kollege Helmut Maier mit diesen Gedanken an: “Wie schön wäre es, wenn er – übertragen in eine Zeit demokratischer Werte weltweit – als neuer Kyros/Kurosh und Bewahrer der Rechte der Menschen und des Eigenwerts der Völker in Frieden wirken könnte. Ein Traum?”

So weit in die Zukunft mag Sven Dietrich auf pop64.de/blog gar nicht blicken. Er kümmert sich lieber um Ereignisse, die in kürze zur Debatte stehen. “Hamburg vs. Berlin”, das ist sein Thema der Stunde. Wie dieses “Battle” ausgehen wird, das scheint zumindest in Anbetracht des nachfolgenden Videos einigermaßen klar. Denn “Barack Obama Orders a Hamburger on Air Force One”:

Wo auch immer er künftig hinreisen wird – für die ruhrbarone stellt sich nach einer Zeit des schillernden Wahlkampfs eine ganz entscheidende Frage: “Wer ist Obama wirklich. Wer ist dieser Mister X? (…) Ich will es wissen. Mir ist klar, dass nach der Zeit der Freude und der Begeisterung nun die Zeit der Enttäuschung anbricht. Obama wird Menschen verletzten. Jeden Tag mehr. Er wird weder den Weltfrieden bringen, noch den Planten retten”, warnt er und mahnt zugleich. “Ich denke, wir müssen genügsam sein. Hinter dem X wird nur ein normaler Politiker hervortreten, mit seinen normalen Schwächen.” “Er ist eine Chance”, zitiert er abschließend Neil Young. “Mehr nicht. Aber auch das wäre ein Ansatz.”

Eine Träne für “Dabbelju”

Euphorie, viel Lob aber auch ein wenig Skepsis tönen allenthalben aus dem Netz. Unsere Placeblogger von Fudder haben da schon fast einen “exotischen Kandidaten” ausgegraben. Denn sie titeln: “Ich steh’ dazu: Ich bin Bush-Fan“. Die fleißigen Redakteure haben ihn tatsächlich gefunden, einen Verehrer des “worst president ever” – oder besser gesagt eine Verehrerin. Die 23-jährige Germanistikstudentin Anita hängt dem Cowboy seit dem Tag seiner Amtseinführung buchstäblich an den Lippen. “Wenn jemand erfährt, dass ich Bush mag, liegt die Reaktion irgendwo zwischen abgrundtiefem Entsetzen und völliger Überraschung”, erzählt sie offen, “denn den ‘Dabbelju’ hat man hierzulande gefälligst blöd zu finden. Diese Intoleranz von Leuten, deren Wissen oft lediglich auf dem Film ‘Fahrenheit 9/11′basiert, regt mich manchmal schon auf.” Sie ist überzeugt, dass die Geschichte Bush deutlich positiver beurteilen werde, als das viele Menschen derzeit erwarten würden. Der jungen Frau ist das aber egal, sie hat sich ihre eigene Meinung gebildet.

Eine Meinung bilden, das können sich auch die unzähligen Benutzer der vielfältigen Dienste, die anlässlich des großen Tages zur Verfügung standen. “Was war der beste Platz, um die Amtseinführung online zu verfolgen“, fragen sich dich Macher von mashable.com. Wir sind gespannt.

Photo Quelle/Copyright: tristanbrand, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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  1. Also ich hab mich lieber auf einen Abgesang für G.B.Bush gestürzt, bevor ich in der MEdienhysterie für Barack Obama untergehe. Aber mein kritischer Post zum neuen Mann wird kommen, sobald seine ersten Taten zu bewundern sind. Gruß Cornelius