Best of Readers Edition – eine Wochenbilanz

Spektakulär ist sie zu Ende gegangen: Die vergangene Woche wird wohl über Jahre hinweg mit dem “Wunder vom Hudson River” in Verbindung gebracht werden. Dass Schock und Euphorie zeitweise jedoch ganz dicht beieinander liegen, das konnten wir bereits wenige Tage später feststellen. Am vergangenen Dienstag wurde Barack Obama feierlich in

bobie.jpgSpektakulär ist sie zu Ende gegangen: Die vergangene Woche wird wohl über Jahre hinweg mit dem “Wunder vom Hudson River” in Verbindung gebracht werden. Dass Schock und Euphorie zeitweise jedoch ganz dicht beieinander liegen, das konnten wir bereits wenige Tage später feststellen. Am vergangenen Dienstag wurde Barack Obama feierlich in das Amt des US-Präsidenten eingeführt. Auch dies ein Ereignis, welches wir wohl lange nicht vergessen werden. Kein Wunder, dass sich in Anbetracht dieser Geschehnisse auch die nun zurückliegenden Tage extrem spannend gestalteten. Zeitweise gar andere wichtige Nachrichten zu überlagern schienen. Unser heutiger Wochenrückblick startet daher bewusst mit anderen Themen. Doch lassen Sie sich überraschen…

Fernsehzuschauer in Aufruf blicken auf freudige Autobesitzer

Claus-Dieter Stille, unser geschätzter Autor hat bereits am vergangenen Samstag einen scheinbar großen Wurf gelandet. Hartnäckig hält sich sein Beitrag “Scholl-Latour: Leiden bei 3nach9” an der Spitze der meistgelesenen Artikel. 225 Kommentare haben seine kritischen Zeilen bis dato eingebracht – das Ende der Fahnenstange ist aber sicher noch lange nicht erreicht. Die Radio-Bremen-Talkshow spaltet die Nation. Peter Scholl-Latour versus Melody Sucharewicz und Co., so könnte der Außenstehende die Sendung auf den Punkt bringen. Denn, der groß als “Welterklärer” angekündigte Nahost-Experte enttäuschte viele auf ganzer Linie. “Am liebsten hätte sich Scholl-Latour aus der Talkshow ausgeklinkt”, fasst Stille das Gebaren des ehemaligen Journalisten zusammen. “Peter Scholl-Latour, es war ihm mit pochend steigendem Blutdruck förmlich nachzufühlen, litt.” Eine ganz bestimmte Lesart des Krieges Israel versus Gaza, so Stille, schien bereits schon vor der Sendung festzustehen. Und Scholl-Latour war erzürnt: “Man hat mich in die Falle laufen lassen!”, schimpfte er und unser Autor ist sich sicher: “man wollte oder konnte Scholl-Latour nicht verstehen”, wenn auch er nicht immer richtig gelegen haben mag.

Ob das nun allerdings auf die Abwrackprämie zutreffen wird? Rolf Ehlers nimmt sich bereits am letzten Sonntag dieses Themas an. “Anreize zum Autokauf qua Veruntreuung von Staatsgeldern“, lautet seine Überschrift unter der er sich den neuerlichen Anreizen der Bundesregierung hinsichtlich potentieller Neuwagenkäufer annimmt. Und wer hätte das gedacht, unsere Regierung zeigt sich hier doch tatsächlich großzügig wie kaum ein anderes Land. Angeblich habe die Prämie gar schon den Verkauf gedopt. Unglaubliche Zahlen werden geradezu in den Himmel gehoben. Aber – denn ohne Aber kann eine solche Geschichte gar nicht auskommen – sind solchen Prognosen, wie sie etwa die Tagesschau oder auch der Spiegel verbreiten, wirklich Glauben zu schenken? Ehlers beruft sich hier auf Ulrich Fromme, Vizepräsident des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes, der meint, dass eine solche Maßnahme die Nachfrage lediglich kurzfristig beleben könne. Da könnte schnell gefragt werden, worum geht es hier eigentlich? Stellvertretend für Viele bringt es daher ein Leser des Magazins Focus auf den Punkt: “Endlich enttarnt. Altautosteuer, Umweltzonen und jetzt Verschrottungsprämie: Angeblich für die Umwelt, in Wirklichkeit aber für die Industrie. Als ob die durch Konsum geschädigte Umwelt durch noch mehr Konsum gerettet werden kann. Hier enttarnen sich die Maßnahmen als kalte Enteignung, damit die Leute neu kaufen. Hoffentlich wenden sich die Wähler von so einem Unsinn ab!”

Aufsehen um einen Kriminal- und andere Fälle

Alois Mannichl, der Name des Passauer Polizeichefs geistert seit Wochen durch die Medien. Auch auf der Readers Edition wurde sich insbesondere von Holger Finn des Kriminal- und Medienspektakels angenommen. Auch Thilo Pfennig steigt in die aktuelle Diskussion um Täter und Opfer ein und fragt deshalb am vergangenen Montag “Anschlag ohne Täter? Der Fall Mannichl“. So dann lässt er die Ereignisse seit der schrecklichen Tat, die Mannichl fast das Leben gekostet hätte, Revue passieren. Seit fast einem Monat dauern die Fahndungsarbeiten der Polizei nun schon an. Doch zu welchem Ergebnis ist man bis dato gekommen? Verdächtige wurden verhaftet und wieder freigelassen, eine Zeugin erschien auf der Bildfläche, auch Vermutungen, die Täter wären im Dunstkreis des privaten Umkreises von Mannichl zu finden wurden laut. Gerüchte und Theorien machen die Runde. Handfestes – Fehlanzeige. Und so fragt auch Pfennig: “Wo sind die Fakten? Wer kommt als Täter in Frage?” “Das Ganze riecht stark nach einem gut geplanten Anschlag, bei dem sogar falsche Spuren mit eingeplant wurden”, meint unser Autor. Dieser Fall jedenfalls werfe mehr offene Fragen auf, als er derzeit an Antworten biete. Der Öffentlichkeit jedoch würden portionsweise genau die Informationshappen hingeworfen, die zu einer optimalen Verwirrung beitragen. “Das lässt die Hoffnung schwinden, dass wir in dem Fall jemals erfahren werden, was wirklich dahinter steckt.”

Über Hintergründe ganz anderer Art informiert dagegen Martin Auer, der in “Hurentaxi – vom Leben der Callgirls” hinter die Kulissen des weltältesten Gewerbes blickt. Unsere neue Autorin Nina Lechner, die wir an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich Willkommen heißen, War dabei als der bekannte Autor sein Werk als Hörbuch vorstellte. “Witzig, rührend und bedrückend” überschreibt sie den Abend im Wiener Smart-Café.” Er macht das ohne Mätzchen, nur mit seiner etwas rauhen Stimme, die doch zu feinen Nuancen fähig ist”, beschreibt sie sein Gebaren. “Manches ist rührend, manches zutiefst bedrückend. Manches ist witzig. Umwerfend witzig sogar. Aber es ist nicht der Autor, der sich lustig macht, es ist der Witz der dargestellten Frauen, der hier das Publikum zu Lachsalven reizt.” Er verstand es sein Publikum in den Bann zu ziehen, ohne Pathos, dafür mit Mitgefühl und Genauigkeit. Eine Geschichte, die unter die Haut geht.

“Glaube, Hoffnung, Metaphysik!”

Und nun sind wir am Ende doch wieder bei Barack Obama gelandet. Jesko Arlt, ebenfalls neu auf der Readers Edition und auch ihm ein herzliches Willkommen, schreibt am letzten Mittwoch: “Obama: ein Paradigmenwechsel und die deutschen Parteien“. “Glauben Sie noch an den Sieg der Vernunft? Eine rhetorische Frage. Bei näherer Betrachtung ist es nie die Vernunft, die siegt, sondern Menschen, die in ihrem Sinn handeln”, steigt er in seinen Beitrag ein. Doch er ist sich sicher, auch Obama wird sich an der Vernunft orientieren – allerdings getragen von einem anderen Geist: “Glaube, Hoffnung, Metaphysik!” Pathos und Rückbesinnung auf die Wurzeln, das ist es, was gerade in Amerika passiert. In Deutschland dagegen sieht es ganz anders aus. “Der deutschen Politik ist dieser Pathos fremd, und nur allzu gerne verliert sich der poltische Diskurs in den Untiefen des Pragmatismus und der rhetorischen Feinabstimmung”, urteilt Arlt und betrachtet sogleich einige großen Parteien aus der Nähe. Sei Urteil am Ende wirkt ernüchternd: “Um das Interesse an Politik und Gesellschaft zu erhöhen, sollten sich die Parteien in Deutschland auch auf den Diskurs über regionale, wertgebundene Strukturen, Common Sense und utopische Perspektive einlassen.” Denn, “Der inhaltliche und strukturelle Focus auf diese Themen ist der erste spürbare Erfolg der Präsidentschaft Barack Obamas.”

Mit diesen Gedanken verabschieden wir uns an dieser Stelle auch schon wieder von Ihnen. Ihnen allen wünschen wir erholsame freie Tage, die Sie vielleicht gerne mit Rolf Ehlers “Replik zu ‘Think Pink’” ausklingen lassen möchten. In diesem Sinne. Machen Sie’s gut: wir lesen uns nächsten Freitag.

Ihre Redaktion Readers Edition

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Kommentare

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  1. Sie erwähnen im Fall Mannichl Ihren Autor Thilo Pfennig. Ich finde, die Artikel von Holger Finn zu diesem Thema waren um Längen besser! Satire vom Feinsten!